Podium während eines Opec-Treffens in Wien
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Einigung in Wien Opec-Länder fördern mehr Öl

Stand: 22.06.2018, 14:25 Uhr

Erstmals seit eineinhalb Jahren drehen die Opec-Staaten den Ölhahn wieder auf. Auf dem Treffen in Wien einigten sich die Mitgliedsstaaten auf eine Förderanhebung um 600.000 Barrel pro Tag.

Wie am Freitagnachmittag bekanntgegeben wurde, wird das Ölkartell Opec die Öl-Produktion ausweiten und künftig das selbst auferlegte Förderlimit voll ausschöpfen. Angesichts des aktuellen Spielraums würde das eine zusätzliche Produktion von rund 600.000 Barrel (je 159 Liter) am Tag bedeuten. Welche Länder die zusätzliche Förderung leisten sollen, müsste noch verhandelt werden, sagte der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Al-Mazrouei.

Erste Anhebung seit Ende 2016

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Die Opec und die nicht zu dem Erdöl-Förderkartell gehörenden Länder hatten sich im Dezember 2016 auf eine gemeinsame Produktionskürzung geeinigt. Das Kartell hatte sich damals dazu verpflichtet, nicht mehr als 32,5 Millionen Barrel Öl am Tag zu fördern. Die tatsächliche Produktion unterschreitet dieses Limit aber derzeit deutlich, weil etwa das krisengebeutelte Venezuela derzeit seine Quoten nicht erfüllen kann.

Die 14 Opec-Staaten werden sich am Samstag noch mit den zehn Nicht-Opec-Staaten beraten, um die neue Linie offiziell zu beschließen. Vor wenigen Tagen war noch über eine Anhebung der Fördermenge um 1,5 Million Barrel pro Tag spekuliert worden. Angeblich waren sich Russland und Saudi-Arabien einig. Die Opec-Staaten Irak, Iran und Venezuela sprachen sich dagegen für eine Beibehaltung der Förderbeschränkung aus.

Fallen die Ölpreise jetzt wieder?

Ob die Maßnahmen große Auswirkungen auf den Ölpreis haben werden, ist laut Experten unklar. Der Ölpreis wird nicht nur von der Produktionsmenge, sondern auch von politischen Umständen wie etwa der Krise in Venezuela und dem Streit zwischen den USA und dem Iran beeinflusst. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete zuletzt einen spürbaren Rückgang der iranischen Ölexporte in den ersten beiden Juniwochen.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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So geht Jan Edelmann, Rohstoffanalyst bei der HSH Nordbank, nicht davon aus, dass im Nachgang zur Opec-Sitzung die Preise an den Zapfsäulen fallen werden. "An unserem Preisziel von 80 US-Dollar pro Barrel in den Sommermonaten halten wir daher fest", erklärt Edelmann.

Bereits vor Beginn des Ministertreffens war der Ölpreis am Freitag gestiegen. Am Nachmittag legten die Preise weiter zu. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 1,5 Prozent auf 74,73 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) kletterte um rund zwei Prozent auf 67,39 Dollar. Bei Inkrafttreten des Opec-Förderlimits Anfang 2017 hatte ein Barrel Brent noch 56,65 Dollar und ein Barrel WTI 53,70 Dollar gekostet.

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