Zwei Erdölpumpen in der Dämmerung

Überangebot Reagiert die Opec auf den Corona-Schock?

Stand: 05.03.2020, 11:26 Uhr

Die Furcht vor einer konjunkturellen Abkühlung aufgrund des Coronavirus hat die Ölpreise zuletzt spürbar belastet. Kein Wunder also, dass die Opec über Förderkürzungen nachdenkt, denn viele Mitgliedsstaaten hängen am Öl.

Neben dem Aktienmarkt, der zum Teil kräftig unter die Räder gekommen ist, haben die Ölpreise am meisten unter der grassierenden Corona-Unsicherheit gelitten. In den vergangenen Tagen nahmen viele Experten ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum des laufenden Jahres zurück, zahlreiche Unternehmen veröffentlichten Gewinnwarnungen. "Das globale Wachstum wird 2020 unter das Niveau vom vergangenen Jahr fallen", kündigte unter anderem der Internationale Währungsfonds (IWF) an.

Und weniger Wachstum bedeutet eine geringere Nachfrage nach Öl. Die Opec hatte bereits Mitte Februar wegen der Epidemie ihre Prognose für weltweite Ölnachfrage gekappt. Vor allem die Lage in China gab zu denken.   

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
35,59
Differenz relativ
-1,82%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
37,43
Differenz relativ
-0,61%

Neil Wilson, Chefanalyst bei Markets.com, meint in einer aktuellen Analyse, es gebe zwar Zeichen dafür, dass Raffinerien in China ihre Produktion langsam wieder steigerten. Allerdings mehrten sich die Sorgen, dass die Nachfrage in anderen Teilen der Welt jetzt schrumpfe, so der Experte.   

"Wir haben ein Überangebot"

In Wien treffen sich nun heute und Morgen die Förderstaaten des Rohölkartellsund verbundener Staaten ("Opec +"). Es geht um die Frage, ob die Produktionsmenge weiter gekürzt werden soll, um den Preisdruck abzufangen. Medienberichten zufolge gibt es Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland.

Die Saudis als Opec-Führungsmacht wollen demnach die Tagesförderung um bis zu 1,5 Millionen Barrel verringern. Russland, das der Opec nicht angehört, aber zu dem erweiterten Verbund Opec+ gehört, scheint sich bisher gegen jede Kürzung auszusprechen. Eine Lösung des Disputs ist bislang nicht in Sicht.

Opec-Länder

Opec-Länder. | Bildquelle: Opec, Grafik: boerse.ARD.de

Einige Analysten schätzten, dass die Opec einer weiteren Kürzung der Produktion um eine Million Barrel pro Tag zustimmen wird. Der iranische Ölminister Bidschan Sangeneh sagte der Nachrichtenagentur Shana: "Wir haben ein Überangebot." Es sei nötig, dass etwas für das Marktgleichgewicht getan werde.

Staaten lassen Milliarden springen

Zumindest für kurzfristige Unterstützung am Ölmarkt sorgte ein Beschluss des amerikanischen Repräsentantenhauses über Finanzhilfen von 8,3 Milliarden Dollar. Das Geld soll helfen, die Ausbreitung des Coronavirus unter Kontrolle zu bringen. China hat bislang umgerechnet rund 14,3 Milliarden Euro bereitgestellt, um die Wirtschaft zu stützen.

ts