Erdölförderanlage

Ungünstige Gemengelage Haben die Ölpreise Potenzial bis auf 120 Dollar?

Stand: 27.04.2018, 10:09 Uhr

Seit mehr als zwei Jahren kennen die Ölpreise fast nur eine Richtung - nach oben. Nun spricht auch noch die Jahreszeit für weiter steigende Preise. Und dann wäre da noch der Faktor Donald Trump.

Erst vor kurzem hatte der amerikanische Präsident gegen den Ölpreisanstieg gewettert. "Scheinbar ist die Opec wieder am Werk", twitterte Trump. "Angesichts der Öl-Rekordbestände überall, einschließlich der voll beladenen Schiffe auf dem Meer, sind die Ölpreise künstlich sehr hoch!" Dies sei nicht gut und werde nicht akzeptiert. Die Ölpreise reagierten umgehend und fielen.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Umgekehrt machte sich Trumps Politik aber auch mit Preissteigerungen bemerkbar. Denn nach wie vor wird der Ölmarkt von Befürchtungen in Atem gehalten, die USA könnten aus dem Atomabkommen mit Iran aussteigen. In dieser Woche hatte Frankreichs Premierminister Emmanuel Macron neue Sorgen ausgelöst, als er im Rahmen seines Staatsbesuchs in den USA prognostizierte, Trump werde das Abkommen vermutlich aufkündigen.

Der Iran ist einer der größten Produzenten im Ölkartell Opec. Sollten sich die Befürchtungen bestätigen, dürfte die iranische Ölindustrie durch die zu erwarteten Sanktionen leiden und die Ölproduktion sinken.

Die Lücke wird größer

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Dies käme zu einem Zeitpunkt, an dem die Ölmärkte angesichts der Förderbeschränkungen der Opec und Russland sowieso schon unterversorgt sind. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) lag die weltweite Produktion im ersten Quartal bei 97,9 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag, die Nachfrage allerdings bei 98,1 Millionen Barrel. Nach den IEA-Prognosen soll die Nachfrage im vierten Quartal sogar die Schallmauer bei 100 Millionen Barrel durchbrechen, 100,5 Millionen Fässer erreichen und damit im Vergleich zum ersten Quartal um 2,4 Millionen zulegen. Gleichzeitig soll die Produktion außerhalb der Opec nur um 1,9 Millionen Barrel wachsen. Die Lücke von mindestens 0,5 Millionen Barrel müsste damit die Opec schließen.

Fraglich ist, ob sie dazu bereit ist. Zuletzt hatten Vertreter des Ölkartells eine mögliche Verlängerung der Anfang 2017 installierte Fördergrenze signalisiert. Der saudische Energieminister Al-Falih betonte jüngst zwar offiziell, dass sein Land kein Ziel beim Ölpreis habe. Vielmehr gelte es, starke Preisschwankungen zu vermeiden. Von Insidern hieß es aber zuletzt, der weltgrößte Ölexporteur sei mit einem Preis von 80 bis sogar 100 Euro je Fass zufrieden. Das könnte also einem Ölpreis von bis zu 120 Dollar entsprechen.

Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Saisonalität. Denn es gibt so etwas wie einen idealtypischen Verlauf der Ölpreise. Nach Berechnungen von "Seasonalcharts" legen die Ölpreise ausgehend von ihrem Tiefststand im Februar bis Oktober tendenziell zu. Fundamental macht das Sinn. Denn nun beginnt bald die "Driving Season" in Amerika, die mit einem steigenden Ölverbrauch einhergeht.

Rohöl saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: Seasonalcharts, Dimitri Speck

Über weiter steigende Ölpreise sollten sich Anleger daher nicht wundern. Immerhin gibt es noch etwas Hoffnung. Denn Russland kann sich eine Lockerung der mit der Opec und anderen führenden Produktionsländern vereinbarten Ölförderbremse vorstellen. Das berichtete zumindest die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Ölminister Alexander Nowak. Im Juni könne darüber entschieden werden.

ME

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Ölmultis mit neuem Schwung Chartserie

<strong>ExxonMobil</strong><br/>4,7 Milliarden Dollar Quartalsgewinn im ersten Quartal -  das klingt schon wie zu besten Ölzeiten für den weltgrößten Branchenvertreter. Im vierten Quartal 2017 hatte ExxonMobil gar einen Überschuss von 8,4 Milliarden Dollar eingefahren - dank der US-Steuerreform. Der steigende Ölpreis sorgte aber auch ohne diesen Effekt dafür, dass Umsätze und Gewinne je um rund ein Fünftel stiegen. Die Exxon-Aktie war zuletzt allerdings nicht Branchenspitze.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

ExxonMobil
4,7 Milliarden Dollar Quartalsgewinn im ersten Quartal - das klingt schon wie zu besten Ölzeiten für den weltgrößten Branchenvertreter. Im vierten Quartal 2017 hatte ExxonMobil gar einen Überschuss von 8,4 Milliarden Dollar eingefahren - dank der US-Steuerreform. Der steigende Ölpreis sorgte aber auch ohne diesen Effekt dafür, dass Umsätze und Gewinne je um rund ein Fünftel stiegen. Die Exxon-Aktie war zuletzt allerdings nicht Branchenspitze.