Goldbarren

Preis auf Sechsjahreshoch Gold: Krisenindikator schlägt Alarm

von Lothar Gries

Stand: 26.08.2019, 07:45 Uhr

Gold ist so teuer wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr, gilt doch das Edelmetall in unruhigen Zeiten wie derzeit noch immer als sicherer Hafen. Warum ist das so, und welche Risiken und Nebenwirkungen sind damit verbunden?

Über den unwiderstehlichen Reiz von Gold muss eigentlich nichts mehr geschrieben werden. Er ist ungebrochen. Das zeigt ein Blick auf die jüngste Preisentwicklung. So verteuerte sich eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls allein zwischen Juni und Mitte August um fast 20 Prozent auf über 1.500 Dollar. Aus Furcht vor einer Rezession ist der Preis zuletzt auf ein Sechseinhalb-Jahres-Hoch von 1.555 Dollar gestiegen.

In unruhigen Zeiten gilt Gold immer noch als ein Hort von Beständigkeit, Wertigkeit und Sicherheit. Dies gilt umso mehr, als sich die geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken in den letzten Monaten dramatisch häuften: So hat sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter verschärft, was die gesamte Weltwirtschaft belasten wird. Hinzu kommen zahlreiche lokale Konflikte wie der für den November programmierte Brexit - womöglich ohne Deal, die anhaltende Regierungskrise des hochverschuldeten Italien oder Argentinien sowie Spannungen mit Russland, dem Iran und im Nahen Osten.

Als Vorbote einer möglichen Rezession entpuppten sich auch die jüngsten Gewinnwarnungen zahlreicher großer Unternehmen sowie der leichte Rückgang des Wirtschaftswachstums in Deutschland im zweiten Quartal. Und natürlich hat die Flucht in Gold auch damit zu tun, dass sich an den Finanzmärkten zuletzt kaum noch Geld verdienen ließ, weder mit Staatsanleihen noch mit Aktien.

Gold ist Psychologie

Allerdings hat eine Flucht in Gold stets auch viel mit Psychologie zu tun. Es ist eben etwas anderes, einen Barren oder ein paar Goldmünzen in den Händen zu halten, als ein Wertpapierdepot auf einem Computerbildschirm zu betrachten. Zudem ist das gelb schimmernde Metall nur begrenzt verfügbar und verspricht allein deshalb einen bleibenden Wert.

Tatsächlich ist die Menge dieses Edelmetalls in der Erdkruste vergleichsweise gering – auf eine Tonne Gestein kommen nur etwa vier tausendstel Gramm. Deshalb gilt Gold als besonders wertvoll und gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten als gute Wertanlage. Auch als Schutz vor Inflation wurde Gold einst angesehen.

Steigt der Goldpreis weiter?

Glaubt man Experten wie Lars-Henning Müller, Leiter des Fondsbereichs bei Merck Finck Privatbankiers, dürfte der jüngste Anstieg des Goldpreises schon bald weitergehen. "Die jüngste Rally war erst der Anfang." Der Goldmarkt stehe vor einer "nachhaltigen Neubewertung mit steigenden Preisen". Grund dafür sei vor allem die Wechselwirkung zwischen Realzinsen und Goldpreis.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 5 Jahre
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Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 5 Jahre
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Denn: Je geringer die Realzinsen (also der Nominalzins minus Inflation), desto attraktiver sei es für Anleger, in Gold zu investieren. Dabei sollten die Investoren nicht nur auf den Preis in Verbindung mit dem Dollar schauen: "Gold hat in anderen Währungen seine historischen Höchststände bereits wieder erreicht oder sogar überschritten", sagt der Anlageexperte. So hatte der Goldpreis in Euro gerechnet sich zuletzt schon bis auf neun Euro an den Höchststand in dieser Währung aus dem Oktober 2012 von 1.386,51 Euro angenähert.

Trügerischer Reiz

Doch der Reiz des Goldes ist trügerisch. Denn ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass auch der Goldpreis starken Schwankungen unterliegt. Mehr noch: Er kann ebenso heftigen Turbulenzen ausgesetzt sein wie Aktien und Anleihen. So ist der Preis für eine Feinunze von 1.921 Dollar - seinem historischen Hoch - im Jahr 2011 nur vier Jahre später auf weniger als 1.100 Dollar gefallen - ein Minus von über 40 Prozent. Im Dezember 2015 stürzte der Preis sogar auf 1.046 Dollar, bevor es wieder aufwärts ging.

Vorhersehbar sind solche Schwankungen auch für Fachleute meist nicht. So kann auch derzeit niemand mit Gewissheit sagen, wie lange der jüngste Aufwärtstrend anhalten wird. Vielleicht kostet eine Unze am Jahresende bereits 2.000 Dollar, möglich ist aber auch, dass er wieder auf 1.200 Dollar wie zu Jahresanfang - oder irgendein Wert dazwischen - fallen wird.

Währungsrisiko

Und überhaupt sollten Anleger das Währungsrisiko beim Gold nicht außer Acht lassen. Zwar wird das Edelmetall in Deutschland in Euro bezahlt. An den Märkten wird Gold jedoch in US-Dollar gehandelt. Goldkäufer, die nicht im Dollar-Raum leben, müssen deshalb mit Schwankungen rechnen.

Ein Goldbarren auf Dollarnoten

Gold. | Bildquelle: Imago

Praktisch bedeutet das: Steigt der Goldpreis in Dollar binnen eines Jahres um zehn Prozent, fällt jedoch zugleich der Dollar gegenüber dem Euro um zehn Prozent, ist der Wert einer Goldanlage für einen Anleger in der Eurozone unverändert geblieben. Fällt der Dollar stärker als der Goldpreis steigt, macht der Euro-Anleger sogar Verluste. Steigt allerdings der Goldpreis und legt zugleich der Dollar gegenüber dem Euro zu, so macht der Käufer im Euroraum einen doppelten Gewinn.

Gold bringt keine Zinsen und keine Dividende

Goldkäufer sollten auch bedenken, dass das Edelmetall keine Zinsen und keine Dividenden abwirft - im Gegensatz zu vielen Aktien- oder Bankanlagen wie Tages- oder Festgeldkonten. Auch wenn letztere derzeit extrem niedrige Erträge abwerfen.

Wer das Edelmetall als Geldanlage erwirbt, muss einzig und allein darauf vertrauen beziehungsweise darauf hoffen, dass der Preis in der Folgezeit steigt. Dieser Preisanstieg sollte zudem noch stärker ausfallen als die allgemeine Geldentwertung, also die Inflationsrate. Ansonsten macht der Goldkäufer einen Verlust.

Doch letztlich dürfte es vielen Goldkäufern egal sein, ob der Goldpreis steigt oder fällt. Sie wissen, dass sie mit Gold nicht reich werden, es geht ihnen einzig und allein darum, ihr Kapital im Fall von Währungs- und Wirtschaftskrisen vor Verlusten zu schützen.