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Ölpreise 2019 Entwarnung von der Öl-Front

von Angela Göpfert

Stand: 18.01.2019, 06:45 Uhr

Autofahrer können aufatmen. Nach dem Absturz der Ölpreise im vergangenen Jahr rechnen Experten für 2019 nicht mit einer neuen Preisrally. Zu "verdanken" haben wir dies in erster Linie einem ebenso mächtigen wie umstrittenen Politiker.

Das Jahr 2018 war für Autofahrer, Heizölverbraucher, Luftfahrtgesellschaften und Öl-Scheichs alles andere als langweilig. Die Ölpreise schlugen wilde Kapriolen. Wann es hoch und wann es bergab ging - das hing allerdings maßgeblich von einem Mann ab: Donald Trump.  

So führte die Entscheidung des US-Präsidenten, rigorose Sanktionen gegen den Iran zu verhängen, zunächst zu stark steigenden Ölpreisen. Anfang Oktober erreichte die globale Benchmark, die Nordseesorte Brent, bei 86,74 Dollar pro Barrel sogar ein Vierjahreshoch.  

Erster Jahresverlust seit 2015

Als der US-Präsident jedoch plötzlich im Vorfeld der US-Kongresswahlen großzügige Ausnahmen von den Iran-Sanktionen gewährte, stürzten die Ölpreise dramatisch ab. Binnen weniger Wochen brach Brent um fast 40 Prozent ein - es war einer der heftigsten Ausverkäufe am Ölmarkt der vergangenen Jahrzehnte.  

Unterm Strich stand für das Gesamtjahr schließlich ein Minus von mehr als 20 Prozent - der erste Jahresverlust seit 2015.  

Ölpreis Brent in Dollar, August 2018 bis Januar 2019

Der Ölpreis ist im vierten Quartal mächtig unter die Räder geraten. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Ölpreise im Würgegriff der Geopolitik

Auch 2019 dürfte die Geopolitik des amerikanischen Präsidenten den Ölmarkt maßgeblich beeinflussen. Experten rechnen damit, dass der Handelskrieg mit China zu einer deutlichen Verlangsamung der Weltwirtschaft führen wird.  

Das würde wiederum die Nachfrage nach dem Schmierstoff der Weltwirtschaft dämpfen. Ein Einbruch der Konjunktur in China, dem größten Ölimporteur der Welt, könnte den Ölpreis im laufenden Jahr unter Druck setzen, warnt etwa ING-Rohstoffexperte Warren Patterson.  

Fördern, was das Zeug hält

Einer aller Voraussicht nach zumindest leicht rückläufigen Nachfrage nach Öl steht ein stark steigendes Angebot gegenüber. Dem Ölmarkt droht 2019 eine Überversorgung.  

Auch daran trägt US-Präsident Trump eine Mitschuld. Schließlich war er es, der im eigenen Land die regulatorischen Voraussetzungen schuf, dass die US-Schieferölindustrie fördern kann, was das Zeug hält. 

Fracking in Pennsylvania

Fracking in Pennsylvania. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die neue Öl-Supermacht

Das Ergebnis: Dank des Fracking-Booms stiegen die USA 2018 zum weltweit größten Ölproduzenten auf - noch vor Saudi-Arabien und Russland. Experten rechnen damit, dass die Produktion in den USA in den kommenden Monaten erst so richtig an Fahrt gewinnen dürfte, nachdem einige Bohrunternehmen als Reaktion auf die gestiegenen Ölpreise ihre Investitionen 2018 erhöht haben.  

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet mit einem Anstieg der US-Rohölproduktion im laufenden Jahr auf durchschnittlich 12,06 Millionen Barrel pro Tag - das sind 1,18 Millionen Barrel pro Tag mehr als noch 2018.  

Experten kürzen Ölpreis-Prognosen

Erdölplattform

Rohstoff-Anlysten werden skeptischer. | Bildquelle: colourbox.de

Angesichts des Fracking-Booms in den USA hat Goldman Sachs bereits seine Ölpreis-Prognose für 2019 drastisch gekürzt: Für die Nordseesorte Brent rechnen die Rohstoff-Experten der US-Investmentbank nur noch mit einem Preis von durchschnittlich 62,50 Dollar je Barrel. Zuvor waren sie von 70 Dollar ausgegangen.  

Auch die IEA hat ihre Prognose gekürzt auf 60 Dollar zum Ende des ersten Halbjahres 2019. Im Schnitt sehen Ökonomen einen Brent-Preis von 65 Dollar im laufenden Jahr.  

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,52
Differenz relativ
+0,56%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,69
Differenz relativ
+0,60%

OPEC als Zünglein an der Waage

Doch nicht nur ein stärkeres Produktionswachstum in den USA, sondern auch eine Nichteinhaltung der erst im Dezember beschlossenen Förderkürzungen durch die OPEC-Mitglieder könnte dazu führen, dass die Fördermengen über den Erwartungen liegen. Das würde das Überangebot im ersten Halbjahr 2019 weiter vergrößern.  

Das nächste offizielle OPEC-Treffen am 17./18. April dürfte daher die weitere Entwicklung am Ölmarkt maßgeblich beeinflussen. Dort soll über eine mögliche Verlängerung der Produktionskürzungen entschieden werden. Gleichzeitig laufen die Ausnahmegenehmigungen für die iranischen Öl-Exporte aus.  

Opec-Teilnehmer schemenhaft auf einem abgedunkelten Podium in blauem Licht

Für Gesprächsstoff auf dem nächsten OPEC-Treffen ist gesorgt. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Unsicherheitsfaktoren en masse

Für Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, bleibt die Produktionsseite ein Politikum, das verschärft die Prognoseunsicherheit.  

Tatsächlich sind viele Szenarien denkbar: Drückt Trump beim Iran doch noch mal ein Auge zu? Hält sich Russland an die Opec-Absprachen? Übertrifft das US-Angebot mal wieder alle Schätzungen der Experten?  

Kaum Luft nach oben?

Anleger wie Autofahrer sollten zwar bereits an starke Schwankungen beim Ölpreis gewöhnt sein, doch 2019 könnte die Volatilität am Ölmarkt nochmals zulegen.  

Immerhin: Das Grundniveau dürfte künftig nicht dramatisch hoch sein - und das womöglich nicht nur im laufenden Jahr. Laut einer aktuellen Reuters-Umfrage rechnen Ökonomen bis in das Jahr 2023 hinein mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 65 bis 70 Dollar.  

Das ist zwar mehr als die durchschnittlichen 53 Dollar je Barrel der vergangenen vier Jahre - aber auch deutlich weniger als die 105 Dollar je Barrel, die in den Jahren 2011 bis 2014 im Schnitt am Markt gezahlt wurden.