Goldbarren

Angst vor Geldentwertung Goldpreis erstmals über 2.000 Dollar

Stand: 05.08.2020, 11:04 Uhr

Die billionschweren Geldspritzen der Notenbanken und Konjunkturhilfen der Regierungen seit dem Corona-Crash haben nicht nur den Börsen geholfen. Auch Gold steigt und steigt. Am Abend kletterte das gelbe Edelmetall zum ersten Mal über 2.000 Dollar je Feinunze.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die runde Marke geknackt wird. Am Dienstagabend war es dann soweit: Der Goldpreis für eine Feinunze (31,1 Gramm) erreichte mit 2.000,58 Dollar einen neuen Rekordwert. Zur Wochenmitte geht die Kursbewegung weiter. Am Mittwochmorgen wurde mit 2.039,22 Dollar ein neuer historischer Höchststand erreicht. Vor der Zuspitzung der Corona-Krise im März hatte das Edelmetall noch unter 1.500 Dollar notiert.

Seit Jahresbeginn hat sich das gelbe Edelmetall um 30 Prozent verteuert. Experten hatten zuletzt einen Anstieg auf 2.000 Dollar vorausgesagt. Die UBS rechnete damit im September, Goldman Sachs erst in den nächsten zwölf Monaten.

Nächstes Corona-Hilfspaket in den USA

In Euro gerechnet, erreichte Gold mit Preisen über 1.720 Euro pro Feinunze ebenfalls neue Rekordwerte. Neuen Schub gaben laut Händler wachsende Spekulationen, dass sich die US-Regierung und der Kongress auf ein neues Konjunkturpaket einigen können. Dies würde für noch mehr Liquidität an den Märkten sorgen und so auch die Nachfrage nach Gold antreiben. Auch die geopolitische Unsicherheit nach der mysteriösen gewaltigen Explosion in Beirut dürfte den Preis getrieben haben.

"Die Motivation, Liquidität in Gold zu schieben, bleibt für Anleger hoch. Unterstützung hierfür kommt weiter aus dem Umfeld mit niedrigen oder negativen Zinsen", meinte Hans-Günter Ritter, Leiter Edelmetallhandel bei Heraeus. Er verwies zudem auf die Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise.

Corona-Krise verunsichert

Gold gilt angesichts der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Ungewissheiten an den Märkten als sichere Wertanlage, was den Preis nach oben treibt. Anleger rund um den Globus wollen sich gegen Inflationsrisiken absichern. Durch die billionenschweren Hilfsprogramme von Notenbanken wird massiv Liquidität in die Märkte gepumpt. Während sich gleichzeitig wegen weitreichender Produktionsausfälle das Angebot verknappt, steigt die Geldmenge - und damit wächst die Furcht vor einem Anstieg des Preisniveaus und einem Wertverfall des Geldes.

Bereits am 27. Juli hatte der Goldpreis seinen alten Höchststand von 1.921 Dollar übersprungen. Erreicht wurde er im Spätsommer 2011, als an den Finanzmärkten die Eurokrise tobte. Jetzt sorgt die Corona-Krise, die die ganze Welt betrifft und die Wirtschaft schwer belastet, für Verunsicherung. Zuletzt nahm die Zahl der Neuinfektionen weiter zu, und der weitere Verlauf der Krise ist höchst unsicher.

Rekordzuflüsse in Gold-ETFs

Treiber der Gold-Rally sind die massiven Geldzuflüsse in Gold-ETFs. Auch Privatanleger in Westeuropa, insbesondere in Deutschland, kaufen derzeit so viel Gold wie nie. Dagegen haben die Notenbanken zuletzt weniger Gold gehortet.

nb