Bildmontage mit Öltropfen, Gold, Weizenähren

Rohstoffe Neuer Superzyklus?

Stand: 02.05.2018, 10:39 Uhr

Jahrelang haben sich Rohstoff-Investments für Anleger nicht gelohnt. Das ändert sich gerade. Als Asset-Klasse feiern die "Commodities" gerade eine kleine Wiederauferstehung. Die neue Rohstoff-Hause hat viele Gründe.

Wenn sich die Analysten von Goldman Sachs so weit aus dem Fenster lehnen, haben sie in der Regel gute Gründe für ihre Anlageempfehlungen. Am gestrigen Dienstag sorgte eine Studie zum Rohstoffmarkt für Aufsehen unter den Marktteilnehmern. Ein strategischer Einstieg in die Anlageklasse Rohstoffe sei selten sinnvoller gewesen - als jetzt.

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Was ist ein Rohstoff-Superzyklus?

Hohe Nachfrage, wenig Angebot

Einerseits steige die Nachfrage nach vielen Rohstoffen derzeit ungehemmt. Zum anderen sinken laut Goldman Sachs die Lagerbestände in vielen Bereichen deutlich, was die zukünftige Nachfrage weiter anheizen werde. Und gleichzeitig sei jahrelang zu wenig in die Erschließung neuer Rohstoffquellen investiert worden. Ein Szenario, das laut den Experten nur einen Ausgang kennt: "Anhaltend hohe Preise".

Bereits in den ersten Monaten des Jahres haben viele Rohstoffe, besonders Öl und Industriemetalle wie Kupfer den gesamten Sektor merklich angeschoben. Per Jahresstart sind Commodities insgesamt um sieben Prozent geklettert, wie etwa der CRB-Rohstoff-Index zeigt. Damit haben sich die in den vergangenen Jahren geschmähten Investments in Öl, Gold, Metalle oder landwirtschaftliche Rohstoffe wie Weizen oder Soja deutlich mehr gelohnt als die in Aktien. Weltweit liegt diese immer noch für 2018 bei einer Nullrendite.

CRB Commodity Index

CRB Commodity Index. | Bildquelle: Thomson Reuters, Grafik: boerse.ARD.de

Auch die Experten des US-Fondsanbieters VanEck sehen die Basis für einen so genannten "Superzyklus" gelegt. Fondsmanager Roland Morris sagte kürzlich in einem Interview: Wir kommen zu einem Punkt, an dem wir mehr Rohstoffe verbrauchen als wir produzieren". Dies sei vor allem der kontinuierlich wachsenden Weltwirtschaft geschuldet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht etwa für die Jahre 2018 und 2019 von globalen Wachstumsraten bei knapp vier Prozent aus. Der Rohstoffhunger steigt stets mit steigender Wirtschaftsaktivität.

E-Mobilität als Preistreiber

Dazu kommen aber noch "Sonderfaktoren", die eine neue Rohstoff-Hausse weiter tragen dürften. So sorgt die Energiewende für besonders hohe Nachfrage nach Metallen, die für die Herstellung der Batterien in Elektroautos oder auch Solarspeichern benötigt werden. Der Lithiumpreis etwa hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Bei Kobalt gab es im selben Zeitraum gar eine Verzweieinhalbfachung.

Regional sorgen die beiden Riesenländer China und Indien für einen Nachfrage-"Peak" nach Eisenerz, Stahl oder Kupfer. Sie werden zum Ausbau der Infrastrukturen in rauen Mengen benötigt. Die Staaten müssen einen Großteil dieser Rohstoffe auf dem Weltmarkt kaufen und treiben damit die Preise weiter.

Indien und China haben hohen Bedarf

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Differenz relativ
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Trotz der steigenden Bedeutung erneuerbarer Energien klettern auch die Preise "klassischer" Energierohstoffe wie Öl, Benzin und Diesel weiter. Autos, Lkw, Fabriken sind weiterhin noch auf die fossilen Energieträger angewiesen. Goldman Sachs etwa sieht bei den jetzt erreichten 73 Dollar für ein Fass der Nordseesorte Brent noch lange nicht das mittelfristige Preisziel erreicht. Die Banker erwarten mindestens 82 bis 83 Dollar auf Sicht weniger Monate. Bei Kupfer könnte ein vorläufiger Preishöhepunkt erst bei 8.000 Dollar je Tonne erreicht werden. Zuletzt hatte sich der Preis für das Industriemetall bei 6.800 Dollar eingependelt.

Anleger können über Zertifikate oder Exchange Traded Commodities wie auch über Indexfonds auf Rohstoff-Unternehmen oder Rohstoffindizes am neuen Boom teilhaben. Allerdings sollte man die Asset-Klasse Rohstoffe weiterhin als Teil eines breit aufgestellten Anlageportfolios betrachten.

AB

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Rohstoffe mit Potenzial Überblick

<strong>Öl (WTI)</strong><br/>Mit knapp 70 Dollar je Barrel notiert der Ölpreis auf einem Drei-Jahres-Hoch. Die Nachfrage für den "Treibstoff der Weltwirtschaft" bleibt dank guten weltweiten Wachstums hoch. Gleichzeitig meldeten zuletzt vor allem die USA geringere Ölreserven. Die Analysten von Goldman Sachs halten Preise um 82 Dollar je Fass im weiteren Jahresverlauf für realistisch.: Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Jahr

Öl (WTI)
Mit knapp 70 Dollar je Barrel notiert der Ölpreis auf einem Drei-Jahres-Hoch. Die Nachfrage für den "Treibstoff der Weltwirtschaft" bleibt dank guten weltweiten Wachstums hoch. Gleichzeitig meldeten zuletzt vor allem die USA geringere Ölreserven. Die Analysten von Goldman Sachs halten Preise um 82 Dollar je Fass im weiteren Jahresverlauf für realistisch.