Ölbohrturm in der Dämmerung
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Wegen neuer Sanktionen gegen Iran Geht der Ölpreis jetzt durch die Decke?

Stand: 09.05.2018, 08:31 Uhr

Der Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran bleibt nicht ohne Folgen für den Ölmarkt. Weil sich das Angebot dadurch weiter verknappen dürfte, sind die Ölpreise gestiegen. Was kommt da auf uns zu?

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete am Morgen 76,70 US-Dollar. Das waren 1,85 Dollar mehr als am Vortag. Am Dienstagabend waren die Ölpreise allerdings ohne ersichtlichen Grund deutlich gesunken. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni kletterte um 1,60 Dollar auf 70,66 Dollar. Die Ölpreise sind damit wieder auf dem höchsten Niveau seit 2014, das sie bereits zu Wochenbeginn erreicht hatten.

Die USA hatten sich am Vorabend aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurückgezogen und neue Sanktionen gegen das Land angekündigt. "Wir werden die höchste Stufe von Wirtschaftssanktionen einführen", erklärte Präsident Donald Trump. Die Europäische Union hält Trumps Entscheidung für gefährlich für die Lage im Nahen Osten und will die Sanktionen ausgesetzt lassen.

Iran drittgrößter Exporteur der Opec

Schwarzes Ölfass und Dollarzeichen

Der Teilausfall des Iran spannt den Ölmarkt an. | Bildquelle: picture alliance/chromorange

Die Aufkündigung des Atomabkommens dürfte weitreichende Folgen für den Ölmarkt haben. Schon jetzt gilt das Angebot als knapp. Das liegt zum einen an einer seit Anfang 2017 geltenden Fördergrenze der Opec. Zum anderen ist die Förderung in dem ölreichen Krisenstaat Venezuela eingebrochen. Hinzu kommt eine solide wachsende Weltwirtschaft, die für eine steigende Nachfrage nach Erdöl sorgt.

Der Iran ist der drittgrößte Exporteur der Gemeinschaft erdölexportierender Länder (Opec) nach Saudi-Arabien und dem Irak. Die tägliche Fördermenge von rund 3,8 Millionen Barrel (159 Liter) entspricht knapp vier Prozent der weltweiten Ölförderung. Die wichtigsten Abnehmerländer für iranisches Öl sind China, Indien, Japan und Südkorea.

Markt dürfte sich anspannen

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Was bedeutet Trumps Entscheidung?

Analysten der ANZ-Bank erklärten, dass mit Trumps Entscheidung "ein Szenario eintritt, bei dem der Markt für Rohöl sich im zweiten Halbjahr 2018 erheblich anspannt". "Es gibt die Befürchtung, dass die iranischen Ölexporte um etwa eine Million Barrel pro Tag gegenüber dem jetzigen Niveau fallen könnten", sagte Tomomichi Akuta, von Mitsubishi UFJ Research in Tokio.

Experten weisen allerdings darauf hin, dass Saudi-Arabien und Russland eigentlich kein Interesse daran haben können, den Ölpreis zu stark steigen zu lassen, besteht dadurch doch die Gefahr, die derzeit starke Weltkonjunktur abzuwürgen - was die Preise wieder unter Druck setzen wird.

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Saudi-Arabien will Förderung erhöhen

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ARD-Börse: Reaktionen auf Trump

Tatsächlich hat Saudi-Arabien am Morgen eine Anhebung der Produktion angekündigt. "Saudi-Arabien fühlt sich der Unterstützung stabiler Öl-Märkte zum Wohle von Produzenten und Verbrauchern sowie der Nachhaltigkeit des weltweiten Wachstums nach der Entscheidung verpflichtet", erklärte ein Vertreter des saudischen Energieministeriums nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur SPA. Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, werde man mit den großen Produzenten und Verbrauchern innerhalb und außerhalb der Opec sprechen, kündigte er an.

Die Experten der Investmentbank Goldman Sachs sehen den Ölpreis deshalb nur moderat ansteigen. Bis zum Sommer könnte ein Barrel (Fass mit 159 Litern) der Nordseesorte Brent dann 82,50 Dollar kosten. Dass der Anstieg der texanischen Sorte WTI etwas langsamer verläuft, sei der frenetischen Schieferölproduktion (Fracking) in den USA zu verdanken.

lg