Ein Mann hält eine Kugel, auf der ein Ölpreis-Chart abgebildet ist
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Opec will den Hahn zudrehen Öl teuer, Sprit noch teurer

Stand: 12.11.2018, 11:00 Uhr

Die wochenlange Talfahrt bei den Rohölpreisen scheint vorbei. Nach Medienberichten planen wichtige Förderländer eine Drosselung der Förderung. Für Benzinkunden in Deutschland sind die Preise sogar auf einem Rekordniveau.

1,54 Euro für einen Liter Super E10-Benzin, 1,45 Euro für einen Liter Diesel, die Tankstellenpreise hierzulande bewegen sich auf Jahreshöchstständen und lassen die Verbraucher an den Zapfsäulen verzweifeln. Das Erstaunliche dabei: Für den Rohstoff Rohöl werden am Terminmarkt noch lange nicht Spitzenpreise gezahlt. Seit Anfang Oktober sind die Preise sogar um bis zu 20 Prozent gesunken, erst seit einigen Tagen scheint sich hier eine Trendwende abzuzeichnen.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Saudis und Russen selten einig

Für die Konsumenten ballt sich derzeit eine kritische Lage an der Preisfront zusammen. Zum einen haben die wichtigen Förderländer Saudi-Arabien und Russland eine Übereinkunft angedeutet, dass sie die Förderung kürzen wollen, um eine künstliche Verknappung am Weltmarkt für Öl zu erzeugen. Der saudische Energieminister Chalid al-Falih erklärte, das Königreich werde die Exporte von November bis Dezember um etwa 500.000 Barrel pro Tag verringern. Al-Falih äußerte sich am Sonntag bei einem Treffen von Ölproduzenten in Abu Dhabi. Der russische Ölminister Alexander Nowak sagte, sein Land stehe Kürzungen offen gegenüber, sofern sie von einer Koalition von Produzenten, darunter der Organisation Erdöl produzierender Staaten, gebilligt werde. Saudi-Arabien und Russland sind die weltweit größten Ölexporteure.

Allein die Ankündigung hat die Preise zum Wochenbeginn wieder spürbar nach oben geschoben. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet mit 71,10 Dollar rund ein Prozent mehr als zum Wochenschluss. Bei der US-Sorte WTI sind es mit 60,90 Dollar ebenfalls Steigerungen in der gleichen Größenordnung.

Schwacher Euro, seichter Rhein

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
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Dass die Preise in Euro für Benzin, aber auch Diesel und Heizöl auf erschreckend hohen Ständen rangieren, hat aber noch andere Ursachen. Der immer schwächere Euro gegenüber dem Dollar lässt die Preise an den Zapfsäulen in der Eurozone weiter klettern. Die Gemeinschaftswährung hat binnen zwei Monaten gut fünf Cent gegenüber der US-Währung eingebüßt, entsprechend groß allein die währungsbedingte Teuerung des Sprits hierzulande.

Dazu kommt noch die "physische" Verknappung von Treibstoff durch das Niedrigwasser in vielen Regionen Deutschlands. Dadurch wird der Transport über wichtige Verkehrsadern wie den Rhein und den Main erschwert beziehungsweise verteuert.

Und nicht zuletzt nutzen die Tankstellenbetreiber die Hochpreissituation für einen "Nachschlag" in eigener Sache aus, das meint zumindest der ADAC. Der Automobilclub hält die Preisgestaltung an den Zapfsäulen laut einer aktuellen Mitteilung für "deutlich überzogen". Er empfiehlt Autofahrern die regelmäßigen Schwankungen im Tagesverlauf auszunutzen. Günstiger wird es danach meist zwischen 15 und 17 Uhr und zwischen 19 und 21 Uhr.

AB