Palladium-Barren

Preis seit August um fast 40 Prozent gestiegen Palladium als Hingucker auf dem Rohstoffmarkt

Stand: 20.11.2018, 11:59 Uhr

Die Preise vieler Metalle stehen unter Druck. Die Ausnahme: Das Edelmetall Palladium hat in dieser Woche ein Rekordhoch erreicht und ist mittlerweile fast so teuer wie Gold. Wie lange das so bleibt, ist allerdings unklar.

Auf das gesamte Jahr gesehen haben viele Metalle Preiseinbrüche erlitten. Preise von Industriemetallen wie Aluminium oder Kupfer, die im April und Juni jeweils auf ihrem höchsten Jahresniveau waren, sanken im Vergleich zum Januar um über sieben Prozent. Zink verlor gar um 15,6 Prozent an Wert.

Und auch die anderen Edelmetalle Platin und Gold haben nach ihren Höchstständen zu Beginn des Jahres kräftig abgebaut. Zwar winkt ihnen möglicherweise ein Comeback. Doch bis zum August befanden sie sich noch auf Tiefflug - der Goldpreis brach bis dahin um rund 13,5 Prozent ein, Platin verbilligte sich um fast ein Viertel.

Überflieger Palladium

Ein Metall sticht unter allen heraus auf dem Rohstoffmarkt: Palladium. Der Preis des seltenen silberweißen Metalls konnte in der vergangenen Woche sein 17-Jahres-Hoch erreichen und feierte am gestrigen Montag sogar mit zwischenzeitlich 1.180,44 Dollar ein Rekordhoch. Die Entwicklung ist gigantisch: Seit Mitte August hat der Palladiumpreis um knapp 37 Prozent angezogen. Längst hat er den Preis für Platin überholt. Auch die Differenz zum Goldpreis beträgt zur Stunde lediglich 71 Dollar, zu Jahresbeginn waren es noch fast 250 Dollar.

Nach Angaben von Marktbeobachtern sind besonders die Umweltschutzbemühungen Chinas für den Aufschwung des Edelmetalls verantwortlich. Das Thema Umweltschutz steht bei der chinesischen Regierung ganz oben auf der Agenda. Neben weitreichenden Importstopps für Müll und einer Verunreinigungsgrenze will das Land die Luft in den Städten säubern.

Katalysatoren

Katalysatoren. | Quelle: picture-alliance/dpa

Dabei spielt Palladium eine große Rolle, da es häufig als Katalysatormaterial in Benzinern eingesetzt wird. Das Metall reinigt giftige Abgase und je strenger die Vorschriften, desto mehr Palladium ist nötig. Etwa 70 bis 80 Prozent der Gesamtnachfrage nach Palladium kommt aus der Autoindustrie. Die Produktion ist extrem konzentriert, rund drei Viertel des Angebots wird in Russland und Südafrika produziert. Verwiesen wird ebenfalls auf die steigende Nachfrage nach Benzin-Motoren nach dem Diesel-Skandal.

Zudem sorgen die politischen Spannungen zwischen Russland und den USA für Angebotsängste. Russland ist einer der größten Palladium-Hersteller der Welt. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, den INF-Abrüstungsvertrag über Mittelstreckenwaffen aufzukündigen. Russland könnte reagieren. Außerdem wetten weiterhin viele Anleger auf steigende Palladium-Preise.

Knapper Rohstoff

Der Markt für den Rohstoff ist dünn und die Nachfrage weiterhin hoch. Die Citigroup prognostiziert laut Bloomberg weitere Preissteigerungen. Auch Hedgefonds setzen auf eine ausgedehnte Rally.

Der weltweit größte Palladiumproduzent Norilsk Nickel kündigte am Montag an, seine Produktion in den kommenden sieben Jahren trotz der hohen Nachfrage lediglich um 25 Prozent zu steigern. Das russische Unternehmen produzierte nach Informationen von Bloomberg im vergangenen Jahr mit 2,78 Millionen Unzen so viel wie kein anderer Konzern. Die Fördermenge des Metalls werde in diesem Jahr 481.000 Unzen unter dem Bedarf liegen und die Defizite würden bis 2020 anhalten, was zum "engsten" Markt seit zwei Jahrzehnten führe, würden Analysten der Citigroup erwarten.

Seit acht Jahren kämpfe der Markt schon mit einem Angebotsdefizit, sagte Maxwell Gold, Investmentstratege bei Aberdeen Standard Investments, der Nachrichtenagentur. Firmen hätten sich schon an physisch hinterlegte börsengehandelte Fonds gewandt, um das Material zu leihen. Auch das hat den Preis nach oben getrieben, vor allem aber die Bestände, die die Fonds halten, so Gold.

Entwicklung hält nicht ewig an

Platin-Barren

Platin-Barren. | Quelle: colourbox

Neben Palladium ist auch Platin als Katalysatormaterial bekannt und wurde früher bereits dafür genutzt. Die beiden Metalle haben ähnliche chemische Eigenschaften. Bleibt Platin also weiterhin so viel günstiger als Palladium, könnten die Autobauer über einen Wechsel nachdenken.

Eine Umrüstung der Fertigungsanlagen soll aber teuer sein und mindestens eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Die Preisrally könnte vorerst also anhalten.

tb