Zwei Erdölpumpen in der Dämmerung

WTI auf 18-Jahres-Tief Historische Ölförderkürzung verpufft

Stand: 15.04.2020, 15:06 Uhr

Die Stabilisierung am Ölmarkt war nur von kurzer Dauer. Am Mittwoch ist der Preis für US-Öl auf den tiefsten Stand seit 2002 gefallen. Die vereinbarte Förderkürzung kann den drohenden massiven Nachfrageeinbruch nicht auffangen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Autofahrer können sich freuen. An den Zapfsäulen wird der Sprit vermutlich bald noch billiger. Die Ölpreise nämlich haben ihre nachösterliche Talfahrt beschleunigt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich bis zum frühen Nachmittag um 3,5 Prozent auf 28,50 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit Anfang April.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Noch dramatischer ist die Lage für das US-Öl. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI sackte um vier Prozent auf unter 20 Dollar ab. Zeitweise kostete das US-Öl mit nur noch 19,20 Dollar so wenig wie zuletzt im Jahr 2002.

IEA prophezeit "schwarzen April"

Am Mittag beschleunigte die Internationale Energie-Agentur (IEA) die Talfahrt. Die weltweite Ölnachfrage wird nach Einschätzung der Organisation im April so schwach ausfallen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Sie werde um durchschnittlich 29 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag sinken, prophezeite die IEA am Mittwoch in ihrem Monatsbericht. "Der April könnte der vielleicht schlimmste Monat werden - er könnte als Schwarzer April eingehen", sagte IEA-Chef Fatih Birol.

Für 2020 wird ein Nachfragerückgang um 9,3 Millionen Barrel täglich prognostiziert. Ein so starker Rückgang der Nachfrage sei auch durch eine Verringerung des Ölangebots nicht zu kompensieren, betonte die Energieagentur. Ähnlich hatte sich auch schon zuletzt die US-Bank Goldman Sachs geäußert. Trotz des historischen Abkommens am Sonntag könnten die Förderkürzungen die wegbrechende Nachfrage nicht auffangen.

Preiskrieg noch nicht ausgestanden

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und andere Produzenten wie Russland hatten sich am Sonntag auf eine Rekordkürzung geeinigt. Ab Mai soll die Förderung um 9,7 Millionen Barrel pro Tag gesenkt werden, was fast zehn Prozent des weltweiten Angebots entspricht.

An ein Ende des Preiskriegs führender Rohölländer glauben Marktbeobachter nicht. Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, erwartet einerseits nicht, dass die vom Opec-Kartell mit seinen Partnern vereinbarten umfangreichen Förderkürzungen rigoros umgesetzt werden. "Und gleichzeitig deuten die gigantischen Rabatte Saudi-Arabiens - die anderen Golfstaaten dürften dem Beispiel folgen - für die Mai-Lieferungen auf einen anhaltenden Preiskrieg hin", sagte Weinberg.

Für die Weltwirtschaft herrscht derzeit die paradoxe Situation, dass steigende Ölnotierungen eher begrüßt würden, weil insbesondere die amerikanische Ölindustrie und damit die US-Konjunktur dadurch gestützt würden.

nb