Erdölförderung in Weißrussland

Trotz des Anstiegs Öl ist nichts für bullische Anleger

Stand: 07.08.2020, 11:43 Uhr

Die Ölpreise sind auf den höchsten Stand seit der Corona-Krise gestiegen. Wird das "schwarze Gold" damit schon bald wieder so viel kosten wie vor der Pandemie? Anleger sollten auf der Hut bleiben.

Denn am Ölmarkt herrscht derzeit das so genannte "Contango" vor. Damit ist kurzfristig lieferbares Öl billiger als bei längerfristigen Lieferkontrakten. Das macht es rentabler, billiges Öl zum Beispiel auf Öltankern einzulagern und es später zu höheren Preisen zu verkaufen.

Für Anleger, die auf steigende Ölnotierungen setzen wollen, hat das unangenehme Nebenwirkungen. Denn beim Wechsel von einem Öl-Terminkontrakt auf den Öl-Kontrakt des Folgemonats entstehen so genannte "Rollverluste". Diese könnte den Wertentwicklung von Index-Zertifikaten stark beeinflussen. So können unter dem Strich Verluste entstehen, obwohl der zu Grunde liegende Ölpreis eigentlich zugelegt hat.

Das Gegenteil von "Contango" ist das so genannte "Backwardation". Es tritt auf, wenn die Futures auf den Ölpreis einen günstigeren Preis ausweisen als der aktuelle Spotpreis. Je weiter in der Zukunft ein solcher Future einen Liefertermin hat, desto niedriger ist der Preis. Da aber die meisten Finanzprodukte auf Öl sich auf den Future beziehen, entsteht eine Art Rabatt: Immer wenn der Emittent des Zertifikates einen neuen aktuellen Future kauft, entstehen so genannte Rollgewinne.

Zu wenig Nachfrage

Das derzeitige Contango deutet bei Experten als wichtiges Signal, dass die Nachfrage noch länger hinter dem Angebot hinterherhinken dürfte. Der Ölpreis profitiere im Moment vom schwachen Dollar und einer allgemeinen Hoffnung auf eine Konjunkturerholung, erläutert Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Doch eigentlich steige die Nachfrage nicht mehr so stark, nachdem sie sich nach dem Ende der schärfsten Corona-Restriktionen rasch erholt hatte. Vor allem das Vorkrisenniveau rücke in immer weitere Ferne.

Die Konjunkturerholung gleiche wohl weniger einem "V" - also einer raschen Erholung nach einem tiefen Einbruch - sondern eher einem Wurzelzeichen - bei dem die Wirtschaft nur einen Teil der Verluste schnell wettmacht und dann kaum noch vom Fleck kommt, erläutert Weinberg. Insofern wäre eine Korrektur beim Ölpreis von zehn bis 15 Prozent fundamental angemessen, weil die Produktion über der Nachfrage bleibe und mittelfristig die Lagerbestände weiter zunähmen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
43,11
Differenz relativ
-0,48%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Auch die Entwicklung beispielsweise im internationalen Flugverkehr spricht dafür, dass das Vorkrisenniveau nicht schon in einigen Monaten, sondern wohl erst in einigen Jahren wieder erreicht werden wird. Kreuzfahrten in großen Stil sind undenkbar, so lange der Virus nicht besiegt ist. Der Trend zum Homeoffice wird zwar nicht ewig anhalten. Doch dass noch einmal so viele Menschen zu ihrer Arbeitsstätte pendeln wie vor der Pandemie, erscheint inzwischen mehr als zweifelhaft.

Und auch das Angebot dürfte schon bald wieder zunehmen. Anfang August sind einige der Förderkürzungen ausgelaufen. Die Produktion der Opec-Länder und ihrer Verbündeten wie Russland soll dann nur noch um 7,7 Millionen Barrel pro Tag gedrosselt werden statt um 9,7 Millionen. "Das Opec-Experiment einer höheren Produktion ab August könnte fehlschlagen, weil wir immer noch weit von einer Erholung der Nachfrage entfernt sind", sagte Björnar Tonhaugen, Ölexperte bei Rystad Energy.

Fracking bremst die Öl-Chancen

Und selbst wenn der Ölpreis doch weiter zulegen sollte. Die USA haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie ihre Energieproduktion immer weiter steigern können - sofern die Ölpreise über ihren Förderkosten liegen - dem billigen Fracking sei Dank.

Ein Höhenflug der Ölpreise erscheint angesichts dieser Gemengelage undenkbar.

ME/dpa/rtr