Ein Mann hält eine Kugel, auf der ein Ölpreis-Chart abgebildet ist
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Iran-Konflikt und hohe Nachfrage Öl in der Preisspirale

Stand: 07.05.2018, 11:54 Uhr

An den Terminmärkten schrauben sich die Ölpreise in lange nicht gesehene Höhen. Der neue Schub für den Rohstoff hat verschiedene Gründe. Aktuell sind Sorgen um den Iran und Venezuela die Preistreiber.

Erstmals seit dreieinhalb Jahren kostet am Montagvormittag ein Barrel der US-Sorte WTI wieder mehr als 70 Dollar. Bei der Nordseesorte Brent ist die Marke von 75 Dollar bereits in der vergangenen Woche überschritten worden. Auch hier steht der Preis so hoch wie seit Ende 2014 nicht mehr.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,48
Differenz relativ
-2,68%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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60,52
Differenz relativ
-2,39%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1367
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+0,14%

Harte Zeiten für Verbraucher

Für Verbraucher macht sich die kleine "Ölhausse" in stetig weiter steigenden Preisen für Heizöl bemerkbar. Am Montag mussten die Kunden im bundesweiten Durchschnitt rund 68 Euro für 100 Liter bezahlen In den vergangenen drei Monaten ist Heizöl in Deutschland damit um rund 10 Euro je 100 Liter teurer geworden. Nicht zuletzt müssen Autofahrer an den Zapfsäulen so tief in die Tasche greifen wie lange nicht. Derzeit sorgt ein schwächelnder Euro gegenüber dem Dollar dafür, dass sich die Preise in Euro gerechnet sogar noch schneller nach oben bewegen.

Experten zufolge ist der Anstieg am Rohölmarkt derzeit vor allem durch politische Faktoren zu erklären. Sorgen um einen möglichen Ausstieg der Trump-Regierung aus dem Atomabkommen mit dem Iran und darauf folgende Sanktionen könnten auf dem Weltmarkt zum Ausfall von bis zu 600.000 Barrel Öl aus dem Iran führen. Zudem verknappen derzeit Förderausfälle des wichtigen Ölexporteurs Venezuela das Angebot.

Aktuelle Lagerbestände in den USA sind dagegen für Marktteilnehmer weniger relevant, so scheint es. Die US-Regierung hatte vergangene Woche gemeldet, dass die Lagerbestände um 6,2 Millionen Barrel auf 436,0 Millionen Barrel gestiegen waren. Analysten hatten im Mittel nur ein Plus von 1,2 Millionen Barrel erwartet.

"Auf hohem Niveau verharren"

Das Öl-Kartell Opec behält zudem seine restriktive Politik der Verknappung des Angebots auf den Weltmärkten bei. Dabei hat die Welt weiterhin einen erhöhten Öldurst. Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Nachfrage um 1,7 Millionen Barrel pro Tag, im ersten Quartal des laufenden Jahres um 2,5 Millionen Barrel pro Tag. Von einem "sichtbaren Marktdefizit" bis Mitte 2019 gehen Analysten wie Jan Edelmann von der HSH Nordbank aus. "Das sollte die Ölpreise auf hohem Niveau verharren lassen."

AB