Goldbarren und Euroscheine

Lieferengpässe wegen Corona Gold wird knapp

Stand: 03.04.2020, 12:01 Uhr

Die Amerikaner decken sich mit Waffen ein, die Deutschen mit Klopapier und… Gold. Die Online-Shops der Goldhändler erleben derzeit einen Riesenansturm. Doch inzwischen können sie kaum noch Barren und Münzen ausliefern - wegen Nachschubproblemen.

Wer momentan die beliebten Krügerrand-Münzen kaufen will, muss warten. Möglicherweise mehrere Wochen. Denn bei den großen Goldhändlern wie Degussa und Pro Aurum sind die Münzen aktuell ausverkauft. Einzig bei Coininvest gibt's noch einige Stück Krügerrand.

Auch andere Münzen und Barren sind zunehmend knapp. Pro Aurum beschränkte deshalb in seinem Online-Shop die Bestellungen auf 500 Stück. Nachdem das Kontingent vergriffen war, wurde der Online-Verkauf zeitweise eingestellt. Die Kunden müssen zehn bis zwölf Tage auf die Lieferung warten.

Mehrere Schweizer Goldverarbeiter sind dicht

Grund sind Lieferschwierigkeiten. "Die großen Goldverarbeiter sind seit etwa anderthalb Wochen ausgefallen", klagt Edelmetallhändler Alexander Zumpfe vom Handelshaus Heraeus. Drei der vier weltgrößten Goldraffinerien befinden sich im Tessin. Der Schweizer Kanton liegt an der Grenze zu Italien, und ähnlich wie im Nachbarland mussten auch im Tessin alle Unternehmen, die nicht systemrelevant sind, ihre Produktion einstellen. Gleichwertige Alternativen sind nicht in Sicht: "Kleinere Barrenmanufakturen in anderen Ländern sind nicht in der Lage, diesen Angebotsausfall zu kompensieren", sagt Zumpfe.

Auch von den staatlichen Prägeanstalten in den USA und Kanada, wo Münzen wie der American Eagle oder der Maple Leaf hergestellt werden, kommt derzeit kein Nachschub. Außerdem gibt es Lieferprobleme in Südafrika, wo der Kampf gegen die Corona-Pandemie die Goldproduktion der Minen bremst.

Wenn die Situation anhält, könnten bald die Barren und Münzen ganz ausgehen. Schon in ein bis drei Wochen könnte dieser Extremfall eintreten, sagen die Unternehmen. Plötzlich steckt selbst das Krisenmetall in der Krise!

Run auf die Online-Shops

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Angebotsknappheit trifft auf eine extrem hohe Nachfrage von Privatleuten. Seit Anfang März verzeichnet Degussa einen Anstieg der Bestellungen um 500 Prozent. Auch Pro Aurum berichtet über fünf bis sechs Mal mehr Umsätze als in normalen Zeiten. "Der derzeitige Ansturm übertrifft deutlich den Sommer 2015, als der Verbleib Griechenlands in der Eurozone auf der Kippe stand", erklärte Daniel Marburger, Geschäftsführer des Online-Händlers Coininvest, in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Die angespannte Lage zeigt sich auch an einer aktuell vergleichsweise hohen Spanne zwischen dem Ankaufspreis, den Goldhändler bezahlen, und dem Verkaufspreis für die Kunden. Aufschläge von vier Prozent seien normal, sagen Branchenexperten. Zum Teil sind bis zu 15 Prozent fällig. "Apothekerpreise" nennen das Goldhändler.

Alternative Gold-ETCs

Wer nicht auf Gold als sicheren Anlagehafen verzichten will, kann aber weiterhin problemlos Wertpapiere kaufen, die mit Gold hinterlegt sind. Anleger können in Xetra-Gold der Deutschen Börse oder in Gold-ETCs investieren. Günstig sind häufig ETC-Sparpläne. Bei einigen Anbietern liegt die Monatsrate bei nur 25 Euro. Bei Angeboten, die eine regelmäßige, sichere Verzinsung versprechen, sollte man aber vorsichtig sein, warnt Finanztest, die 19 Anbieter von Gold-Sparplänen untersucht hat. Eine feste Rendite könne niemand garantieren, und die Entwicklung des Goldpreises ließe sich nicht vorhersagen.

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Sicher ist, dass Gold-Käufer relativ unbeschadet durch die Corona-Krise bisher gekommen sind. Im ersten Quartal stieg der Preis für das gelbe Edelmetall trotz der zeitweise starken Verluste um etwa fünf Prozent. Zuletzt kostete Gold knapp über 1.600 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). In Euro gerechnet wurde das Edelmetall für 1.485 Euro je Feinunze gehandelt.

Gold bald bei 1.700 Dollar?

Die aktuelle Geldflut führender Notenbanken im Kampf gegen die Krise den Goldpreis nach Einschätzung von Experten weiter in Richtung Rekordhoch treiben. Goldman Sachs rät zu Gold. Die Investmentbank spricht von einer "Wiederbelebung" des sicheren Anlagehafens. "Wir schließen bis zum Jahresende einen Anstieg bis auf 1.700 US-Dollar je Feinunze nicht aus", sagte Heraeus-Händler Zumpfe. Bei Degussa Goldhandel wird der Goldpreis in diesem Jahr sogar bis zu einer Obergrenze von 1.930 Dollar erwartet. "Dass diese Obergrenze erreicht oder gar übertroffen wird, ist im Zuge der Coronavirus-Pandemie sehr wahrscheinlich geworden", sagte der Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel, Thorsten Polleit. Das wäre dann ein neues Rekordhoch beim Preis für das Edelmetall.

nb

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