Erdöl 2017

Ausblick 2017 Erdöl

Das Ölangebot dürfte steigen - trotz Opec Das Comeback des Fracking

Stand: 20.12.2016, 15:38 Uhr

Während die US-Frackingindustrie wieder ein machtvoller Faktor auf dem Ölmarkt werden könnte, scheint die Opec ihre besten Tage hinter sich zu haben. Das hat Folgen für den Angebot. Bleibt der Ölpreis dauerhaft niedrig?

Da der Ölpreis letztlich auch ein politischer Preis ist, wie man zuletzt wieder im Zusammenhang mit der vereinbarten Opec-Förderkürzung beobachten konnte, sind Prognosen entsprechend schwierig. Die Länder des Ölförderkartells hatten sich kurz vor Ende dieses Jahres mit anderen Förderländern zusammengetan, um Kürzungen bei der Ölförderung zu vereinbaren.

"Wenn die Opec zügig ihre Produktionsziele umsetzen sollte und die übrigen Förderländer wie angekündigt an der Kürzung teilnehmen werden, wird sich der Ölmarkt in der ersten Hälfte 2017 in ein Angebots-Defizit bewegen", prognostizierte die Internationale Energieagentur IEA. Damit würde das seit längerer Zeit vorherrschende Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt der Vergangenheit angehören. Die Folge wären steigende Preise.

Zusätzliches Angebot belastet die Preise  

Jan Edelmann, Ölanalyst der HSH Nordbank, ist allerdings der Ansicht, man solle das Abkommen und seinen Einfluss auf die Preise nicht überbewerten. Edelmann geht davon aus, dass die US-Ölindustrie mit ihren Fracking-Anlagen ihre Förderung ausweitet und damit die Opec und ihre Verbündeten auskontert.

Donald Trump blickt skeptisch

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / newscom

Der neue US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, die heimische Fracking-Industrie zu unterstützen. Die Branche hofft zurzeit auf eine großzügigere Genehmigungspraxis, staatliche Förderungen und sinkende Umweltvorschriften. Außerdem sind die Kosten für die Produktion mittels Fracking-Methode gesunken, sodass auch ein niedrigerer Ölpreis für die US-Unternehmen bereits rentabel ist - unabhängig davon, was Trump tut oder lässt.

Die Fachleute von Roland Berger haben in einer aktuellen Studie ausgerechnet, dass die Fracking-Unternehmen ihre Profitabilität durch die Modernisierung ihrer Anlagen und eine effizientere Förderung deutlich verbessert haben. Die Kosten pro Barrel hätten sich von knapp 100 Dollar im Jahr 2009 auf gut 50 Dollar in diesem Jahr halbiert, schreiben sie. Damit bleibe Fracking auch in Zeiten niedriger Ölpreise weiterhin profitabel und damit attraktiv, so ihre Einschätzung.

Fracking

Fracking in Pennsylvania

Mit Fracking gewinnt man Ergas und -öl aus Gestein. Dabei pressen Ingenieure ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden. Die Gesteinsschichten werden so aufgebrochen und können an die Erdoberfläche gepumpt werden. Ein Teil der Chemikalien gelangt mit nach oben und muss dann entsorgt werden. Ein großer Teil des Gift-Cocktails bleibt aber im Boden.

Coba passt Prognose an

Nicht nur laut HSH-Nordbank-Analyst Edelmann dürfte das Folgen für das Ölangebot haben. Auch Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, erwartet beim Preis keine großen Sprünge: "Wir haben unsere Ölpreisprognose nach der Opec-Sitzung entsprechend angepasst. Im ersten Quartal 2017 sehen wir die Ölpreise aufgrund der Opec-Produktionskürzung höher als bislang." Der Ölmarkt sei dadurch in den kommenden sechs Monaten nicht mehr überversorgt.

Das höhere Preisniveau werde aber zu einem schnelleren Anstieg der US-Ölproduktion führen, so Weinberg. "Dieses zusätzliche Angebot dürfte die Ölpreise im Verlauf von 2017 belasten, so dass wir unsere Jahresendprognose für 2017 von 55 auf 48 Dollar gesenkt haben."  

Wie der saisonale Chart zeigt, unterliegt der Ölpreis im Jahresverlauf typischen Schwankungen. | Bildquelle: Seasonalcharts, Dimitri Speck

"Schummeleien" der Opec-Länder?

Die Experten von JPMorgan sind zwar optimistischer, aber auch sie rechnen mit steigendem Preisdruck gegen Ende des kommenden Jahres. Die Analysten erhöhten zunächst das Preisziel für das Fass Brent auf 58,25 und für die Sorte West Texas Intermediate auf 56,25 Dollar. Aber sie warnen, dass "Schummeleien" das Abkommen ab der zweiten Jahreshälfte aushöhlen werden.

Fracking in Pennsylvania

Fracking in Pennsylvania. | Quelle: picture-alliance/dpa

Damit meinen die Analysten, dass sich eventuell nicht alle Länder diszipliniert an die Vereinbarung halten werden. Die langfristige Geschlossenheit der Opec sollte man nicht überschätzen. Die Verlockung wird groß sein, die heimischen Staatsbudgets mit Ölverkäufen wieder zu stützen, die wegen des Preisverfalls unter massiven Druck geraten sind. Außerdem generieren Saudi-Arabien und die anderen Opec-Länder einen Großteil der Staatseinnahmen aus dem Ölverkauf.

Saudi-Arabien hatte versucht, die US-Schieferöl-Industrie mit Hilfe eines niedrigen Ölpreises in den Ruin zu treiben. Im Augenblick sieht es also danach aus, als sei diese riskante und extrem teure Strategie gescheitert. Da "Schummeleien" als Konsequenz der höheren Ölpreise wahrscheinlich mit einer Erholung der US-Schieferölproduktion einhergehen werden, rechnet JPMorgan jedenfalls mit einem Ausbau der Ölvorräte im vierten Quartal 2017. Das würde zu einem erneuten Druck auf den Ölpreis führen, so die Fachleute.

Teurer Dollar, billiges Öl?

Besonders beachtet werden natürlich die Prognosen der Investmentbank Goldman Sachs. Die Analysten sehen den Preis für das Fass WTI Ende des kommenden Jahres bei 55 Dollar, Brent soll bei 57 Dollar je Barrel. Also herrscht auch hier zwar leichter Optimismus, große Sprünge prognostizieren die Goldmänner aber nicht.

Nicht zu vergessen ist zudem die Zinspolitik der US-Notenbank Fed, die ihre Geldpolitik derzeit strafft. Denn auch vom steigenden Dollar geht grundsätzlich ein gewisser Druck auf den Ölpreis aus. Schließlich bedeutet das, Öl wird in anderen Währungsräumen teurer. Das könnte wiederum die Nachfrage dämpfen. Im Ergebnis ist im kommenden Jahr also nicht mit einem deutlichen Anstieg der Ölpreise zu rechnen.   

US-Dollar und Öl im Vergleich

US-Dollar und Öl im Vergleich. | Bildquelle: Research.stlouisfed.org, Grafik: boerse.ARD.de

Bleibt der Ölpreis dauerhaft niedrig?

Die Fachleute der Unternehmensberatung Roland Berger gehen noch weiter. Sie behaupten, dass sich die Ölindustrie dauerhaft auf einen niedrigen Preis einstellen müsse. Ein Grund ist wie bereits erwähnt das effizientere Fördern per Fracking. Technische Weiterentwicklungen werden nach Ansicht der Fachleute die Kosten weiter senken, sodass die Ölförderung trotz niedrigem Ölpreis profitabel bleibt. Dadurch verliere die Opec schließlich zunehmend Einfluss auf die Preisgestaltung.     

"Lower for much longer": Diese These vertreten die Experten der Unternehmensberatung - jedenfalls, wenn nichts dazwischenkommt. Denn natürlich könnten beispielsweise Krisen im Mittleren Osten oder ein Einbruch der Weltkonjunktur die schönsten Analystenszenarien wertlos machen.   

ts