Corona und Niedrigzinsen Historische Zeiten für Gold

Stand: 28.02.2020, 12:05 Uhr

Der Goldpreis hat eine unglaubliche Rally hinter sich. Zuletzt notierte das Edelmetall auf historischen Höhen. In einer Welt wachsender Risiken und Niedrigzinsen dürfte diese Tendenz anhalten.

Am Montag hatte das Edelmetall im Zuge der Corona-Krise und der damit einhergehenden Rezessionsängste ein Sieben-Jahres-Hoch erreicht, in Euro gerechnet sogar ein Rekordhoch.

Von der jüngsten Verschärfung der Corona-Ängste konnten die Goldnotierungen allerdings nicht mehr profitieren und fielen sogar wieder zurück. Im historischen Vergleich ist eine solche Bewegung nicht ungewöhnlich. Der Börsenbrief "Wellenreiter-Invest" hat dazu weit in die Vergangenheit geblickt. Der derzeitige Rückgang sei trotz der Schwäche an den internationalen Börsen nicht überraschend, so Experte Robert Rethfeld. "Eine Situation, in der gesamte Aktienmarkt deutlich fällt, der Goldpreis aber stabil bleibt bzw. sogar steigt, hat es seit Freigabe der Goldpreisbindung Anfang der 70er Jahre in nennenswertem Ausmaß erst zweimal gegeben: Im Aktien-Bärenmarkt 1973/74 sowie in der zweiten Jahreshälfte 1987, als der Crash stattfand."

Längerfristig spricht einiges für Gold

Trotz der derzeitigen Kursschwäche spricht viel dafür, dass Gold auf längere Sicht weiter im Wert zulegt. "Als vor sieben Jahren die Unterstützung bei 1.532 US-Dollar brach, kam es zum heftigsten Ausverkauf, den der Goldmarkt jemals erlebte und damit übernahmen die Bären das Zepter", hieß es vor kurzem von den Marktbeobachtern von "CMC Markets". Im Umkehrschluss bedeutet die Rückeroberung der Marke eine deutliche Unterstützung für den Goldmarkt. "Das Coronavirus und mit ihm einhergehende neue Rezessionsgefahren haben zum nachhaltigen Sprung über diesen Widerstand geführt und könnten nun den Start eines Bullenmarktes im Gold signalisieren."

Zuletzt hatten die Bestände der Gold-Fonds deutlich zulegen können. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg ist der Bestand der Gold-ETFs auf 2.624 Tonnen geklettert - der höchste Stand aller Zeiten.

Geldpolitik bleibt locker

Die Ausbreitung des Coronavirus' und die damit einhergehende Konjunkturschwächung dürfte schon bald die Notenbanken zu stimulierenden Maßnahmen bewegen. Laut dem "Fed Watch Tool" der Terminbörse CME rechnet der Markt mit einem 100-prozentigen Wahrscheinlichkeit damit, dass die amerikanische Notenbank bei der nächsten Zinssitzung den Leitzins um 0,25 Punkte senken wird. Selbst ein großer Zinsschritt um 0,5 Punkte scheint demnach nicht ausgeschlossen.

Fraglich, wie viel das der Realwirtschaft bringen wird. "Die Möglichkeiten von Negativzinsen und Quantitative Easing sind ausgeschöpft", hatte er vor kurzem der renommierte Ökonom David Rosenberg gesagt. Er rechnet damit, dass die Notenbanken durch den Aufkauf von noch mehr Schulden ein neues Experiment wagen. "Dabei werden sie die Kontrolle über die Geldbasis verlieren, womit Inflation wieder zum Thema wird. Dieses Szenario wird sich in den nächsten 18 bis 24 Monaten verdichten, und der Goldpreis wird in die Höhe schießen."

Kurzfristig zu viel Spekulation

Kursdrückend könnte sich erst einmal die Entwicklung am Terminmarkt auswirken. Laut der wöchentlich veröffentlichten COT-Daten, die die Positionierung der Teilnehmer an den Rohstoffmärkten abbilden, war die Spekulation auf steigende Goldpreise in der vergangenen Woche auf einen mehrjährigen Höchststand gestiegen. Das kann kurzfristig auch als Kontraindikator aufgefasst werden. Denn im Gegenzug gingen die gewöhnlicherweise besonders gut über den Markt informierten Goldproduzenten immer mehr short. Das bedeutet, sie sind zunehmend geneigt, sich das derzeitige erhöhte Preisniveau auf Termin für die Zukunft zu sichern.

ME/la