Zwei Erdölpumpen in der Dämmerung

Russen & Saudis wollen mehr fördern Öl schaltet in den Rückwärtsgang

Stand: 28.05.2018, 13:55 Uhr

Steht eine Aufweichung der Opec-Förderbremse bevor? Für das Nicht-Mitglied Russland und Saudi-Arabien scheint das jedenfalls nicht ausgeschlossen zu sein. Der Höhenflug der vergangenen Monate ist zumindest vorerst gebremst.

Am vergangenen Dienstag hatte der WTI-Ölpreis noch den höchsten Stand seit November 2014 erreicht. Seit Mittwoch zeigt die Tendenz jetzt nach unten, zunächst in einer Gegenbewegung zu den starken Gewinnen nach dem US-Ausstieg aus dem Atomdeal mit dem Iran und neuen US-Sanktionen gegen Venezuela nach dem Wahlsieg von Amtsinhaber Nicolas Maduro. Die Sorte Brent fiel zeitweise unter 75 Dollar je Barrel (159 Liter), WTI kostete weniger als 66 Dollar.

Anstieg des Angebots befürchtet

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Der Trend wurde durch Aussagen der Ölminister von Saudi-Arabien und von Russland verstärkt. Der russische Energieminister Alexander Nowak sagte am Samstag, dass Moskau eine Ölproduktion auf dem Niveau vor Inkrafttreten der Förderbremse für möglich halte. Man könnte also zum Produktionsvolumen vom Oktober 2016 zurückkehren.

Damals förderte das Land im Schnitt 11,247 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Mit dem Start der Förderbremse senkte Russland den Ausstoß um 300.000 Barrel pro Tag. Auch der saudische Ölminister Khalid Al-Falih deutete an, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu einem Anstieg des Angebots auf dem Ölmarkt kommen könnte.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Marktbeobachter spekulieren jetzt darüber dass die Opec und Russland ihre seit Anfang 2017 geltende Fördergrenze bald etwas lockern könnten. Nach den Vereinbarungen wurde das Ölangebot um etwa 1,8 Millionen Barrel am Tag gekürzt. Ein offizieller Beschluss dazu könnte Mitte Juni auf der nächsten Opec-Sitzung fallen, heißt es.

Gefahr für das globale Wachstum?

Für Druck auf die Preise sorgte auch die gestiegene Bohraktivität der US-Produzenten. Die Zahl der US-Ölbohrungen ist in der vergangenen Woche laut dem US-Dienstleister Baker Hughes um 15 auf 859 gestiegen und erreichte das höchste Niveau seit März 2015. 

Öl: US-Produktionswachstum bis zum Jahr 2023

Öl: US-Produktionswachstum bis zum Jahr 2023. | Bildquelle: International Energy Agency

Für die Weltwirtschaft käme ein sinkender Ölpreis gewiss nicht ungelegen. Die Geschwindigkeit des jüngsten Ölpreisanstiegs habe unter Investoren die Debatte darüber ausgelöst, ob er nicht ein Risiko für das weltweite Wachstum werden könne, meldet sich ein Analyst der Investmentbank Morgan Stanley zu Wort. Nicht nur die Konjunktur könnte unter dem steigenden Ölpreis leiden, auch die Inflation dürfte mit den Notierungen anziehen.

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