Krügerrand Silber

Derzeit günstiger als Gold Nachhol-Rally bei Silber?

Stand: 26.05.2020, 13:20 Uhr

Der "kleine Bruder" des Goldes hat nach Ansicht vieler Experten derzeit deutlichen Nachholbedarf auf der Kursseite. Im Gegensatz zu Gold reagiert Silber in der Regel auch auf eine konjunkturelle Belebung - aus gutem Grund.

Der Silberpreis ist deutlich stärker als der des Goldes an die Weltkonjunktur gebunden. Denn Silber wird noch immer auch als Industriemetall eingesetzt: Für die Auto-, aber auch die Solarindustrie ist das Edelmetall immer noch wichtig. Die traditionelle Anwendung in der Fotobranche spielt dagegen kaum mehr eine Rolle. Immer noch kommt aber gut die Hälfte der Nachfrage bei Silber aus der Industrie.

Gold-Silber-Ratio auf Rekordstand im März

Entsprechend liefen die Notierungen von Gold und Silber in den vergangenen Monaten stark auseinander. Während Gold auch in der Corona-Pandemie seinen Ruf als "Krisenwährung" verteidigte, ging es beim Silberpreis zunächst heftig bergab. So verbilligte sich Silber im ersten Quartal um 16 Prozent. Gold hingegen verteuerte sich um fast acht Prozent. Mitte März erreichte das Gold-Silber-Verhältnis ein Rekordhoch von 124. Das heißt: Man benötigte 124 Feinunzen Silber, um eine Feinunze Gold zu kaufen. Inzwischen ist die Ratio aber deutlich zurückgegangen und wieder unter 100 gefallen.

Der Silberpreis hat sich von gut 12,00 Dollar Mitte März auf nun wieder 17,40 Dollar je Feinunze nach oben gearbeitet. Damit ist das Edelmetall aber immer noch günstiger als zu Jahresbeginn. Und gegenüber dem Goldpreis, der seit Jahresbeginn mehr als zehn Prozent hinzugewonnen hat, deutlich im Hintertreffen.

Zyklische Konjunkturwende als Treiber

Nun scheint laut Ansicht von Experten einiges für eine weitere Aufholbewegung zu sprechen, sollte der Bereich von 18 Dollar je Feinunze erreicht und überschritten werden. Laut Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest hat die Corona-Krise vor allem Kleinanleger aus dem Silber als Anlageform getrieben. Nun sieht er auch charttechnisch neue Chancen, nachdem die 50- und die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen wurden. Auch fundamental sieht er den Silberpreis profitieren, sollte ein zyklischer Anstieg der Konjunktur bevorstehen.

Profis steigen massiv ein

Experten der Commerzbank sehen bereits seit längerem einen massiven Einstieg von großen Investoren in Silber-ETFs. Auslöser war der Rekordstand beim Gold/Silber-Verhältnis zugunsten von Gold. Seitdem seien mehr als 3.100 Tonnen in die Silber-ETFs geflossen. In der vergangenen Woche waren es binnen zwei Tagen 577 Tonnen. Damit könnte der Weg frei sein in Richtung von Notierungen um 20 Dollar je Gewichtseinheit.

Für private Edelmetall-Fans hat Silber auch einen Vorteil als Wertaufbewahrungsmittel. Silber kostet schlicht deutlich weniger. Eine Silbermünze der Wiener Philharmoniker (1 oz) ist schon für knapp 25 Euro zu haben. Für eine Goldmünze mit demselben Motiv müssen dagegen über 1.700 Euro gezahlt werden.

AB

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Investieren in Silber – gewusst wie Die Chancen und Risiken

Silberbarren

Silberbarren
Die klassische und direkteste Art, in das weiße Edelmetall zu investieren, ist der Kauf von physischem Silber - entweder in Form von Münzen oder Barren. Für beide Varianten spricht die Befreiung von der Abgeltungssteuer: Anleger, die Silbermünzen oder -barren mindestens zwölf Monate gehalten haben und anschließend mit Gewinn verkaufen, müssen diesen nicht versteuern. Werden die Münzen und Barren innerhalb dieser Spekulationsfrist mit Gewinn veräußert, unterliegt dieser Gewinn der persönlichen Einkommenssteuer. Für die Investition in Silberbarren fallen zudem 19 Prozent Mehrwertsteuer an.

Allerdings sollten Anleger bedenken, dass noch etwaige Depotkosten dazu kommen, es sei denn, man möchte die Barren zuhause stapeln - was nicht empfehlenswert ist. Zudem gilt wie für Gold auch: Silber wirft keine Zinsen ab, man wettet also ausschließlich auf den Preis. Außerdem ist der Silberpreis volatiler als beispielsweise die Goldnotierungen. Das hängt zumindest zum Teil damit zusammen, dass Silber auch in der Industrie verwendet wird und deshalb auch eine gewisse Abhängigkeit von der Konjunktur besteht.