Mehrere Reihen Goldbarren

Imageprobleme eines Edelmetalls Gold als sicherer Hafen? Von wegen!

von Angela Göpfert

Stand: 26.06.2018, 10:18 Uhr

Der Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt eskaliert, die Aktienmärkte straucheln – doch der Goldpreis kann davon nicht profitieren. Woran liegt's?

Am Montag ist der Dax um 2,5 Prozent eingebrochen, der Dow Jones Index verlor 1,3 Prozent, der Nasdaq 100 2,2 Prozent. Für gewöhnlich wäre das ein Traum-Tag für Goldanleger gewesen.

Starke Imageprobleme

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
1.214,74
Differenz relativ
+0,12%

Schließlich eilt Gold ein Ruf als "Krisenwährung", als "sicherer Hafen" voraus. Doch diesem Ruf wird Gold immer weniger gerecht.

Das laufende Börsenjahr 2018 hat ordentlich an dem Image des gelben Edelmetalls gerüttelt, der Goldpreis notiert aktuell trotz einer steigenden Risikoaversion der Anleger in Nähe seines Jahrestiefs von 1.260,74 Dollar. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus auf 4,7 Prozent.

Druck vom Terminmarkt

Ein wesentlicher Auslöser für den jüngsten Rutsch des Goldpreises dürften die Short Seller am Terminmarkt gewesen sein. Diese hatten ihre Short-Positionen zuletzt deutlich erhöht. Zugleich war das Open Interest, die Anzahl offener Kontrakte, signifikant gestiegen.

Ein fallender Goldpreis bei gleichzeitig steigendem Open Interest ist ein deutliches Zeichen von Marktschwäche. Denn dann müssen ausstiegswillige Long-Trader ihre Preisvorstellungen (Verkaufspreis) herabsetzen, um Short Seller zur Glattstellung/Aufgabe ihrer Position zu animieren.

Steigende Realzinsen

Auf der Suche nach weiteren Erklärungen für die absonderliche Schwäche des Goldpreises stößt man auch auf das veränderte Zinsumfeld in den USA: Die US-Notenbank Fed befindet sich in einem Zinserhöhungszyklus, das treibt die Renditen für festverzinsliche US-Papiere – und macht diese somit für Anleger attraktiver.

Für den Goldmarkt sind das wiederum schlechte Nachrichten. Denn Gold wirft bekanntlich keine Zinsen ab.

  • Da die Zinsen inzwischen höher sind als die Inflationsrate, ist die Realrendite in den USA ab zwei Jahren positiv. "Eine stärkere Rendite relativ zur Inflationsrate setzt den Goldpreis unter Druck", weiß Marktexperte Robert Rethfeld von" Wellenreiter-Invest".

Gold und Realzins USA

Gold und Realzins USA. | Bildquelle: Wellenreiter-Invest, Grafik: boerse.ARD.de

Miese Charttechnik und Saisonalität

Hinzu kommt: Auch die Charttechnik hat sich zuletzt arg eingetrübt. Seit der Ausbildung eines Doppel-Tops im Januar/April bei 1.366,06/1.365,70 Dollar befindet sich Gold in einem intakten Abwärtstrend.

Chart Gold saisonal 30 Jahre

Im weiteren Jahresverlauf steigen die statistischen Chancen für steigende Goldnotierungen. | Bildquelle: Seasonal Charts Dimitri Speck, Grafik: boerse.ARD.de

Auch unter statistischen Gesichtspunkten befindet sich Gold in einer schwierigen Phase, erst ab dem Spätsommer/Herbst ist wieder mit saisonalem Rückenwind zu rechnen.

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Krugerrand

Die Nummer 1: Der Krügerrand
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