Kaffeetasse steht in einem Sack mit Kaffeebohnen

Zum "Tag des Kaffees" Kaffee: Genuss und Spekulation

Stand: 30.09.2019, 13:32 Uhr

Er ist eines der beliebtesten Getränke der Deutschen, aber noch viel mehr: Die Kaffeeindustrie feiert sich am 1. Oktober regelmäßig zum "Internationalen Tag des Kaffees". Ein Tag der aber nicht nur den Kaffee-Liebhabern wichtig ist.

Auch Umweltschützer nutzen den Jubeltag für einen Hinweis auf die Umwelteinflüsse des Kaffee-Trinkens. Laut der Umweltschutz-Organsiation werden in Deutschland alljährlich 2,8 Milliarden To-Go-Becher für das Heißgetränk ausgegeben, zumeist Einwegbecher, die danach mühselig und energieintensiv recycelt werden müssen. Der entsprechende Müllberg ist laut den Umweltschützern 28.000 Tonnen schwer. Einwegbecher gehören zu den zehn häufigsten Kunststoffarten, die an den Stränden der EU gefunden werden.

Barista-Kurse und Kaffeeausstellungen

Der Tag des Kaffees, der in Deutschland bereits zum 14. Mal gefeiert wird, ist als Hommage an die duftenden Bohnen und das koffeinhaltige Traditionsgetränk in ganz Deutschland gefeiert. Wie auch im vergangenen Jahr findet der Ehrentag zusammen mit dem neu geschaffenen „International Coffee Day“ am 1. Oktober statt. Damit bekommt Kaffee über die Grenzen Deutschlands hinaus auf der ganzen Welt einen eigenen Feiertag.

Bei bundesweiten Veranstaltungen und Aktionen dreht sich alles um Kaffee, ob bei Show-Röstungen, Lesungen oder Kaffeeausstellungen. Es gibt Verkostungen, Barista-Kurse, Workshops und "Tage der offenen Tür" mit Führungen bei Röstereien und Lagerhaltern bis hin zu Großveranstaltungen auf öffentlichen Plätzen.

Deutsche schauen aufs Angebot

Die Deutschen sind und bleiben dem Kaffee bereits seit Jahren sehr zugetan. Nach Angaben des deutschen Kaffeeverbandes trinkt der Deutsche durchschnittlich 164 Liter Kaffee im Jahr. Tendenz weiter steigend. Der deutsche Konsument kauft dabei recht bewusst ein. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Nielsen achten sie stark auf Angebot, bei denen dann "zugeschlagen" wird. Der Absatzanteil von Filterkaffee, der besonders günstig erhältlich ist, stieg im ersten Halbjahr auf 61 Prozent. Eine ähnliche Tendenz zeichnete sich auch bei anderen Kaffeeprodukten wie Kaffeepads oder ganzen Bohnen ab. Ein Kilo Filterkaffee kostete im Angebot hierzulande im Schnitt 7,29 Euro in der ersten Jahreshälfte, dabei kauften die meisten Kaffeetrinker Markenprodukte.

Des Kaffeetrinkers Freud beim Preis ist allerdings des Produzenten Leid: Der Preis für Rohkaffee fiel im August nach Angaben der International Coffee Organization (ICO) im Vergleich zum Juli um knapp sieben Prozent. Mit 96,07 US-Cent pro Pfund lag der Durchschnittswert um mehr als acht Cent unter dem Wert vom August 2018. Im April war der Preis mit 94,42 Cent so tief wie seit Juli 2006 nicht mehr. Im April 2011 hatte er noch bei mehr als 2,30 Dollar gelegen.

Überangebot lässt Preise sinken

Ein Überangebot ist laut ICO der Hauptgrund - die Exportmengen steigen jedes Jahr. Die größten Ausfuhrländer sind Brasilien und Vietnam. Am Weltmarkt gibt es allerdings seit Monaten ein deutliches Überangebot an dem Rohstoff Kaffee. Das ist vor allem auf eine überaus gute Ernte in Brasilien zurückzuführen.

Rohstoffhändler und Analysten rechnen jedoch damit, dass sich die Verhältnisse bis Jahresende umkehren und mindestens am Arabica-Markt die Nachfrage das Angebot übersteigt. Denn Brasiliens Plantagen befinden sich überwiegend im "schwachen" Jahr. Zudem lassen die niedrigen Preise den Farmern seit Monaten nur wenig Spielraum für Investitionen, was negative Auswirkungen auf die Produktion haben dürfte. Ein dritter Faktor ist die Währung: Marktbeobachter erwarten, dass der brasilianische Real zum US-Dollar aufwerten wird. Ein starker Real lässt für gewöhnlich die Kaffeepreise steigen. 

Preisdreh auch für Anleger interessant

Zum Jahresende dürften daher die Kaffeepreise wieder deutlich höher steigen: Die Prognosen der Commerzbank für das vierte Quartal liegen beispielsweise bei 130 Cent pro Pfund für Arabica und 1.700 Dollar pro Tonne für Robusta. Citigroup-Analyst Aakash Doshi rät Anlegern, auf dem aktuellen Niveau zu kaufen. Er glaubt, dass Arabica-Futures im Jahresverlauf bis auf 120 Cent pro Pfund klettern.

Wer als Anleger Kaffee nicht nur in der Tasse, sondern auch im Depot haben möchte, kann auch per Wertpapier auf die "Soft Commodity" setzen. Etwa über eine börsengehandeltes Zertifikate (ETFS Coffee , ISIN: DE000A0KRJT2). Es bildet die Entwicklung der im Bloomberg-Rohstoffindex enthaltenen Kaffee-Futures ab. Vielleicht ist der Tag des Kaffees dafür sogar ein günstiger Einstiegszeitpunkt.

AB