Podium während eines Opec-Treffens in Wien

Irak und Nigeria in der Kritik Opec: Streit um Einhaltung der Förderquoten

Stand: 03.06.2020, 14:39 Uhr

Die in dem Verbund Opec+ zusammengefassten Ölförderstaaten hatten sich darauf verständigt, die Produktion im Mai und Juni zu drosseln. Doch einige Länder haben sich daran offenbar nicht gehalten.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge haben sich der Irak und Nigeria nicht an die bisher vereinbarten Förderquoten gehalten und mehr Öl verkauft als geplant. Beide Länder müssten feste Zusagen geben, dass sie ihre Quoten auch tatsächlich einhalten wollten, heißt es in dem Bericht. Ansonsten könnte das für die kommenden Tage geplante Opec-Treffen ausfallen. Ein konkretes Datum ist noch offen.

Die in dem Verbund Opec+ zusammengefassten Ölförderstaaten hatten sich im April wegen der Corona-Pandemie darauf verständigt, die Produktion um 9,7 Millionen Barrel pro Tag zu reduzieren. Diese Kürzung gilt eigentlich nur für Mai und Juni. Danach soll sie schrittweise verringert werden.

Saudi-Arabien und Russland drängen

Die Ölpreise gaben wegen des Streits vorherige Gewinne ab und rutschten in die Verlustzone. Die Preise hatten zuletzt merklich zugelegt. Dazu hatten auch Berichte über Fortschritte bei der Beschränkung der Fördermenge beigetragen.

Besonders Saudi-Arabien und Russland drängen die anderen Opec+-Staaten, die Vereinbarungen auch einzuhalten, sonst machten sie keinen Sinn. Die beiden Förderländer würden in dieser Frage eine harte Linie fahren, berichtet Bloomberg.

Staaten brauchen höheren Ölpreis

Tatsächlich erleben Saudi-Arabien und Russland durch den gesunkenen Ölpreis und die Pandemie eine Krise an zwei Fronten. Während sich in Russland über 430.000 Menschen mit dem Virus infiziert haben, sind es im bevölkerungsärmeren Saudi-Arabien fast 90.000. Weil Flugzeuge am Boden blieben und der Warenverkehr im Notbetrieb lief, sank auch die Nachfrage nach Rohöl wegen Corona deutlich - dem Rohstoff also, der die stärkste Einnahmequelle der beiden Länder ist.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
40,49
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-2,69%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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38,59
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-2,70%

Für einen ausgeglichenen Haushalt benötigt etwa Saudi-Arabien nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) eigentlich einen Ölpreis von etwa 80 Dollar pro Barrel. Im April war der Terminpreis für die US-Ölsorte WTI aber teils unter die Marke von 11,00 Dollar gesackt und sogar in den Negativbereich gerutscht. Zu Wochenbeginn lag der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zwar bei 33,68 Dollar je Barrel (159 Liter) - immerhin 4,67 Dollar mehr als am vergangenen Freitag.

Brent bald bei 45 Dollar?

Im laufenden Jahr aber werde die Öl-Nachfrage erstmals seit der Rezession von 2009 schrumpfen, sagte die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Jahresbericht im März voraus. Sowohl Saudi-Arabien als auch Russland hoffen durch geordnete Förderquoten die Ölpreise zu stabilisieren. Bei steigender Nachfrage sollten sie auch weiter anziehen.

Sollte es den Opec+-Staaten gelingen, den derzeitigen Streit beizulegen, prophezeien die Experten des US-Brokers Gain Capital einen schnellen Anstieg des Brent-Preises auf 45 Dollar, nachdem er Mitte April auf 20 Dollar pro Fass abgesackt war.

lg