US-Präsident Donald Trump

Drosselung der Produktion Legt Trump die Hand an den US-Ölhahn?

Stand: 07.04.2020, 15:13 Uhr

Das Tauziehen um eine Förderbremse der Ölproduzenten hält an. Vor allem der Streit zwischen Russland und Saudi-Arabien hemmt eine Einigung. Beide Staaten wollen nun den wichtigen Ölproduzenten USA mit ins Boot holen. Aber was kann und darf der Dealmaker Trump eigentlich tun?

Sicher ist, dass die US-Regierung die amerikanische Öl- und Gasindustrie angesichts des jüngsten Preisverfalls mit allen verfügbaren Mitteln unterstützen will. "Ich werde tun, was auch immer nötig ist", versprach Trump vor einigen Tagen. Falls es nötig sei, könnten auch neue Zölle auf Ölimporte erwogen werden, sagte Trump. In der wichtigen Industrie stünden in den USA jetzt viele Arbeitsplätze auf dem Spiel, hat der US-Präsident festgestellt.

"Alles andere als eine koordinierte globale Kürzung wird für den Markt enttäuschend sein, da weitere Preisrückgänge notwendig wären, um die Produktion ausreichend einzudämmen", sagte Greg Priddy, Direktor bei Stratfor in Houston. Dies würde allerdings von einer Beteiligung der USA abhängen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern.

Opec-Teilnehmer schemenhaft auf einem abgedunkelten Podium in blauem Licht

Opec: Gemeinsam den Ölpreis stärken. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Ein stabiles Genie bei der Arbeit betrachten

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Was soll das bedeuten? Mittlerweile wird selbst ein Mitwirken der USA an einer Förderbremse diskutiert. Schließlich sind die Vereinigten Staaten ein bedeutender Öl- und Gasproduzent. Und die dortige Fracking-Industrie wird vom Preisverfall am Ölmarkt mit voller Wucht getroffen, da beim derzeitigen Preisniveau das Fracken für viele kaum rentabel ist.

Also warum keine US-Förderbremse? Anders als in Russland und Saudi-Arabien sind die meisten Ölförderer in den USA als Privatunternehmen sozusagen unabhängig vom Staat. Und obwohl sich Trump ganz gewiss als sehr starken Mann betrachtet, als ein "stabiles Genie", kann und darf er keine Kürzung der Produktion von oben anordnen. Ob er sich darum schert, ist eine andere Frage.

Vladimir Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin macht sich auch Gedanken über den Ölpreis. | Bildquelle: imago images /ITAR-TASS

"Wir werden sehen was passiert"

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Jedenfalls dürften Absprachen für eine koordinierte Aktion der US-Ölproduzenten kartellrechtliche Folgen nach sich ziehen. Sie sind durch die berühmten US-Antitrustgesetze untersagt. Aber angesichts der sogenannten wirtschaftlichen Logik ist absehbar, dass die Produzenten bei ständig wachsenden Verlusten selbst auf die Idee kommen werden, die Produktion herunterzufahren.

So sieht das auch der Präsident: "Ich denke, es wird automatisch passieren", sagte er am Montag in einem Presse-Briefing. Niemand habe ihm bislang die Frage nach einer koordinierten Aktion gestellt. "Wir werden sehen, was passiert", orakelte Trump.

Fracking in Pennsylvania

Fracking in Pennsylvania: Fracken soll sich wieder lohnen. | Quelle: picture-alliance/dpa

Der Ölmarkt scheint jedenfalls von einer Drosselung der Förderung auszugehen, ob mit oder ohne USA. Kurz vor dem Beginn der Opec-Konferenz am Donnerstag ziehen die Notierungen weiter an.

ts