Abguss in der Kupfer- und Silberhütte Hettstedt im Mansfeld Kombinat

Industrie hat hohen Bedarf Kupferpreis deutet auf Konjunkturschub hin

Stand: 07.07.2020, 10:39 Uhr

So teuer wie seit fünfeinhalb Monaten nicht ist am Dienstag das wichtige Industriemetall. Kupfer gilt als wichtiger Indikator für eine Erholung der Nachfrage aus der Industrie. Der Rohstoff legt seit Monaten eine bemerkenswerte Rally aufs Parkett.

"Dr. Copper" wie der Kupferpreis flapsig am Finanz- und Rohstoffmarkt genannt wird, scheint derzeit auf eine schnelle Heilung der Weltwirtschaft in der Corona-Krise hinzudeuten. Der Preis erreichte am Dienstag den höchsten Stand seit Februar. Aktuell treiben vor allem Hoffnungen auf eine anziehende Nachfrage des weltweit größten Abnehmers China den Preis. Das wichtige Industriemetall gewann weitere 0,7 Prozent auf 6.172,50 Dollar je Tonne. Eine ganze Serie starker chinesischer Konjunkturdaten in den vergangenen Tagen war vorausgegangen.

Weitere Erholung in China

In China hatte sich die Stimmung in der Industrie und im Dienstleistungssektor weiter aufgehellt, trotz des erneuten Virusausbruchs in Peking. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) war im Juni entgegen den Erwartungen auf 50,9 gestiegen. Nach dem scharfen Einbruch im Februar liegt er nun schon den vierten Monat in Folge im expansiven Bereich. Dies deutet darauf hin, dass sich die Wirtschaftserholung in China fortsetzt.

Kupfer wird für viele Industriebereiche benötigt. Etwa für die Elektrik und Elektronik von Motoren, Bauteilen, Wärmetauschern oder Industriemaschinen und natürlich die Autoindustrie. Anders als etwa bei Öl ist der Preis für das Industriemetall seit März um mehr als ein Drittel gestiegen. Bei den Industriemetallen ist China der mit Abstand wichtigste Konsument.

Anschlusskäufe kurzfristiger Anleger

Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann sieht nach dem Überwinden der Marke von 6.000 Dollar nun weitere Anschlusskäufe, zu denen auch kurzfristige spekulative Investoren beitragen. Sie wollten nun auch den fahrenden Zug aufspringen.

Der Kupferpreis dient vielen Experten als Indikator für die Erholung der Weltkonjunktur in der Corona-Krise. Allerdings hat der Preis auch starke regionale Abhängigkeiten. Chile ist der weltgrößte Produzent des Industriemetalls. Die Preisrally könnte deshalb auch am Laufen gehalten werden, weil Investoren sich um die Belieferung der Welt mit dem Rohstoff sorgen. Chile ist derzeit stark vom Corona-Ausbruch betroffen. Von Gewerkschaftsseite war dabei bereits von einer selbstauferlegten Quarantäne der Arbeiter in einigen Minen die Rede.

"Dr. Copper" könnte also weiterhin eine Sonderkonjunktur erleben. Auf eine reine Preisrally bei dem Industriemetall sollte man sich allerdings nicht verlassen, wenn man den Konjunktur- und Börsenverlauf der kommenden Monate abschätzen will.

AB