Zwei Erdölpumpen in der Dämmerung

Drosselung der Ölproduktion auch im Juli Ölpreise nach Opec-Entscheidung auf Drei-Monats-Hoch

Stand: 08.06.2020, 07:43 Uhr

Die Verlängerung der Förderbremse durch die Staaten der Gruppe Opec+ sorgt für den höchsten Stand des Ölpreises seit Anfang März. Auch der weltgrößte Abnehmer China trägt seinen Teil dazu bei.

Die Ölpreise sind nach der Entscheidung der Staaten des Förderkartells Opec und der Kooperationspartner (Opec+) über eine verlängerte Drosselung der Produktion weiter gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent legte am Montagmorgen um bis zu 1,11 Dollar oder knapp drei Prozent auf 43,41 Dollar zu und erreichte damit den höchsten Stand seit Anfang März.

Damit setzen die Ölpreise nach dem Corona-Crash ihre rasante Erholung der vergangenen Wochen fort. Seit dem Mitte April erreichten Tief verteuerte sich ein Fass Brent inzwischen wieder um rund 170 Prozent. Im Zuge der Corona-Krise waren die Ölpreise kollabiert - so fiel der Brent-Preis von rund 60 Dollar Mitte Februar bis auf 16 Dollar im April.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
40,49
Differenz relativ
-2,69%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
38,59
Differenz relativ
-2,70%

Der Preis für die amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg am Montag ebenfalls um bis zu 89 Cent oder rund zwei Prozent auf 40,44 Dollar. Auch der WTI-Preis ist allein seit der vergangenen Woche um fast 14 Prozent nach oben geklettert. Ende April war er in den USA erstmals in seiner Geschichte zeitweise gar ins Minus gerutscht. Verkäufer mussten Geld zahlen, damit jemand ihnen das Öl abnimmt.

Verlängerung der Förderbremse

Die Opec und ihre Partner hatten am Samstag beschlossen, die Drosselung der Ölproduktion um einen weiteren Monat zu verlängern. Die teilnehmenden Länder der sogenannten Opec+ hätten bei einer Videokonferenz dafür gestimmt, dass auch im Juli die Ölproduktion um knapp zehn Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag gedrosselt werde, hieß es. Dies soll helfen, die Ölpreise zu stabilisieren. Wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ist der Ölverbrauch eingebrochen.

Das Kartell teilte weiter mit, dass die bislang bestehende Vereinbarung zu einer "vorläufigen Erholung der Weltwirtschaft und des Ölmarktes" beigetragen habe. Alle großen Produzenten müssten sich nun weiterhin zur Stabilisierung des Marktes verpflichten. Die Organisation Erdöl produzierender Staaten (Opec) und die anderen Länder hatten sich im April darauf verständigt, die Öl-Förderung um 9,7 Millionen Barrel pro Tag für die Monate Mai und Juni zu kürzen.

Rückenwind durch China

Die Verhandlungen am Samstag gingen für Beobachter überraschend schnell über die Bühne. Die Gespräche im Frühjahr waren zunächst ohne eine Einigung zu Ende gegangen, kurze Zeit darauf zogen sich die Verhandlungen bis spät in die Nacht hin. Auch von russischer Seite hieß es vor den Verhandlungen, es werde diesmal eine "lange und schwierige Nacht". Marktbeobachter hatten aber eine Einigung der Opec erwartet.

Zusätzlichen Rückenwind erhält der Ölpreis Börsianern zufolge am Montag durch die Rekord-Nachfrage in China. Der weltgrößte Abnehmer importierte im Mai 11,3 Millionen Barrel pro Tag. Medienberichten zufolge sei das eine Folge von einem Anstieg der Raffineriedurchläufen und günstiger Kursdifferenzen von Öl-Futures.

tb