Ein Goldbarren auf Dollarnoten
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Zusätzliches Kurspotenzial Gold: Die 1.700 Dollar sind jetzt das Ziel

von Angela Göpfert

Stand: 25.06.2019, 11:22 Uhr

Der Goldpreis ist erfolgreich nach oben ausgebrochen. Doch das neue Sechs-Jahres-Hoch ist womöglich erst der Anfang einer nachhaltigen Gold-Rally. Die Gold-Bullen haben viele gute Argumente auf ihrer Seite.

Gold-Fans haben wahrlich harte Zeiten hinter sich: Fast sechs Jahre lang dümpelte der Goldpreis in einer engen Bandbreite von 200 Dollar vor sich hin. Mehrfach scheiterte er daran, die Schwelle von 1.370 Dollar zu überwinden. Und dann ging es auf einmal ganz schnell: Am vergangenen Freitag brach der Goldpreis nach oben aus. Bis auf 1.411 Dollar ging es aufwärts.

300 Dollar Anschlusspotenzial

Am Dienstag kann der Goldpreis noch eins draufsetzen: Bei 1.439 Dollar liegt nun das neue Sechs-Jahres-Hoch. Technische Analysten sehen jetzt noch weiteres Kurspotenzial für das gelbe Edelmetall.

Mit dem Ausbruch über den "ultimativen Deckel" bei 1.370 Dollar hat der Goldpreis eine multiple Schulter-Kopf-Schulter-Formation vervollständigt, unterstreicht etwa Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, in einer aktuellen Analyse. Das kalkulatorische Anschlusspotenzial betrage rund 300 Dollar. Bei 1.921 Dollar liegt übrigens das historische Hoch.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 5 Jahre
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Die beste aller Gold-Welten

Tatsächlich spricht derzeit auch aus fundamentaler Perspektive viel für einen weiter steigenden Goldpreis. Haupttreiber ist die US-Notenbank Fed. Sie hat auf ihrer jüngsten Sitzung Senkungen des Leitzinses in Aussicht gestellt. Das drückte die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen zeitweise unter die Marke von 2,00 Prozent. Zugleich dürfte diese expansive Geldpolitik die Inflation verstärken.

Fallende Renditen und steigende Inflationsraten – das ist ein Umfeld, in dem sich der Goldpreis besonders wohlfühlt, in dem er gedeiht und wächst. Ein fallender Realzins (Nominalzins abzüglich der Inflationsrate) – das ist wirklich die beste aller Gold-Welten. Denn Gold selbst wirft keine regelmäßigen Erträge wie Zinsen oder Dividenden ab.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Trägt eine gehörige Portion Mitschuld am steigenden Goldpreis: Fed-Chef Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Fallender Dollar beflügelt Nachfrage

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
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Die Fed-Politik hat aber auch Auswirkungen auf den Devisenmarkt: Die Aussicht auf fallende Zinsen im US-Dollar-Raum schwächt naturgemäß den Greenback. Im Gegenzug hat der Euro/Dollar bereits seit Ende Mai deutliche Kursgewinne einfahren können.

Ein fallender Dollar kommt ebenfalls dem Goldpreis zugute, notiert das gelbe Edelmetall doch in Dollar. Fällt der Dollar, fällt auch der Goldpreis für Käufer außerhalb des Dollar-Raums – das stärkt wiederum die Nachfrage.

Ein "sicherer Hafen" in einer unsicheren Welt?

Auch die vielfältigen geo- und handelspolitischen Spannungen sprechen für Gold, dem das Image eines "sicheren Hafens" anhaftet. Der Handelskrieg der USA mit China zerrt schon seit Monaten an den Nerven der Investoren.

Zuletzt kam der Iran als Sorgenkind dazu, drohen die USA doch, neue Sanktionen gegen das ölreiche Land zu erlassen. Die Märkte fürchten eine militärische Eskalation des Konflikts.

Trump geht

Unsicherheitsfaktor Trump . | Bildquelle: Imago

Stimmung für Gold fast schon zu gut

Gegenwind könnte dem Goldpreis allerdings künftig vom Terminmarkt drohen: So stieg die Netto-Spekulation in Gold jüngst stieg auf 204.000 Kontrakte. "Sie befindet sich noch nicht an einem oberen Extrem, geht aber in diese Richtung", so Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest".

Mit anderen Worten: Die Terminmarktakteure spekulieren zunehmend im großen Stil auf weiter steigende Goldkurse. Die Stimmung für Gold wird allmählich zu gut, sie wird ein Kontraindikator. Denn wenn alle schon Gold (oder Terminkontrakte auf Gold) gekauft haben, wo sollen dann noch neue Käufer herkommen?!

Neben dem Terminmarkt könnte dem Goldpreis auch die Politik einen Strich durch die Rechnung machen: Ein Durchbruch auf dem G20-Gipfel, womöglich ein Handelsabkommen zwischen den USA und China, oder eine Lösung des Irankonflikts – das würde diese (Wirtschafts-)Welt ein Stück weit sicherer machen und den Goldpreis drücken. Nur, wie realistisch ist das?