Anleger greift nach Goldbarren

Bodenbildung scheint gelungen Goldpreis vor dem Comeback?

Stand: 15.11.2018, 15:20 Uhr

Der schwarze Oktober an den Börsen, die Italien-Turbulenzen und geopolitische Spannungen haben zuletzt die Talfahrt der Goldpreise gestoppt. Experten sehen erste Anzeichen für eine Wende.

Noch im Spätsommer hatten viele Investoren auf fallende Goldpreise gewettet. Doch im Oktober hat sich die Stimmung gedreht. Im Sog des Kurseinbruchs an den Börsen setzten viele Anleger wieder auf das gelbe Edelmetall als sicherer Hafen.

Goldfonds-Abflüsse gestoppt

Die Stimmungswende war vor allem bei Goldfonds zu spüren. Zogen Anleger im dritten Quartal noch über 100 Tonnen ab - so viel wie seit fast zwei Jahren nicht mehr -, deckten sie sich im Oktober wieder mit dem gelben Edelmetall ein. Das Volumen stieg netto um 24 Tonnen.

Der Goldpreis zog im Oktober um fast fünf Prozent auf 1.234 Dollar je Feinunze an. Seither ging es wieder etwas nach unten. Aktuell kostet das Edelmetall 1.214 Dollar. In Euro gerechnet war die Erholung noch stärker. Der Goldpreis kletterte von 1.026 Euro je Feinunze Ende September auf 1.082 Euro Anfang November. Rohstoff-Experten sehen eine Bodenbildung und Stabilisierung des Goldpreises.

"Gold als Krisenmetall funktioniert wieder"

"Die Anleger nehmen die Risiken an den Finanzmärkten wieder wahr und kaufen deswegen Gold", sagte Alistair Hewitt, Analyst des World Gold Council, vor zwei Wochen. Auch Ronald-Peter Stöfele von der liechtensteinischen Anlagegesellschaft Incrementum sieht eine Trendwende. "Das Bild hat sich verändert - auch wegen der schwächeren Aktienmärkte. Gold als Krisenmetall hat wieder funktioniert", meinte er. Stöfele rechnet mit einem weiter steigenden Goldpreis. "In diesem Jahr sind noch 1.350 Dollar drin", prophezeit er.

Notenbanken auf der Käuferseite

Zu den größten Goldfans gehören aktuell die Notenbanken – auch schon vor dem Oktober. Laut dem World Gold Council kauften sie im dritten Quartal 148 Tonnen Gold - rund die Hälfte mehr als im Vorquartal. Neben Russland, der Türkei und Kasachstan griffen auch Polen, Ungarn und Indien zu.

Die Hochzeitssaison in Indien könnte neuen Schub im Privatkundengeschäft geben. Rund die Hälfte der weltweiten Gesamtnachfrage kommt aus dem Schmuckgeschäft. Hier spielen Indien und auch China eine wichtige Rolle. "Zum Jahresende erwarten wir höhere Nachfrage aus Indien und China", sagt Gold-Analyst Hewitt.

Deutsche Kleinanleger horten Goldmünzen

Auch in Deutschland steigt die Nachfrage - besonders nach Barren und Münzen. Das Edelmetall-Handelshaus Pro Aurum verzeichnete im Oktober gestiegene Umsätze. Auch die Sommermonate zuvor nutzten einige Privatanleger die niedrigen Goldpreise zum Kauf von Münzen und Barren.

Noch freilich hält sich die Flucht in Gold in Grenzen. Seit Jahresbeginn hat das gelbe Edelmetall fast 100 Dollar an Wert eingebüßt. Die meisten Experten glauben nicht, dass der Verlust bis Ende des Jahres aufgeholt wird. Die Rohstoffanalysten rechnen im Schnitt mit 1.250 Dollar je Feinunze bis Jahresende.

Goldmünzen und Ein-Gramm-Goldbarren aus Feingold von Degussa
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Wie partizipiert man am Goldpreis?

Warum steigt der Goldpreis nicht noch kräftiger?

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" nennt drei Gründe dafür, dass der Goldpreis nicht stärker anzieht. Erstens nähmen die Anleger die Kursverluste an der Börse noch nicht so ernst, dass sie panisch ins Gold flüchteten. Zweitens sei ein Umfeld steigender Zinsen nicht gut für Gold. Und drittens laste die Währungs- und Konjunkturschwäche der Schwellenländer auf dem Goldpreis.

Doch sollte der Streit zwischen Italien und der EU weiter eskalieren, der Handelskrieg mit den USA zunehmen und sollten die Inflationsängste weiter zunehmen, könnte der Goldpreis wieder größere Sprünge machen. Wells Fargo rechnet für das nächste Jahr mit einer Verteuerung des gelben Edelmetalls auf 1.350 Dollar je Unze.

Noch optimistischer ist Pro-Aurum-Experte Robert Hartmann. Die Stunde des Goldes werde seiner Meinung nach spätestens nächstes Jahr schlagen. "Dann ist Ende mit den Zinserhöhungen in den USA."

nb

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