El Niño-Auswirkungen: Tornado in Moore, Oklahoma USA

Bald könnte es wieder soweit sein Obacht, wenn El Niño droht!

Stand: 06.11.2019, 13:53 Uhr

Im kommenden Jahr könnte das gefürchtete Wetterphänomen El Niño wieder auftreten. Die Börse dürfte das nicht kaltlassen.

Nach Berechnungen der Universität Gießen und der israelischen Bar-Ilan Universität wird das gefürchtete Wetterphänomen wahrscheinlich Ende 2020 in der Pazifikregion wieder auftreten.

Die Prognose beruht laut der Universität Gießen auf einem Algorithmus, mit dem die Lufttemperaturen im Pazifikraum analysiert werden. Damit soll eine Vorhersage deutlich früher möglich sein. Bereits die beiden letzten El-Niño-Ereignisse hätten mit längerem Vorlauf korrekt prognostiziert werden können.

Das verwendete Modell erlaube die Vorhersage, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent El Niño im kommenden Jahr erneut auftreten werde, schreiben die Forscher um Josef Ludescher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Das alle paar Jahre in unregelmäßigen Abständen auftretende Phänomen wird von wärmeren Wassertemperaturen im tropischen Pazifik ausgelöst. In der Folge verschieben sich aufgrund von veränderten Luft- und Meeresströmungen weltweit die Wetterbedingungen.

Der bisherige Rekordhalter stammt aus dem Jahr 1997/98. Der stärkste El Niño aller Zeiten forderte durch Überschwemmungen, Dürren und andere Katastrophen mehr als 30.000 Menschenleben und verursachte einen Schaden in Höhe von rund 100 Milliarden Dollar.

Große Auswirkungen

Wenn sich das Wasser im östlichen und zentralen Pazifik aufheizt, sei das ein klares Zeichen für El Niño, sagen Experten. Dann kommt es zum Beispiel in Mittel- und Südamerika, Südafrika, Südasien und Australien zu Dürren, an anderer Stelle drohen Überflutungen und tropische Wirbelstürme.

Umfang und Zeitpunkt sind wichtig

Entsprechend stark sind die Auswirkungen auf den Anbau landwirtschaftlicher Produkte, hängen sie doch stark von den Witterungsverläufen ab. So können Dürren eine Ernte vernichten, während Überschwemmungen Pflanzen wegspülen oder den Ernteprozess verzögern und zu einer Vernichtung der Erzeugnisse führen können.

Wenngleich El Niño beträchtliche Auswirkungen auf die Preise von Agrarrohstoffen haben kann, hängt der spezifische Effekt von Umfang und Zeitpunkt des Wetterphänomens sowie von Standortfaktoren ab, etwa davon, wo die Feldfrüchte gewachsen sind und wie gut die Bauern auf extreme Witterungsverhältnisse vorbereitet sind.

Werden Zucker, Kakao und Weizen teurer?

Die Zuckerproduktion konzentriert sich vor allem auf Indien und bestimmte Regionen in Brasilien. Wenn El Niño auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Regenfälle in beiden Ländern unterdurchschnittlich ausfallen und es zu längeren Trockenperioden kommt. Dies könnte die Preise für Zuckerrohr in die Höhe treiben.

Wird Australiens Weizen teurer?

Indonesien, das zehn Prozent des weltweiten Kakaos produziert, könnte ebenfalls direkt von einem El Niño-Ereignis getroffen werden. Eine trockene und warme Witterung in Indonesien könnte zu Preisanstiegen bei Kakao führen.

Extrem trockenes und heißes Wetter in Australien dürfte die Weizenproduktion in dem Land - wo vier Prozent des globalen Weizenangebots erzeugt werden - verringern und entsprechend die Preise verteuern.

Auch für die Agrarmärkte relevant

Die wohl offensichtlichste Folge eines El Niño ist ein fallender US-Erdgaspreis, sorgt das Phänomen doch im mittleren Westen und Nordosten der USA gewöhnlicherweise für deutlich höhere Herbst-/Wintertemperaturen. Also genau in jenen Gegenden, in denen die Bevölkerungsdichte hoch ist und in denen es üblicherweise eine deutliche Heizperiode gibt.

ME/ag/lg/dpa