Vier Goldbarren
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Was ist da los? Gold versagt als Krisenwährung

Stand: 11.08.2017, 15:13 Uhr

Das Säbelrasseln auf der koreanischen Halbinsel lässt die Börse nicht kalt. Aktien fallen, Gold steigt, wenn auch nur moderat. Angesichts der Bedrohungslage könnte man eigentlich deutlich mehr erwarten.

Der Goldpreis legte an den vergangenen Handelstagen um gut zwei Prozent bis auf 1.289 US-Dollar je Feinunze zu. Begleitet wird der Anstieg mit wüsten Drohungen aus Pjöngjang und insbesondere auch Washington von US-Präsident Donald Trump. Erst am Freitagmittag drohte der Politiker dem ostasiatischen Land mit militärischen Lösungen. Sie seien "vorbereitet, geladen und entsichert". Doch trotz der für Gold eigentlich "idealen" Gemengelage notiert der Goldpreis sogar noch niedriger als im Juni.

Noch niederschmetternder ist die Situation für schon längerfristig investierte deutsche Anleger, die sich aus Gründen der Absicherung gegen jedwede Krisen physisches Gold gekauft haben. Denn in Euro gerechnet notiert Gold immer noch unter 1.100 Euro je Feinunze und damit deutlich näher am Jahrestief als am Jahreshoch. Der Grund dafür ist schnell gefunden - die Schwäche des US-Dollars in den vergangenen Wochen und Monaten. Sie gilt als eine Reaktion auf die bisher massiv enttäuschten Erwartungen an die Wirtschaftspolitik von Donald Trump. Keines seiner Versprechen hat er bisher umsetzen können, sei es die Gesundheitsreform oder gar die angekündigte Steuerreform.

Gold-Anhänger könnten natürlich schnell eine Erklärung haben, die immer mal wieder gern genannt wird: Manipulationen der internationalen Notenbanken. Auch wenn das kurzfristig sicherlich richtig sein kann, erklärt das wohl kaum die seit rund fünf Jahren nur wenig erfreuliche Goldpreisentwicklung.

Geld wäre für einen nachhaltigen Anstieg mehr als genug vorhanden. Marktbeobachter schätzten die Menge des für Investments weltweit zur Verfügung stehenden Goldes auf rund 33.000 Tonnen. Beim aktuellen Goldpreis entspricht das einem Wert von knapp 1,4 Billionen US-Dollar - also gerade einmal so viel wie die beiden teuersten Konzerne der Welt, Apple und die Google-Mutter Alphabet, zusammengenommen. Und im Vergleich zum Volumen der weltweiten Finanzmärkte von 294 Billionen US-Dollar ist das der reinste Klacks. Diese Zahl hatte Sanjeev Sanyal, Analyst der Deutschen Bank im Jahr 2015 ermittelt.

Nun müssen sich nur noch genug neue Gold-Käufer finden - hoffentlich nicht wegen einer militärischen Eskalation auf der koreanischen Halbinsel.

ME