Schwarzes Ölfass und Dollarzeichen

Günstige Situation am Terminmarkt Neue Chance für Öl-Anleger

Stand: 26.11.2019, 10:30 Uhr

Die Ölpreise dümpeln bereits das ganze Jahr in einem recht stabilen Seitwärtsbewegung. Für Anleger, die auf steigende Preise setzen, gab es in den vergangenen Monaten wenig zu holen. Doch eine Verwerfung am Terminmarkt macht nun auch "Seitwärtsrenditen" interessant.

Nachrichten über knapp Lagerbestände und hohe Produktion wechselten sich in den vergangenen Monaten in schöner Regelmäßigkeit ab. Hier gab es einen kleinen Preisanstieg, weil Öl-Exporteur Iran von US-Sanktionen betroffen wurde. Kurzfristig kletterten auch die Notierungen, als im September ein Anschlag auf eine Öl-Raffinerie in Saudi-Arabien stattfand.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
41,77
Differenz relativ
+0,17%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
40,08
Differenz relativ
+0,12%

Doch die Großwetterlage signalisiert weiterhin: Öl geht der Welt und der Weltwirtschaft so schnell nicht aus. Die USA waren im laufenden Jahr dank massiver Fracking-Förderung im eigenen Land sogar kurzfristig einmal weiltgrößter Öl-Exporteur. Dazu kamen immer wieder Befürchtungen, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China die Weltkonjunktur und damit den Öldurst abwürgen könnte.

Entsprechend bewegt sich der Preis für Nordsee-Öl der Marke Brent das ganze Jahr hindurch zwischen 60 und 70 Dollar je Fass, bei der US-Sorte WTI ist die Marke von 55 Dollar der Dreh- und Angelpunkt.

Kursgewinne im Seitwärtstrend

Insbesondere wer zuletzt über ein Zertifikat oder eine börsengehandelte Commodity (ETC) in Brent investiert hat, freut sich dennoch über erstaunliche Gewinne: Ein Endlos-Zertifikat auf den Brent-Preis, herausgegeben von der HBSC (WKN: TB7DNU) hat binnen eines Monats um drei Prozent zugelegt, in den vergangenen zwölf Monaten sogar um mehr als 15 Prozent. Und das, obwohl der Ölpreis fast exakt auf dem Stand von vor einem Jahr notiert.

Der Grund für die Gewinne ist ein Phänomen am Terminmarkt, das Backwardation genannt wird. Es tritt auf, wenn die Futures auf den Ölpreis einen günstigeren Preis ausweisen als der aktuelle Spotpreis. Je weiter in der Zukunft ein solcher Future einen Liefertermin hat, desto niedriger ist der Preis. Da aber die meisten Finanzprodukte auf Öl sich auf den Future beziehen, entsteht eine Art Rabatt: Immer wenn der Emittent des Zertifikates einen neuen aktuellen Future kauft, entstehen so genannte Rollgewinne. Derzeit etwa notiert der Januar-Future auf Brent an der Terminbörse ICE bei 63,67 Dollar. Der Februar-Kontrakt ist aber für 62,62 Dollar zu haben, der März-Kontrakt gar für 61,94 Dollar. Die Gewinne, die bei der Umschichtung in den jeweils aktuellen Future entstehen, lassen dann das Öl-Zertifikat steigen. (s.a. unser Erklärstück zum Thema)

Ausnahme von der Regel

In der Regel entsteht eine Backwardation-Situation, wenn Anleger von künftig sinkenden Preisen ausgehen. Beim Öl hat sich bei vielen Marktteilnehmern die Furcht vor einem konjunkturellen Abschwung zusammen mit einer weiter hohen Ölförderung in dieser Erwartung niedergeschlagen.

Die Regel im Terminmarktgeschäft ist die derzeitige Situation allerdings nicht. "Contango" heißt der "Normalfall", wenn die Futures mit längerer Laufzeit teurer sind als die aktuellen. Dann entstehen Roll-Verluste, die generell Rohstoff-Investments gerade für Privatanleger so schwierig machen. Der kleine Bonus für Ölinvestoren dürfte also auch nicht so lange anhalten.

AB