Aluminiumstangen als Rohstoff für Produkte

Alumiunium auf Sechsjahreshoch Metallmärkte in Wallung

Stand: 23.04.2018, 14:44 Uhr

Auf den Märkten für Industriemetalle haben die amerikanischen Sanktionen gegen Russland deutliche Spuren hinterlassen. So ist der Preis für Aluminium auf den höchsten Stand seit sechs Jahren geklettert. Doch nun gibt es eine überraschende Wendung.

Tatsächlich haben Lieferausfälle durch den russischen Rusal-Konzern - die weltweite Nummer zwei der Branche - den Preis für Aluminium binnen kürzester Zeit auf ein Sechs-Jahres-Hoch von zuletzt 2.142 Dollar getrieben. Schon warnen der norwegische Aluminiumkonzern Norsk Hydro und auch Rio Tinto vor weltweiten Engpässen bei dem Werkstoff. Experten sehen den Preis bereits auf 3.000 Dollar je Tonne steigen. So teuer war Aluminium zuletzt vor zehn Jahren. Im Jahr 2008 hatte der Aluminiumpreis seinen bisher höchsten Stand von 3.317 Dollar je Tonne erklommen, bevor bis Ende 2016 auf 1.437 Dollar zurückging.

Analysten vermuten, dass die Sanktionen gegen Rusal weniger darauf zielen, Russland wirtschaftlich zu schädigen, sondern auch darauf, dem US-Wettbewerber Alcoa Vorteile zu bringen. Alcoa geht jedenfalls davon aus, dass die für den US-Konzern vorteilhafte Lage länger anhält und hat die Ergebnisprognose für das laufende Jahr angehoben. Entsprechend ist der Kurs der Alcoa-Aktie seit Anfang April um gut ein Drittel gestiegen. Heute geht es mit den Papieren kräftig bergab, weil die Sanktionen gegen den russischen Konkurrenten Rusal aufgehoben werden könnten.

Milliardär soll Kontrolle über Rusal aufgeben

Rusal-Papiere können sich dagegen erholen, weil das US-Finanzministerium auf seiner Website die Aufhebung der Sanktionen für den Fall in Aussicht stellt, dass der Milliardär Oleg Deripaska die Kontrolle über Rusal aufgeben werde. Der 50-jährige Aluminium-Tycoon hat wegen des gefallen Aktienkurses von Rusal und anderer Firmen laut des Bloomberg Billionaires Index über eine Milliarde Dollar oder 15 Prozent seines Vermögens verloren. Schadenersatz kann Rusal von seinen Kunden wohl kaum einklagen. Der größte Einzelkunde, der in der Schweiz ansässige Rohstoffhändler Glencore, ist bereits unter Berufung auf "höhere Gewalt“ von seinen Verträgen zurückgetreten.

Alcoa rechnet für 2018 mit einer Unterversorgung des globalen Aluminiummarktes um eine Million Tonnen, was allerdings auch an umweltrechtlichen Problemen der weltgrößten Aluminiumhütte in Brasilien liegt. Bislang war das Defizit auf 700.000 Tonnen geschätzt worden.

2017 exportierte Russland 3,1 Millionen Tonnen Aluminium und erzielte damit Einnahmen von 5,2 Milliarden Dollar. Größter Exportmarkt waren die USA mit 985.600 Tonnen (1,6 Milliarden Dollar Umsatz), gefolgt von Japan (512.100 Tonnen), der Türkei (499.200 Tonnen), den Niederlanden (225.600 Tonnen) und Südkorea (196.800 Tonnen). China taucht nicht in den Top 10 der Alu-Importeure aus Russland auf. Das Land ist inzwischen nämlich selbst zu einem Exporteur des Rohstoffs geworden.

Autobranche betroffen

Leidtragende des steigenden Aluminiumpreises könnte auch die deutsche Automobilindustrie sein, nimmt doch der Einsatz des Leichtbau-Werkstoffs immer stärker zu. Der Elektroauto-Boom dürfte den diesen Trend noch weiter verstärken. Aber auch schon jetzt wird Aluminium dringend benötigt, um Modelle mit klassischem Verbrennungsmotor leichter zu machen und so Verbrauch und Ausstoß klimaschädlicher CO2-Emissionen zu drücken. Bei Premiummodellen von Mercedes, Audi oder BMW bestehen viele der großen Flächenteile wie Motorhaube, Heckklappe oder Dach aus dem silberfarbenen Leichtmetall, das nur ein Drittel so viel wiegt wie einfacher Stahl.

Wegen der zu erwartenden steigenden Nachfrage hat der norwegische Hydro-Konzern im vergangenen Jahr seine Produktion für Autobleche aus Aluminium in Deutschland kräftig ausgebaut. Die Kapazitäten seines Werks in Neuss wurden vervierfacht – von 50.000 auf künftig 200.000 Tonnen. Damit unterhält Hydro rund um Neuss das größte und leistungsfähigste Aluminium-Netzwerk in Europa.

Neben Aluminium hat es zuletzt auch den Markt für Nickel getroffen. Zuletzt verzeichnete der Nickelpreis einen Sprung von in der Spitze zwölf Prozent auf ein Dreijahreshoch. Es kann nämlich nicht ausgeschlossen werden, dass das Weiße Haus demnächst auch Sanktionen gegen die russische Norilsk Nickel verhängt, die der weltweit zweitgrößte Produzent des Metalls ist, das für Stahl und Batterien und auch für Elektroautos gebraucht wird.

lg