Podium während eines Opec-Treffens in Wien

Großes Enttäuschungspotenzial "Mission impossible" für die Opec

Stand: 09.04.2020, 11:55 Uhr

Die Ölpreise konnten sich in den vergangenen Tagen deutlich erholen. Es werden weitreichende Förderkürzungen erwartet. Doch die dürften aller Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen, um den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Heute will nun die Opec gemeinsam mit ihren kooperierenden Ländern wie Russland in einer Videokonferenz über die angespannte Lage am Ölmarkt beraten. Im Raum dieser Opec+-Konferenz, die "im Laufe des Tages" stattfinden soll, stehen drastische Produktionskürzungen - innerhalb und außerhalb der Opec beziehungsweise Opec+. Dass neben den 23 Opec+-Staaten auch andere Länder bei einer Vereinbarung mitmachen sollen, bestätigte gestern Irans Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh via Twitter.

Am Freitag soll unter dem Vorsitz des führenden Opec-Mitglieds Saudi-Arabien eine Schalte der Energieminister der G20-Staaten folgen, bei der Mitstreiter gewonnen werden sollen.

"Die große Frage ist, ob die "Opec+" schon in Vorleistung geht, ohne genau zu wissen, ob die anderen Länder wirklich mitmachen werden", kommentierte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Er geht davon aus, dass die Opec+ die Hilfe der USA zur Bedingung macht - und andernfalls die aktuellen Produktionsüberschüsse in Kauf nehmen würde. "Dann dürfte es für den Ölpreis wirklich ernst werden."

Immer noch geringe Nachfrage

Der Nachfrageausfall infolge der Corona-Krise hält derweil an. Marktbeobachter sprachen in einigen Weltregionen von einem Rückgang um 70 Prozent. In den USA werden zur Zeit laut Angaben der Regierung nur noch 14,4 Millionen Barrel am Tag nachgefragt, das wäre das niedrigste Niveau seit 1990. Der starke Einbruch der Nachfrage aufgrund der Beschränkungen in zahlreichen Ländern zeigt sich laut Aussage von Händlern auch durch einen Blick auf den gesamten Ölmarkt: Normalerweise verbraucht die Welt ungefähr 100 Millionen Barrel Öl am Tag, einige Händler sprachen zuletzt jedoch nur noch von 65 Millionen Barrel täglich. "Der Nachfrageausfall, der weit größer ist als die optimistischste Förderkürzung durch die Opec und ihrer Verbündeten, wird die Preise wahrscheinlich weiter drücken", hieß es von Ölmarkt-Experte Bjornar Tonhaugen von Rystad Energy.

Dennoch setzen die Ölpreise heute ihre Erholung fort. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni 34,05 US-Dollar und damit 1,21 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für die Mai-Lieferung eines Barrels der amerikanischen Sorte WTI stieg um 1,21 Dollar auf 26,30 Dollar.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
48,24
Differenz relativ
+1,05%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
45,52
Differenz relativ
+1,22%

Weltkonjunktur würde von höheren Preisen eher profitieren

Für die Weltwirtschaft herrscht derzeit die paradoxe Situation, dass steigende Ölnotierungen eher begrüßt würden, weil insbesondere die amerikanische Ölindustrie und damit die US-Konjunktur dadurch gestützt würden.

ME/dpa