Öl-Ausblick 2018

Ölmarkt 2018 Opec und Russland haben den Ölmarkt im Griff

Stand: 08.12.2017, 13:50 Uhr

Seit Monaten kennen die Ölpreise fast nur eine Richtung: nach oben. Müssen Autofahrer und Heizölkunden nun vor noch höheren Preisen zittern? boerse.ARD.de wagt einen Ausblick aufs kommende Jahr.

Auch im neuen Jahr ist die Machtverteilung an den internationalen Ölmärkten ziemlich klar. Neben dem nicht wegzudenkenden Öl-Kartell Opec beeinflusst insbesondere Nicht-Mitglied Russland, eines der größten Förderländer die Märkte.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Jahr
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Russland ist zusammen mit Saudi-Arabien die treibende Kraft hinter den Förderbeschränkungen, die den Ölmarkt seit rund einem Jahr dominieren. Diese haben maßgeblich zum Anstieg der Ölpreise aus dem 30-Dollar-Bereich bis auf zeitweise über 60 Dollar beigetragen. Erst vor kurzem hatte die Allianz eine Fortführung der künstlichen Verknappung um weitere neun Monate bis Ende 2018 beschlossen. Der Allianz gehören neben den 14 Opec-Mitgliedsstaaten auch zehn unabhängige Förderländer wie Mexiko und Aserbaidschan an.

Seit Januar 2017 haben diese Staaten ihre Ölproduktion um insgesamt 1,8 Millionen Barrel am Tag gekürzt. Die Opec allein hat 1,2 Millionen Barrel weniger täglich gefördert und liegt nun bei 32,5 Millionen Barrel.

Wie geht es in Amerika weiter?

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Jahr
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Die große Unbekannte auf Seiten der Produktion sind die USA, wo die Ölproduktion schon seit vielen Quartalen immer weiter nach oben klettert. Laut der Internationalen Energieagentur IEA soll die tägliche Produktion im laufenden vierten Quartal inklusive aller Nebenprodukte bei rekordverdächtigen 20,4 Millionen Barrel pro Tag liegen. Im größten Ölverbraucherland der Welt ist es mit Hilfe des umstrittenen Frackings gelungen, auch schwierige Abbaugebiete zu erschließen.

Steuerreform als Turbo für die Ölproduktion?

Und der nächste Schub könnte wegen der Steuerentlastungspläne der Regierung Trump unmittelbar bevorstehen."Sollte die Steuerreform in den USA in Kraft treten, dürfte die (Schiefer-)Ölproduktion dank der darin vorgesehenen Senkung der Unternehmenssteuer zusätzlich profitieren", analysiert die Commerzbank. Trump will die für Unternehmen wichtige Körperschaftssteuer von 35 auf 20 Prozent senken. Wegen der daraus folgenden niedrigen Steuerlast wird die Ölförderung in den USA natürlich noch attraktiver.

Sehr starke Spekulation

Druck auf die Ölpreise könnte zudem von den amerikanischen Terminbörsen kommen. Das zeigen die so genannten COT-Daten, die die Positionierung der Teilnehmer an den Rohstoffmärkten abbilden. In der vergangenen Woche setzten Spekulanten so stark wie noch nicht im bisherigen Jahresverlauf auf steigende Preise. Das kann auch als Kontraindikator aufgefasst werden. Denn im Gegenzug bauten die gewöhnlicherweise besonders gut über den Markt informierten Ölproduzenten immer mehr Short-Positionen auf. Das bedeutet, sie verkaufen das noch gar nicht geförderte Öl auf Termin, um sich die erhöhten Preise für die Zukunft zu sichern.

Möglicherweise sind ein Grund für dieses Verhalten der Ölfirmen auch die hohen im historischen Vergleich deutlich erhöhten Lagerbestände rund um den Globus. Auf Basis jüngster Schätzungen der IEA könnte es sogar zu einem Aufbau der weltweiten Ölreserven kommen.

Basf und Dea
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Dollar-Kurs ein wichtiger Faktor

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
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Im Auge sollte man zudem den Devisenmarkt behalten. Denn nach Jahren der Euro-Schwäche strebt die Gemeinschaftswährung seit Anfang des Jahres wieder tendenziell nach oben. Bis zum Jahreshoch von knapp 1,21 US-Dollar fehlen dem Euro nur noch wenige Cent. Sollte er diese Marke in den kommenden Monaten nachhaltig überwinden, wäre die Trendwende wohl endgültig geschafft. Neue langjährige Höchstkurse des Euro wären dann das wahrscheinlichste Szenario. Allerdings spricht die tendenziell steigende Zinsdifferenz wiederum für den Dollar.

Da die wichtigsten Ölsorten Brent und WTI in US-Dollar gehandelt werden, könnte eine Dollar-Schwäche allein schon zu einer höheren Nachfrage nach Rohöl führen, da die Preise in vielen anderen Währungen dann sinken dürften.

Hohe Nachfrage steigt weiter

Auch ohne solche Effekte ist die weltweite Nachfrage längerfristig sehr solide. Von derzeit rund 97 Millionen Barrel pro Tag soll sie laut der Opec im Jahr 2020 erstmals über die Schallmauer von 100 Millionen Barrel am Tag steigen. Für eine solide Nachfrage rund um Globus ist also gesorgt.

Starke Preisrückgänge scheinen damit in Zeiten einer boomenden Weltwirtschaft eher unwahrscheinlich, ein allzu starker Anstieg aber auch.

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