Kaffeebohnen quellen aus einem Jutesack

"Billiges" Heißgetränk Kaffee: Eine Belebung fürs Depot?

Stand: 03.11.2017, 14:20 Uhr

Der Kaffeepreis kommt in jüngster Zeit nicht in die Gänge - zeitweise ging es sogar auf den tiefsten Stand seit vier Monaten. Anleger, die auf steigende Kurse setzen wollen, können nun auf das Klimaphänomen El Niño hoffen.

Kaffeepreis 2017

Kaffeepreis 2017. | Bildquelle: Macrotrends, Grafik: boerse.ARD.de

Mit der jüngsten Kursverlusten und einem Kursniveau von nur 1,30 US-Dollar je Pfund entwickelt sich der Kaffeepreis derzeit eher saisonal untypisch (siehe Chart). Denn bis zum Ende des Winters auf der Südhalbkugel ist die Gefahr hoch, dass es in den Anbaugebieten des mit Abstand wichtigsten Kaffee-Anbaulands Brasilien Frost gibt. Eine der eisernen Regeln bei der Anlage in Kaffee lautet: Seit niemals ab Juli short in Kaffee.

Kaffeepreis saisonal 37 Jahre

Kaffeepreis saisonal 37 Jahre. | Bildquelle: seasonalcharts.de, Grafik: boerse.ARD.de

Doch warum läuft dieses Jahr der Kaffeemarkt so ungewöhnlich? Marktbeobachter begründeten die Entwicklung unter anderem auf den wiedererstarkenden Dollar und den aggressiven Anbaumethoden im größten Anbauland Brasilien.

Doch ein Trendwende und damit eine Rückgang in das "normale" saisonale Muster beim Kaffeepreis ist keinesfalls vom Tisch. Metrologen halten die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen El Niño bis ins erste Quartal des kommenden Jahres andauern konnte, für erhöht.

Wie stark die Auswirkungen durch El Niño sein können, zeigte sich vor fünf Jahren. Da hatten übermäßige Regenfälle zur Ausbreitung eines tödlichen Kaffeepilzes geführt, der die Kaffeepreise in die Höhe trieb. Ein Jahr zuvor war der Preis sogar bis auf knapp 3,00 Dollar je Pfund explodiert.

Das Wetter im Blick

Schon fast traditionell schwankt die Angst der Marktes um zu viel und zu wenig Regen in den Anbaugebieten und um Nachtfröste, die die empfindlichen Blüten der Kaffeepflanze beschädigen könnten. Besonderes Augenmerk legt der Markt auf dabei auf Brasilien. Das südamerikanische Land bringt mehr als 40 Prozent der weltweiten Kaffeeernte ein. Zudem liefert Brasilien die hochwertigen Arabica-Bohnen, die deutlich höher gehandelt werden, als die weniger anfälligen, aber auch bei Kaffeetrinkern weniger geschätzten Robusta-Sorten.

Kurzfristig könnte aus derzeitige Preisniveau ganz gut unterstützt sein. Denn vergleichsweise schwache Kursentwicklung geht mit einem Anstieg der Spekulationsneigung auf fallende Kurse einher. Laut der so genannten COT-Daten aus Amerika, die die Positionierung der Teilnehmer an den Rohstoffmärkten abbilden, setzten Spekulanten in der vergangenen Woche so stark wie noch nicht im bisherigen Jahresverlauf auf fallende Preise. Das kann auch als Kontraindikator aufgefasst werden. Denn im Gegenzug gingen die gewöhnlicherweise besonders gut über den Markt informierten Kaffeeproduzenten immer mehr long. Das bedeutet, sie haben immer weniger Neigung, sich das derzeitige Preisniveau auf Termin für die Zukunft zu sichern.

Offenbar setzen sie lieber auf zukünftige Preissteigerungen.

ME