Zwei Erdölpumpen in der Dämmerung

Blick nach Wien "Opec+" einigt sich auf schärfere Förderkürzung

Stand: 06.12.2019, 17:43 Uhr

Die Opec wird ihre Erölförderung weiter kürzen. Doch Autofahrer müssen deshalb wohl nicht gleich panisch zur nächsten Tankstelle rasen.

Das Ölkartell Opec hat sich sich nach langen Verhandlungen auf eine schärfere Produktionskürzung geeinigt als erwartet. Die 24 Länder wollen in den kommenden Monaten 500.000 Barrel (je 159 Liter) Öl pro Tag weniger aus dem Boden pumpen als derzeit. Die sogenannte Opec+ mit ihren Schwergewichten Saudi-Arabien und Russland versucht mit solchen Förderlimits bereits seit drei Jahren, den Ölpreis zu beeinflussen.

Am Freitag kletterten die Ölpreise mit der Bekanntgabe des Deals in die Höhe. Weil die Nachfrage nach Opec-Öl laut Experten im ersten Halbjahr 2020 deutlich sinkt, könnte sich dieser Effekt aber auch bald schon wieder abschwächen. Für die Preise an den Tankstellen lassen sich daher nur schwer Vorhersagen treffen.

Vor allem Saudi-Arabien produziert weniger

Die "Opec+" hatte sich vor einem Jahr auf eine Produktionskürzung von 1,2 Millionen Barrel Öl pro Tag im Vergleich zum Oktober 2018 geeinigt. Zuletzt produzierten die 24 Staaten aber sogar rund 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag weniger, weil vor allem Saudi-Arabien seine Zusagen übererfüllte. Mit dem neuen Deal will die "Opec+" nun 2,1 Millionen Barrel Öl pro Tag weniger produzieren als im Oktober 2018.

1,7 Millionen Barrel Öl pro Tag davon wurden unter den Mitgliedsstaaten aufgeteilt, die restlichen 400.000 Barrel Öl pro Tag bringen derweil nur einige Staaten, vor allem Saudi-Arabien, freiwillig auf.

Effektiv beträgt die Kürzung im Vergleich zum jetzigen Produktionsniveau 500.000 Barrel Öl pro Tag. Nach den zähen Gesprächen von Donnerstag wurde nur eine Kürzung um 1,7 Millionen Barrel Öl pro Tag im Vergleich zum Oktober 2018 erwartet - und skeptisch kommentiert.

Die Analysten der Commerzbank hatten diesen Wert etwa als "unzureichend" bezeichnet. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) werden im ersten Halbjahr 2020 28,3 Millionen Barrel Opec-Öl am Tag benötigt, das Kartell produzierte zuletzt aber nach eigenen Angaben 29,7 Millionen Barrel täglich. Selbst mit der überraschend hohen Kürzung wird die Opec noch mehr produzieren als den von der IEA berechneten Bedarf.

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Zu wenig Kürzung

Die "Opec+"-Runde, zu der auch das Schwergewicht Russland gehört, versucht seit Anfang 2017 den Ölmarkt mit einer Begrenzung der Förderung zu beeinflussen. Im Dezember 2018 beschlossen die 24 Staaten, ihre Produktion im Vergleich zum Oktober desselben Jahres um 1,2 Millionen Barrel Öl pro Tag zu kürzen. Diese Vereinbarung gilt noch bis Ende März 2020. Die nun angepeilte Reduktionen der Produktionsmenge ist eine der größten bisher.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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ARD-Börse: Opec hilft Aramco

Die Opec muss laut Experten künftig mit einer deutlich geringeren Nachfrage nach ihrem Öl rechnen. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass im ersten Halbjahr 2020 rund 28,3 Millionen Barrel Opec-Öl am Tag nachgefragt werden. Das Kartell produzierte zuletzt aber nach eigenen Angaben 29,7 Millionen Barrel Öl täglich.

Die Mitglieder der Opec - besonders auch Saudi-Arabien angesichts des weltgrößten Ölkonzerns Aramco - sind an deutlich höheren Ölpreisen interessiert. Um das zu erreichen müssten sie ihre Förderung eigentlich sehr deutlich einschränken. Doch dann drohen niedrigeren Einnahmen, denn angesichts der weltweiten Überkapazitäten steht die Konkurrenz bereit, die Förderung entsprechend zu erhöhen.

USA pumpen immer mehr

Besonders die USA taten sich die in den letzten Jahren als ein unangenehmer Konkurrent für die Opec hervor. Sie haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie ihre Energieproduktion immer weiter steigern können - sofern die Ölpreise über ihren Förderkosten liegen. Für den Ölmarkt dürfte laut der Internationalen Energie Agentur (IEA) die amerikanische Schieferölproduktion immer wichtiger werden. Die Marktforscher rechnen damit, dass die USA bis zum Jahr 2025 mehr Öl und Erdgas als Russland produzieren. Damit würden die USA die neue Nummer eins auf dem Weltmarkt sein - vor Russland und Saudi-Arabien.

ME/lg/dpa/rtr