Goldbarren und Euroscheine

Sicherer Hafen aus der Mode Gold hat einen Ruf zu verlieren

Stand: 01.08.2018, 15:23 Uhr

Geldflut durch Notenbanken, Dauerniedrigzinsen und politische und ökonomische Krisenszenarien - na und? Der Goldpreis kommt im laufenden Jahr doch nicht vom Fleck. Die Preisdürre hat viele mögliche Gründe, Hoffnungen leben aber weiter.

Mit derzeit 1.220 Dollar je Feinunze knabbert der Preis für das Edelmetall am Mittwoch an einem neuen Jahrestief. Das Jahreshoch im Januar wurde bei rund 1.350 Dollar markiert, bei etwa zehn Prozent liegt der Preisverfall seitdem. In Euro gerechnet sieht das Bild mit derzeit 1.046 Euro nicht besser aus. Im Langzeitchart kippt hier der Chart sogar noch deutlicher.

Sicherer Hafen, wo?

Seine Rolle als Krisenwährung hat Gold im laufenden Jahr nicht recht ausgefüllt. Trotz diverser Anlässe wie der expansiven Notenbank-Politik, dem weiter schwelenden Handelsstreit oder zwischenzeitlich wackeligen Aktienmärkten. Ein sicherer Hafen in vermeintlich unsicheren Zeiten sieht anders aus.

Eine Reihe von Faktoren sehen Experten als Gründe dafür an, obwohl inzwischen auch die Fachleute, wie etwa kürzlich die der Commerzbank, von einem "immer größer werdenden Rätsel" sprechen. Der Markt selbst hat in den vergangenen Monaten deutlichen Druck auf die Gold-Notierungen ausgeübt. Das geschah etwa durch Short-Verkäufe am Terminmarkt, mit denen die Profis selbst auf weiter fallende Goldpreise setzen. Oder aber durch massive Abflüsse, mit denen Anleger sich aus Gold-Indexfonds (ETF) zurückziehen. Auch sie reagieren damit auf eine enttäuschende Performance während der vergangenen Monate und Jahre.

Zinslandschaft im Wandel

Ein zweiter wichtiger Faktor für die matte Goldpreis-Entwicklung dürfte in der sich langsam verändernden Zinslandschaft liegen. Die US-Notenbank Fed befindet bereits sich in einem Zinserhöhungszyklus, das treibt die Renditen für festverzinsliche US-Papiere – und macht diese somit für Anleger attraktiver. In den USA ist zudem das Realzins-Niveau inzwischen positiv - festverzinsliche Anlagen ab zwei Jahren werfen bereits mehr Zinsen ab, als die Inflation wegknapst. Gold aber, hier dürfte für konservative Anleger ein Pferdefuß liegen, wirft nun einmal keine Zinsen ab. Und gegenüber der Aktienanlage fehlen auch Dividenden als wiederkehrende Erträge.

Große Gold-Käufer wie Notenbanken machten in den vergangenen Monaten ebenfalls einen Bogen um das gelbe Edelmetall. Die türkische Notenbank reduzierte sogar ihre Bestände, um den Kurs der Landeswährung Lira zu stabilisieren. Und China und Indien beschränkten zuletzt ihre Einfuhren von Gold.

Bitcoin statt Gold?

Nicht zuletzt haben einige "Gegner" des bestehenden Finanzsystems eine weitere Anlageoption gefunden: Nicht wenige von einer Krise des bestehenden Geldsystems überzeugte Investoren haben sich in Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum engagiert, Mittel, die zumindest zum Teil dem Goldmarkt entzogen wurden.

Die Hoffnungen für Goldanhänger liegen einerseits in der Möglichkeit, dass sich politische Krisen verschärfen. Dazu gehören der Handelsstreit zwischen den USA und China, aber auch der Konflikt mit dem Iran. Analysten wie die von der Commerzbank, aber auch der Schweizer UBS trauen Gold dann bis zum Jahresende Notierungen deutlich über der Marke von 1.300 Dollar zu. Und auch die Saisonalität könnte den Goldpreis wieder stimulieren, sollte er denn einmal einen Boden gefunden haben. Traditionell steigt die "physische" Nachfrage nach Gold im Spätsommer und Herbst wieder.

Chart Gold saisonal 30 Jahre

Gold saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: Seasonal Charts Dimitri Speck, Grafik: boerse.ARD.de

AB