Ein Mann hält eine Kugel, auf der ein Ölpreis-Chart abgebildet ist
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Folge der Libyen-Krise Ölpreise auf Fünf-Monats-Hoch

Stand: 08.04.2019, 07:17 Uhr

Die Ölpreise sind am Montag wegen der Sorge über ein zu geringes Angebot weiter gestiegen. Grund für die Preisaufschläge ist die drohende Eskalation der Krise in Libyen.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 70,76 US-Dollar. Das waren 42 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 37 Cent auf 63,45 Dollar. Zuvor hatten der Brent-Preis bei 70,83 Dollar und der WTI-Preis bei 63,53 Dollar die höchsten Stände seit November erreicht.

Marktteilnehmer nannten die drohende Eskalation der Krise in Libyen als einen Grund für die Preisaufschläge am Ölmarkt. In dem ölreichen Opec-Land sieht sich die international anerkannte Regierung einer militärischen Offensive eines regionalen Machthabers ausgesetzt.

1,1 Millionen Barrel pro Tag

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Der militärische Vorstoß schürte am Markt die Sorge vor einem Bürgerkrieg. Libyen hat im vergangenen Monat etwa 1,1 Millionen Barrel Rohöl am Tag gefördert und ist damit ein mittelgroßer Produzent im Ölkartell Opec. "Dem Ölmarkt droht im Falle neuerlicher Produktionsausfälle in Libyen ein noch größeres Angebotsdefizit im zweiten Quartal", hieß es in einer Analyse von Rohstoffexperten der Commerzbank.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Die Commerzbank-Experten verwiesen außerdem auf jüngste Konjunkturdaten aus den USA. "Durch die robusten US-Arbeitsmarktdaten am Freitag sind die Nachfragesorgen nochmals geringer geworden", hieß es weiter. Zuvor hätten schon Konjunkturdaten aus China überzeugt und damit Hinweise auf eine höhere Nachfrage nach Rohöl auf dem Weltmarkt signalisiert.

Gegner der Islamisten

In Libyen tobt gerade ein Machtkampf um die Hauptstadt Tripolis. Angeführt wird der Sturm auf die Stadt von dem 75-jährigen Berufsoffizier Chalifa Haftar, ein früherer Kampfgefährte Gaddafis. Er wurde in der ehemaligen Sowjetunion ausgebildet und gilt als erbitterter Gegner der Islamisten. 1969 war er am Militärputsch unter Gaddafi gegen König Idris beteiligt und setzte anschließend unter dem neuen Machthaber seine militärische Karriere fort, bevor er in Ungnade fiel.

Während Libyens Krieg gegen den Tschad (1978 bis 1987) geriet Haftar in Gefangenschaft. Die libysche Führung ließ ihn fallen und behauptete, der General gehöre nicht ihrer Armee an. Unter ungeklärten Umständen wurde er von den USA befreit und lebte dort fast zwei Jahrzehnte im Exil. Seine Kritiker werfen ihm vor, in dieser Zeit für den Geheimdienst CIA gearbeitet zu haben. 

lg/dpa/afp