Gebogene Palmen durch Hurrikan

Wetterphänomen und Rohstoffpreise Macht El Niño den Kaffee billiger?

Stand: 05.02.2019, 15:26 Uhr

Zuletzt wütete das Wetterphänomen in den Jahren 2015 und 2016. Nun gibt es Anzeichen dafür, dass El Niño noch in diesem Winter zurückkehren könnte. Mit entsprechenden Folgen für die Rohstoffpreise.

Die US-Wetter- und Ozeanbehörde (NOAA) geht davon aus, dass es während des diesjährigen Winters auf der nördlichen Halbkugel mit einer Wahrscheinlichkeit von 96 Prozent zum Wetterereignis El Niño kommen wird.

Wenn sich das Wasser im östlichen und zentralen Pazifik aufheizt, sei das ein klares Zeichen für El Niño, so die Experten. Dann kommt es zum Beispiel in Mittel- und Südamerika, Südafrika, Südasien und Australien zu Dürren, an anderer Stelle drohen Überflutungen und tropische Wirbelstürme.

Umfang und Zeitpunkt sind wichtig

Entsprechend stark sind die Auswirkungen auf den Anbau landwirtschaftlicher Produkte, hängen sie doch stark von den Witterungsverläufen ab. So können Dürren eine Ernte vernichten, während Überschwemmungen Pflanzen wegspülen oder den Ernteprozess verzögern und zu einer Vernichtung der Erzeugnisse führen können.

Wenngleich El Niño beträchtliche Auswirkungen auf die Preise von Agrarrohstoffen haben kann, hängt der spezifische Effekt von Umfang und Zeitpunkt des Wetterphänomens sowie von Standortfaktoren ab, etwa davon, wo die Feldfrüchte gewachsen sind und wie gut die Bauern auf extreme Witterungsverhältnisse vorbereitet sind.

Wird Zucker, Kakao und Weizen teurer?

Auf der Basis von wissenschaftlichen Studien aus Japan geht der Vermögensverwalter Wisdom Tree davon aus, dass der Anbau von Zucker, Kakao und Weizen vom Auftreten El Niños profitieren dürfte.

Die Zuckerproduktion konzentriert sich vor allem auf Indien und bestimmte Regionen in Brasilien. Wenn El Niño auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Regenfälle in beiden Ländern unterdurchschnittlich ausfallen und es zu längeren Trockenperioden kommt. Dies könnte die Preise für Zuckerrohr in die Höhe treiben.

Wird Australiens Weizen teurer?

Indonesien, das zehn Prozent des weltweiten Kakao produziert, könnte ebenfalls direkt von einem El Niño-Ereignis getroffen werden. Eine trockene und warme Witterung in Indonesien könnte zu Preisanstiegen bei Kakao führen.

Extrem trockenes und heißes Wetter in Australien wie in diesem Winter dürfte die Weizenproduktion in dem Land - wo vier Prozent des globalen Weizenangebots erzeugt werden - verringern und entsprechend die Preise verteuern.

Im Gegensatz dazu beurteilen die Vermögensverwalter von Wisdom Tree die Auswirkungen von El Niño auf die Preise von Sojabohnen, Mais und Arabica-Kaffee pessimistisch. Brasilien und Argentinien, die gemeinsam fast die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Sojabohnen abdecken, dürften im Fall von El Niño von günstigen Wachstumsbedingungen profitieren. Das könnte die Preise für Sojabohnen unter Druck bringen.

Arabica bald billiger?

Die Auswirkungen von El Niño auf Mais sind weniger signifikant, könnten aber für die Anbaubedingungen in Südamerika und Teilen Australiens leicht positiv sein und somit einen geringfügigen Abwärtsdruck auf die Preise ausüben.

Die Produktion von Arabica-Kaffee ist stark auf Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Mittelamerika konzentriert. In diesen Ländern könnten sich die Anbaubedingungen durch El Niño so weit verbessern, dass es bei diesem Rohstoff zu einem Angebotsanstieg kommen dürfte, mit entsprechendem Druck auf die Preise. Gut möglich also, dass die Kaffeepreise demnächst auch in Europa unter Druck geraten.

lg