International Exhibition of Oil, Gas, Refining & Petrochemical in Teheran

Schluss mit den Ausnahmen? Irankrise schiebt Ölpreis an

Stand: 22.04.2019, 14:00 Uhr

Spekulationen auf eine weitere Verschärfung der US-Sanktionen gegen den Iran haben den Ölpreis auf den höchsten Stand seit fast einem halben Jahr getrieben. Wegen Lieferausfällen in den Krisenländern Venezuela und Libyen ist die Lage am Ölmarkt ohnehin angespannt

Die Ölpreise stiegen um gut drei Prozent auf den höchsten Stand seit fast einem halben Jahr. Die führende Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich zeitweise auf 74,30 Dollar je Barrel (159 Liter) und kostete damit so viel wie zuletzt am 1. November. Später gab der Preis wieder etwas nach. US-Leichtöl der Sorte WTI legte zwischenzeitlich auf 65,87 Dollar zu und erreichte den höchsten Stand seit dem 30. Oktober.

US-Außenminister Mike Pompeo wird einem Insider zufolge ankündigen, dass die USA vom 2. Mai an keinem Land mehr Ausnahmen gewähren werden, das derzeit noch iranisches Öl importiert. Die Import-Ausnahmen für acht Staaten sollen nun Anfang Mai enden, wie aus US-Regierungskreisen verlautete und auch die "Washington Post" berichtete. In den Genuss der Ausnahmen kommen neben China, Japan und Indien auch Südkorea, Taiwan, die Türkei, Italien und Griechenland.

Die USA wollen den Iran mit den Sanktionen zu Neuverhandlungen über ein wesentlich strengeres Abkommen über sein Atom- und Raketenprogramm zwingen.

Mike Pompeo US-Außenminister seit 26. April 2018

Mike Pompeo US-Außenminister seit 26. April 2018. | Bildquelle: Imago

Dies schürte offenbar Sorgen vor einem zunehmenden Engpass am Ölmarkt, der wegen Lieferausfällen in den Krisenländern Venezuela und Libyen ohnehin schon unter Druck steht. Außerdem hat sich das Förderkartell Opec Produktionskürzungen vorgenommen, um den einst deutlich niedrigeren Ölpreis zu stabilisieren. Seit Januar ist der Brent-Preis aber um mehr als ein Drittel gestiegen, WTI sogar um über 40 Prozent.

Analysten zufolge wird Trump das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien - einen der engsten Verbündeten in der Region - drängen, Sorgen über Förderengpässe auszuräumen. Eine mit der Politik des Landes vertraute Person sagte Reuters, Saudi-Arabien könne Angebotsausfälle kompensieren. Allerdings müssten die konkreten Marktauswirkungen erst analysiert werden. Ein Sprecher des irakischen Ölministeriums betonte, Entscheidungen über Änderungen der Fördermengen müsse die Opec im Kollektiv treffen.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Trump will Neuverhandlungen

US-Präsident Donald Trump hatte das internationale Atomabkommen mit dem Iran von 2015 im vergangenen Jahr aufgekündigt und neue Sanktionen verhängt. Sie zielen unter anderem auf die für den Iran wichtigen Einnahmen aus dem Öl-Geschäft ab. Trump will die Führung in Teheran damit zu Neuverhandlungen über ein wesentlich strengeres Abkommen über ihr Atom- und Raketenprogramm zwingen.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
53,38
Differenz relativ
-0,28%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
59,06
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-0,89%

Zudem will er den Iran so zu einem Kurswechsel in der Außenpolitik und dem Ende der Unterstützung militanter Gruppen in der Nahost-Region bewegen. Die EU will an dem Atomabkommen festhalten, das auch von Deutschland mit ausgehandelt wurde.

rtr