Luftaufnahme der brennenden saudischen Raffinerie

Rutscht der Ölpreis weiter ab? Euro-Schock statt Ölpreis-Schock

von Thomas Spinnler

Stand: 10.10.2019, 12:46 Uhr

Von wegen Ölpreis-Schock: Der rasante Anstieg der Ölpreise nach den Attacken auf die Raffinerien in Saudi-Arabien ist längst verdaut. Im Moment zeigt die Tendenz am Ölmarkt nach unten – aber so richtig davon profitieren können die Verbraucher wohl eher nicht.

Nach der Attacke auf die Raffinerien in Saudi-Arabien war der Ölpreis kurzfristig nach oben geschossen. Das Land ist der weltgrößte Exporteur von Öl. Angesichts der Bemühungen, den Betrieb rasch wieder aufzunehmen, ist der Preis ebenso schnell wieder gefallen, wie der Blick auf den Chart zeigt. Tatsächlich ist Öl der Sorte WTI jetzt billiger als zuvor.

Vor dem Börsengang von Saudi Aramco war man natürlich daran interessiert, zu demonstrieren, dass die Lage schnell wieder im Griff ist. Der Angriff habe keinerlei Auswirkungen auf den geplanten Börsengang, erzählte Vorstandschef Amin Nasser dem US-Sender CNBC. Inzwischen habe das Land seine Erdölproduktion wieder weitgehend hergestellt, wie ein leitender Angestellter des staatlichen Ölkonzerns unlängst mitteilte.

Drohnenangriff in Saudi-Arabien

Drohnenangriff in Saudi-Arabien. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Validated UGC

Was hat Trump mit dem Ölpreis zu tun?

Das aktuell brennendste Thema am Ölmarkt ist aber seit längerem schon die Nachfragesituation. Sie scheint Experten zufolge derzeit das Aufwärtspotenzial des Preises deutlich zu begrenzen. Hintergrund sind die Konjunktursorgen, die nicht zuletzt auf die Spannungen zwischen China und den USA zurückzuführen sind. Natürlich hängt die Welt immer noch am Öl, aber der Handelskonflikt bremst die globale Wirtschaft.

Die abflauende Weltwirtschaft sorgt wiederum für eine schwächere Nachfrage auf dem Weltmarkt. Analysten der US-Bank Citigroup gehen laut einer jüngsten Studie davon aus, dass der Konflikt das Wachstum der globalen Nachfrage nach Rohöl bereits halbiert hat.

Giovanni Staunovo, Ölmarktexperte bei der UBS bringt es auf den Punkt: "Die wachsende Furcht vor einer globalen Rezession kappt die Gewinnaussichten beim Ölpreis." Der Marktfokus bleibe auf den Handelsspannungen und der Sorge um sinkende Nachfrage. Geopolitische Spannungen, die ja zuletzt häufiger die Nachrichten bestimmt haben, träten dagegen in den Hintergrund.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
54,43
Differenz relativ
+2,10%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
60,14
Differenz relativ
+2,17%

"Verworrene Nachrichtenlage"

Kein Wunder also, dass die Marktakteure den Dialog zwischen China und den USA gespannt beobachten: "Bei einem Scheitern der Gespräche droht dem Ölpreis ein weiterer Preisrutsch, weil dann die Nachfragesorgen vor allem mit Blick auf das kommende Jahr noch einmal deutlich zunehmen würden", kommentiert Daniel Briesemann, Fachmann bei der Commerzbank. Dazu passe, dass der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, wiederholt vor einer weiteren Abwärtsrevision der Nachfrageprognose gewarnt hat.

Donald Trump und Xi Jinping

Donald Trump und Xi Jinping. | Bildquelle: picture alliance/Susan Walsh/AP/dpa

Die Erfahrung der vergangenen Monate zeigt, dass sich die Gespräche lange hinziehen können. "Die Nachrichtenlage ist derart verworren, dass eine Vorhersage für den Ausgang der Gespräche nicht möglich ist", schreibt Commerzbank-Experte Carsten Fritsch. Mit einer schnellen Lösung des Konflikts sollte man lieber nicht rechnen, sodass die Sorgen vor einem weiteren Abflauen der Weltkonjunktur wohl erhalten bleiben. 

Negative Deviseneffekte belasten  

Aktuell spricht auch die Saisonalität für einen sinkenden Ölpreis. Ein Blick auf den Chart zeigt, dass ab Oktober die Notierungen tendenziell sinken, weil sich die Marktakteure bereits zuvor mit dem Rohstoff eindecken. Natürlich kann diese Tendenz durch aktuelle politische oder wirtschaftliche Entwicklungen gebrochen werden, aber ein tauglicher Indikator ist die Saisonalität allemal.

Rohöl saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: Seasonalcharts, Dimitri Speck

Profitiert der Verbraucher von den sinkenden Notierungen? In den vergangenen Wochen gaben Benzin- und Heizölpreis tatsächlich leicht nach. Es gibt aber einen wesentlichen Faktor, der den Heizöl- und Benzinpreis hierzulande mitbestimmt: Der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar.

Öl wird auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt. Deshalb wirkt sich der seit langem schon sinkende Euro negativ auf den Preis aus. So hat die Gemeinschaftswährung jüngst gegenüber dem Dollar ein Zwei-Jahres-Tief markiert. Das macht Heizöl und Spritkäufe im Euroraum teurer.

Was wird die Opec tun?

Die Opec, die naturgemäß an einem möglichst hohen Ölpreis interessiert ist, könnte auf die sinkenden Notierungen außerdem mit weiteren Produktionskürzungen reagieren, um das Angebot zu verknappen – darüber wird längst nachgedacht. Das Produktionsniveau ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg im September auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen.

Opec-Produktion 2009 bis September 2019

Opec-Produktion. | Grafik: boerse.ARD.de

Das mag zwar ein Ausreißer aufgrund des Vorfalls in Saudi-Arabien gewesen sein, aber die Tendenz der vergangenen Monate ist gleichwohl klar erkennbar: Es wird weniger Öl produziert, um den Preis zu stützen.