Goldfarbener Öltropfen
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Auf Dreieinhalb-Jahres-Hoch Ölpreis bald wieder bei 100 Dollar?

Stand: 19.04.2018, 11:06 Uhr

Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent ist am Morgen fast auf 74 Dollar gestiegen - soviel wie seit Dezember 2014 nicht mehr. Und noch ist kein Ende der Fahnenstange in Sicht. Woran liegt das?

Wie bereits in der Vergangenheit sind auch diesmal die Gründe für den Preisanstieg vielfältig. Experten machen den jüngst konstatierten Rückgang der US-Lagerbestände sowie die Furcht vor einer Eskalation des Syrien-Iran-Nahost-Konflikts verantwortlich.

Tatsächlich haben sich die Rohöllager in den USA in der vergangenen Woche um 1,1 Millionen Barrel entleert, laut den neuesten Zahlen der US-Energiestatistikbehörde EIA. Diese Zahlen gelten am Markt als weiteres Indiz dafür, dass das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage am Ölmarkt nach Jahren des Überangebots wieder im Gleichgewicht ist.

Lagerbestände normalisiert

William O'Loughlin, Analyst beim Vermögensverwalter Rivkin, sagt es so: "Da die Lagerbestände wieder ein normales Niveau erreicht haben, scheint die Ölschwemme der vergangenen Jahre vorüber." Das liege in erster Linie an der rückläufigen Produktion der Opec-Staaten. Dies wiederum sei die Folge der gesunkenen Förderung in Venezuela wegen der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage dort.

Zwei Erdölpumpen in der Dämmerung

Ölpumpen. | Bildquelle: colourbox.de

Bereits seit Anfang 2017 verzichten die Opec und zehn weitere Staaten, darunter Russland, täglich auf 1,8 Millionen Barrel ihrer Förderung. Damit haben sie auf das Überangebot reagiert, das durch die großen Mengen an US-Schieferöl maßgeblich mit verursacht wurde und den Ölpreis zeitweise von über 110 auf unter 30 Dollar einbrechen ließ.

Wird die Kürzung verlängert?

Mit dem Abbau von Lagervorräten scheinen die Förderstaaten nun ein erstes Etappenziel erreicht. Gerüchte wonach der Zeitraum der gekürzten Förderung verlängert werden soll, gibt den Ölpreisen einen weiteren Schub. Denn bei anhaltenden Markteingriffen droht unweigerlich ein Angebotsdefizit.

An diesem Freitag trifft sich das gemeinsame Überprüfungskomitee der Opec und seine Partner in der saudischen Hafenstadt Dschidda. Dort wollen der russische und der saudische Energieminister diskutieren, wie und ob die gekürzte Produktion nach dem ursprünglich vereinbarten Ende weiterlaufen könnte. Offiziell soll Ende dieses Jahres damit Schluss sein.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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72,74
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+1,43%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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67,30
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Geopolitische Risiken und Wirtschaftswachstum

Befeuert wird der Ölpreis derzeit auch von der unübersichtlichen Lage im Nahen Osten. Sollten die USA das Atomabkommen mit dem Iran kündigen und Sanktionen gegen iranische Ölexporte verhängen, würde dies zu einer weiteren Verknappung des Angebots führen - und die Preise weiter antreiben.

Noch aber ist es die boomende Weltwirtschaft, die den Ölförderern in die Karten spielt. Das Weltwirtschaftswachstum wird im laufenden Jahr nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei starken 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen. Damit steigt der Öldurst unaufhaltsam weiter - Wachstum braucht Treibstoff.

Wie hoch denn noch?

Experten weisen darauf hin, dass Saudi-Arabien und Russland eigentlich kein Interesse daran haben können, den Ölpreis zu stark steigen zu lassen, besteht dadurch doch die Gefahr, die derzeit starke Weltkonjunktur abzuwürgen - was die Preise wieder unter Druck setzen wird.

Die Experten von Goldman Sachs sehen den Ölpreis weiter steigen. Bis zum Sommer könnte ein Barrel (Fass mit 159 Litern) der Nordseesorte Brent auf dann 82,50 Dollar steigen. Dass der Anstieg der texanischen Sorte WTI etwas langsamer verläuft, ist der frenetischen Schieferölproduktion (Fracking) in den USA zu verdanken.

Grafische Darstellung der Fracking-Methode

Fracking. | Quelle: picture-alliance/dpa

Ende des vergangenen Jahres stieg die Ölförderung in den USA auf über zehn Millionen Barrel am Tag. Damit sind die USA auf dem besten Weg, zum weltgrößten Ölproduzenten aufzusteigen. Die kontinuierliche Verteuerung des schwarzen Goldes haben die Amerikaner allerdings auch nicht aufhalten können - entgegen den Prognosen der meisten Experten aus Banken und Versicherungen.

lg