Kaffeepreis saisonal 37 Jahre
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Rohstoffe und Saisonalität Im Mai hat Kaffee Hochsaison

von Detlev Landmesser

Stand: 26.04.2012, 11:20 Uhr

Wer erfolgreich mit Agrarrohstoffen spekulieren will, muss sich auch mit den saisonalen Preisschwankungen der einzelnen Produkte vertraut machen. Das Beispiel Kaffee zeigt, wie extrem die Preisunterschiede im Jahresverlauf ausfallen.

Die Grafik zeigt den Verlauf des Future-Preises für kolumbianischen Arabica-Kaffee, der aus den jeweils nächstfälligen Kontrakten zusammengesetzt wurde. Die Kurve stellt die Mittelwerte der Jahre 1970 bis 2007 dar und ist auf 100 normiert. Ein Anstieg von 100 auf 101 entspricht einem Prozent.

Besonders auffällig ist die Preisspitze im Mai, die trotz der statistischen Glättung von 37 Jahren enorm ausfällt. Dahinter steht im Wesentlichen ein meteorologischer Effekt: Im Mai beginnt der Winter im wichtigsten Erzeugerland Brasilien, wo vor allem die in New York gehandelte edle Kaffeegattung Arabica gedeiht. Temperaturen unter null Grad greifen die empfindlichen Kaffeesträucher an und gefährden die Ernte des nächsten Jahres.

Preisexplosion bei Frost

Ab Mitte Mai beginnt die Gefahr solcher Frosteinbrüche. Die Frostgefahr ist statistisch im Juli am höchsten, und schwindet dann bis Mitte August. Dabei tritt ein solcher Temperatursturz in den brasilianischen Erzeugergebieten recht selten auf, also keineswegs jedes Jahr. Entsprechend lässt sich die Preisexplosion erahnen, wenn der Fall tatsächlich eintritt. Extreme Temperaturstürze gab es zuletzt in den Jahren 1976, 1986, 1994 und 1997. Dabei schossen die Kaffeenotierungen um bis zu 300 Prozent nach oben.

Wer also ab Ende April spekulativ im Kaffeemarkt einsteigt, wettet vor allem auf solche Frosteinbrüche in Brasilien. Entsprechend nervös beobachten die Marktteilnehmer die Wettervorhersagen um diese Zeit, was auch schon bei Andeutung drohender Fröste zu Kursausschlägen am Terminmarkt führt.

Von etwa Mitte August bis Mitte November beachten die Marktteilnehmer dann vor allem die Niederschläge in den Erzeugergebieten, weil die Kaffeesträucher in dieser Zeit blühen und die Früchte für die nächste Ernte bilden. Auch in dieser Unsicherheitsphase neigen die Kaffeepreise, wie der saisonale Chart zeigt, zum Steigen. Das heißt natürlich nicht, dass diese jahreszeitlichen Verläufe jedes Jahr zu beobachten sind.

Und natürlich sind die saisonalen Muster allen Profi-Anlegern bekannt. Mit der Zunahme der spekulativen Engagements in den vergangenen Jahren dürften sie auch zunehmend am Terminmarkt vorweggenommen werden. Doch die Kenntnis dieser Zusammenhänge bleibt für das Timing eines Einstiegs unerlässlich. Auf der Seite "Seasonalcharts.de" etwa werden die saisonalen Kursverläufe verschiedener Anlageklassen anschaulich dargestellt.