Heizöl

Hohe Nachfrage Heizöl ist das neue Klopapier

Stand: 20.03.2020, 11:25 Uhr

Wird Deutschland schon bald nicht nur bei der Körperhygiene auf wirklich jede denkbare Entwicklung vorbereitet sein? Auch eine baldige lang andauernde Kältewelle sollten viele Bürger nun locker durchstehen können.

Denn nicht nur in den Supermärkten herrscht derzeit Ausnahmezustand - auch am Ölmarkt. Die Preise für Öl der Nordseesorte Brent und amerikanisches WTI sind von Tief zu Tief gefallen, zeitweise wurden nur noch weniger als 25 Dollar je Barrel bezahlt. Der gestrige historische Preissprung bei US-Öl von 24 Prozent ändert an diesem Bild zunächst wenig.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
35,57
Differenz relativ
+1,98%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
33,75
Differenz relativ
+2,12%

Die Preisentwicklung am Rohölmarkt und offenbar das Sicherheitsbedürfnis zahlreicher Bürger treiben die Kaufbereitschaft am deutschen Heizölmarkt in ungeahnte Höhen. "Im Moment trifft ein knappes Angebot auf eine ungewöhnlich hohe Nachfrage nach Heizöl. Die Händler sind in manchen Regionen überlastet, zumal die Virusepidemie auch hier das Personal erheblichen Risiken aussetzt und die Abläufe erschwert", so Steffen Bukold vom Heizöl-Portal Esyoil.

Hohe regionale Unterschiede

Die Entwicklung erkläre bis zu einem gewissen Grad die starken Preisunterschiede zwischen den deutschen Regionen, in denen Heizöl zwischen 45 und 63 Euro je 100 Liter koste, so der Experte.

Die hohe Nachfrage in Deutschland stützt damit den Preis des Endprodukts Heizöl - und nicht nur die. "Ebenso wichtig sind die Steuern und Abgaben sowie die Kosten für die Raffinerien, Transport, Lager und Handel", so Bukold.

Heizöl saisonal 30 Jahre

Heizöl saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: Seasonax

Auch ist der Einfluss der Jahreszeit nicht zu unterschätzen. Denn es gibt so etwas wie einen idealtypischen Verlauf der Heizölpreise. Nach Berechnungen von "Seasonalcharts" steigt der an den Terminbörsen ermittelte Heizölpreis im Schnitt vieler Jahre zwischen Februar und Ende April an.

Im Frühsommer erreicht er dann aber seinen Tiefststand, bevor im Hochsommer Ende Juli bereits schon wieder ein steiler Aufwärtstrend beginnt. Im Oktober ist dann bereits der Höhepunkt erreicht. Fundamental lässt sich das durchaus erklären. Offenbar wollen Heizölkunden vor dem Winter um jeden Preis ihren Tank gefüllt sehen. Die Strategie ist nachvollziehbar, aber nicht unbedingt clever.

 ME