Goldbarren

Ist da noch mehr drin? Gold in Euro so teuer wie nie

Stand: 24.04.2020, 14:10 Uhr

Der Goldpreis sprang gestern in Euro gerechnet über die Marke von 1.600 Euro, der höchste Stand aller Zeiten. Die Corona-Pandemie lässt die Investoren nach sicheren Anlage-Häfen fahnden. Einige Analysten halten noch viel höhere Preise für möglich.

Der Goldpreis hat in Euro gerechnet ein neues Rekordhoch erreicht. Erstmals überstieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) am Donnerstag die Marke von 1.600 Euro. Heute erreichte Gold bei knapp 1.613 Euro den höchsten Stand. Allein in den vergangenen vier Wochen hat sich das Edelmetall um rund zehn Prozent verteuert.

Inflationserwartungen steigen

Getrieben wird die Goldnachfrage vor allem durch die hohe Verunsicherung wegen der Corona-Pandemie. Gold gilt einigen Anlegern als Krisenschutz. Die Masse an Rettungs-, Hilfs- und Stützpaketen der Regierungen und Zentralbanken, die mittlerweile eine Höhe von vielen Billionen Dollar und Euro erreichen, lässt viele Anleger am stabilen Wert des Papiergelds zweifeln.

Hinzu kommt die sprunghaft steigende Verschuldung auf Staatsebene, die ja eine Folge der massiven Gegenmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ist. Einige Prognostiker erwarten deshalb in der mittleren oder längeren Frist eine steigende Inflation. Gold ist auch als Inflationsschutz beliebt.

Ansturm auf die Goldhändler

Schon seit Woche decken sich die Deutschen daher mit Gold ein. Im März hat das Handelshaus Pro Aurum 6,2 Tonnen Barren und Münzen verkauft - vier mal so viel wie im Vorjahresmonat. "Im April zeichnet sich fast auf die Unze genau die gleiche Tonnage ab", sagte ein Sprecher. Zeitweise war die Zahl der Orders im Online-Shop auf 500 am Tag. begrenzt worden Seit ein paar Tagen habe sich die Lage beruhigt, sagte der Sprecher. Dazu trage bei, dass Filialen wieder geöffnet wurden.

Beim Anbieter Degussa Goldhandel verfünffachten sich nach Unternehmensangaben zeitweise die Orders. "Die Nachfrage von privaten Anlegern nach physischem Gold in Form von Barren und Münzen ist seit dem Ausbruch des Coronavirus noch einmal enorm gestiegen", sagte Degussa-Volkswirt Thorsten Polleit.

"Die Fed kann kein Gold drucken"

In US-Dollar kostet Gold derzeit rund 1.730 Dollar. Der Rekordstand von 1.900 Dollar, erreicht im Jahr 2011, ist noch ein gutes Stück entfernt. Da Gold in Dollar gehandelt wird, spielt immer auch der Wechselkurs Euro/Dollar beim Preis eine Rolle. Wertet beispielsweise der Dollar auf, wird das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA teurer.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Aber auch für US-Investoren wird Gold nach Ansicht der Analysten der Bank of America richtig teuer. In einer aktuellen Studie prognostizieren sie, dass Gold in 18 Monaten auf einen Preis von 3.000 Dollar steigen wird. Damit erhöhen sie ihr ursprüngliches Kursziel deutlich, das zuvor bei 2.000 Dollar gelegen hatte.

Auch sie begründen ihre Annahme mit den Gegenmaßnahmen der Staaten und Zentralbanken: Investoren würden sich nach Gold verzehren.

ts