Gestapelte Goldbarren

Feinunze fällt unter 1.300 Dollar Gold fast auf Jahrestief

Stand: 12.06.2018, 17:14 Uhr

Für Gold-Fans gibt's derzeit wenig Grund zur Freude. Das gelbe Edelmetall kostet momentan weniger als 1.300 Dollar. Denn in den USA steigen die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen. Lohnt sich Gold noch?

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"Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles!"- Von wegen! Der Lockruf des Goldes ist vorerst verflogen – in Dollar zumindest. Seit Wochen stagniert der Preis für das gelbe Edelmetall und pendelt um die 1.300 Dollar. Mitte Mai wurde mit 1.290 Dollar ein Jahrestief markiert. Am Dienstag kostet eine Feinunze des gelben Edelmetalls kaum mehr, nämlich 1.298 Dollar je Feinunze. Im Januar war der Goldpreis noch bis auf 1.366 Dollar gestiegen.

Zwar sind seither die geopolitischen Störfeuer nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: US-Präsident Donald Trump hat inzwischen den Handelskrieg mit Europa und anderen Ländern begonnen. In Italien hat die erste populistische Regierung die Macht ergriffen. Und im Nahen Osten bleibt die Lage explosiv.

Steigende Zinsen in den USA drücken den Goldpreis

Doch etwas hat sich geändert: die Zins-Entwicklung. Die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen hat die Marke von drei Prozent überschritten und den höchsten Stand seit 2011 erreicht. Damit verliert das zinslose Gold zunehmend an Attraktivität gegenüber festverzinslichen Wertpapieren.

Robert Rethfeld von "Wellenreiter Invest" sieht eine klare Korrelation zwischen Goldpreis und Realzinsen. Da die Zinsen inzwischen höher sind als die Inflationsrate, ist die Realrendite in den USA ab zwei Jahren positiv. Bei zehnjährigen Papieren liegt sie bei 0,6 Prozent. "Eine stärkere Rendite relativ zur Inflationsrate setzt den Goldpreis unter Druck", weiß Rethfeld.

Gold und Realzins USA

Gold und Realzins USA. | Bildquelle: Wellenreiter-Invest, Grafik: boerse.ARD.de

Sollten die Renditen zehnjähriger Anleihen weiter steigen, dürfte es der Goldpreis einen schweren Stand haben. Eine Rendite von 3,5 Prozent würde jegliche Hoffnung auf einen Goldpreis-Anstieg zunichte machen, glaubt der Wellenreiter-Experte.

Auch der Dollar ist schuld

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Ein zweiter Grund für die Gold-Schwäche ist die Dollar-Stärke. Der Greenback hat seit Jahresbeginn knapp zwei Prozent zugelegt. Steigt der Dollar, wird Gold außerhalb des Dollar-Raums teurer. Das dämpft die Nachfrage nach dem gelben Edelmetall.

Zusätzlich verstärkt wurde der Verkaufsdruck durch charttechnische Faktoren. Wichtige charttechnische Marken wie die 200-Tage-Linie von 1.307 Dollar und die psychologisch wichtige Barriere von 1.300 Dollar wurden durchbrochen, erklärt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Trotzdem bleibt der Experte relativ optimistisch gestimmt für Gold. Er rechnet wegen der anziehenden Inflation mit einem Preisanstieg auf 1.350 Dollar bis Jahresende.

Goldpreis in Euro auf Zehn-Monats-Hoch

In Euro gerechnet hat sich Gold sogar leicht verteuert. Seit Jahresbeginn hat das gelbe Edelmetall rund 1,5 Prozent gewonnen. Mit 1.125 Euro je Feinunze wurde im Mai zeitweise gar der höchste Stand seit dem Sommer 2017 erreicht.

Commerzbank-Rohstoff-Analyst Weinberg glaubt, dass Gold weiter Potenzial nach oben hat. Das Edelmetall werde Richtung 1.200 Dollar steigen, prophezeite er Anfang April.

Goldman Sachs prophezeit Preisanstieg auf 1.450 Dollar

Noch optimistischer äußert sich Goldman Sachs. Die US-Investmentbank hat im Februar ihre Gold-Prognose für die nächsten zwölf Monate von 1.235 auf 1.450 Dollar angehoben. Sie begründet dies mit der stärker erwarteten Nachfrage nach physischem Gold in traditionellen Gold-Ländern wie Indien und China. Damit sind die eher als "Gold-Bären" bekannten "Goldmänner" zuversichtlicher als die Helaba. Diese sieht den Goldpreis bis Jahresende bei 1.420 Dollar je Feinunze. Andere Fachleute sind skeptischer. Der Konflikt zwischen Gold-Bullen und Gold-Bären hält an.

nb