Goldbarren

Saisonalität Goldige Zeiten?

Stand: 12.09.2018, 11:14 Uhr

Das laufende Jahr war nicht gerade prickelnd für Goldinvestoren. Weiterhin scheint der Preis in der Nähe eines Mehrjahrestiefs festgenagelt. Der Monat September könnte aber für den Goldpreis Erleichterung bringen, dafür sprechen gleich mehrere Faktoren.

Die Saisonalität beim Goldpreis über die vergangenen Jahre spricht eine klare Sprache. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahrzehnte kletterten die Notierungen mit schöner Regelmäßigkeit nach oben. Die Preisveränderungen laufen dabei in der Mehrzahl der Jahre genau umgekehrt wie am Aktienmarkt. Während dort der Monat September oft mit Rückgängen verbunden ist, glänzt der Edelmetallmarkt in Richtung Herbstbeginn zumeist golden (s. unseren Chart).

Chart Gold saisonal 30 Jahre

Gold saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: Seasonal Charts Dimitri Speck, Grafik: boerse.ARD.de

Physische und "psychische" Nachfrage steigen

Die Ursachen sind laut Experten zumeist die gleichen, in diesem Jahr kommt allerdings noch ein potenzieller Faktor hinzu. Dirk Baur, Finanzprofessor an der Western Australia Business School sieht wie viele seiner Kollegen einerseits Absicherungsgeschäfte vieler Investoren, die sinkende Aktienkurse im Spätherbst befürchten. Das bezeichnet er als den "goldenen Herbst-Effekt" für das Edelmetall. Auch die Hochzeitssaison in Indien sorgt regelmäßig für eine Verteuerung von Gold. Hier steigt schlicht die Nachfrage nach "physischem" Gold für Schmuck.

Baur sieht zusätzlich noch einen ebenfalls jahreszeitlichen, aber anders gelagerten Effekt: Durch die kürzer werdenden Tage im Herbst sei das allgemeine Sentiment im Markt negativer, und das wiederum führe zu stärkeren Käufen des "Krisen"-Investments Gold.

Gold-Silber-Ratio immer höher

Im Herbst 2018 spricht noch ein weiterer Aspekt dafür, dass auf den längeren Preisverfall bei Gold zumindest eine kurzfristige Preiserholung folgen kann: Die Gold-Silber-Ratio nämlich, also das Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreis, ist so ungünstig für Gold wie seit Jahren nicht. Derzeit müssen 83 Unzen Silber für eine Unze Gold gezahlt werden, ein so hoher Wert wie seit Jahren nicht. Erfahrungsgemäß tendiert Silber in Schwächephasen noch schwächer als Gold. Die Folgerung der Experten: Der gesamte Edelmetallmarkt ist überverkauft, was beiden Edelmetallen Aufwärtspotenzial verheißt.

Profis in den Startlöchern

Profi-Investoren sind in den vergangenen Monaten ganz unterschiedlich mit den sinkenden Gold-Notierungen umgegangen. Während der Hedgefonds-Investor John Paulson seine Bestände an Gold-ETFs und Terminkontrakten laut Insiderdaten komplett behielt, machten andere Investoren, wie etwa der Fonds von George Soros zwischenzeitlich Kasse. Sie könnten jetzt zum Neueinstieg bereit sein - weitere Munition für einen bald steigenden Goldpreis. Erste Anzeichen sprechen jedenfalls dafür, die Zuflüsse in börsengehandelte Goldprodukte (ETPs) an den internationalen Handelsplätzen steigen bereits wieder.

AB