Erdölplattform

Förderkürzungen und Wirtschaftswachstum Der neue Öl-Boom

Stand: 02.02.2018, 16:14 Uhr

Das "schwarze Gold" glänzt nicht erst seit Anfang des Jahres 2018 wieder. Bereits im Vorjahr hat die Steigerung der Ölpreise so manchen Aktienindex hinter sich gelassen. Auch für die kommenden Monate scheinen die Weichen gestellt - es geht weiter aufwärts.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist stets forsch bei ihren Prognosen, und liegt meist richtig damit. In Sachen Öl haben sich die Experten in dieser Woche festgelegt: Der Preisanstieg geht weiter. Bei der Nordseesorte Brent sieht Goldman den Preis in den kommenden drei Monaten von derzeit 65 auf 75 Dollar je Barrel (Fass mit 159 Litern) steigen. Binnen der nächsten sechs Monate könnten dann 82,50 Dollar erreicht werden.

Von 26 auf 90 Dollar?

Bei der US-Sorte WTI dürften sich dann die Preise nahe 90 Dollar bewegen, gar nicht so weit entfernt von der magischen 100-Dollar-Marke. Eine bemerkenswerte Preisrally liegt schon jetzt hinter dem Ölpreis, bedenkt man, dass noch im Februar 2016 nur noch 26 Dollar je Barrel bezahlt wurden, die Öllager praktisch überliefen, ganze Tankerflotten gechartert werden mussten, um Überschüsse auf hoher See zwischenzulagern.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
72,10
Differenz relativ
-1,24%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
68,15
Differenz relativ
-0,79%

Profitabel arbeiten die meisten Förderländer wieder, seitdem die Marke von 65 Dollar je Barrel überboten wurde. Auch Länder, deren Staatshaushalte teilweise von der Ölförderung abhängen, wie Russland oder Venezuela, können damit gut leben. Neue Ölfördermöglichkeiten werden in vielen Ländern bei diesen Preisen erkundet, selbst im hessischen Ried wird nach erfolgreicher Testförderung seit 2016 wieder stärker Öl gefördert.

Lager-Überschüsse bald abgebaut

Öllager in Rotterdam. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Entscheidende Entwicklungen haben sich seit beim Preistief vor zwei Jahren abgespielt. Auf der Angebotsseite hat vor allem die Opec mit drakonischen Förderkürzungen in den Markt eingegriffen. Seit Anfang 2016 wurde die Förderung um 1,8 Millionen Barrel gekürzt, mit dem Ziel, die Lagerbestände abzubauen und auf ein Niveau zurückzuführen, das dem Fünf-Jahres-Schnitt entspricht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten innerhalb des Ölkartells ist es gelungen, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Mitte 2018 werden die Lagerbestände nach Expertenansicht dieses Zielniveau erreicht haben. Vor Jahresende 2017 lagen diese Bestände im OECD-Raum laut der Internationalen Energieagentur (IEA) mit 2.940 Millionen Barrel nur noch um rund 100 Millionen Barrel über dieser Marke. Die Förderkürzungen der Opec wurden inzwischen bis Ende 2018 verlängert.

US-Förderer schauen mehr auf den Gewinn

Auch der stete Ölstrom aus den USA konnte im vergangenen Jahr einen 20-prozentigen Ölpreisanstieg nicht verhindern. Die USA nutzen ihre Schieferölfelder massiv. Laut einer Analyse des Marktforschungs-Unternehmen IHS könnte die Förderung im laufenden Jahr sogar von 9,8 auf 10,5 Millionen Barrel täglich ausgeweitet werden. Damit würden die USA zum zweitgrößten Förderland, nach Russland und vor Saudi-Arabien aufrücken. Inzwischen legen aber auch die US-Explorateure mehr Wert auf nachhaltige Gewinne bei der Förderung, die hemmungslose Ausweitung der Bohrlöcher scheint erst einmal vorbei zu sein.

BP Öl-Raffinerie in Spanien

BP-Raffinerie. | Bildquelle: Unternehmen

Vor allem aber die boomende Weltwirtschaft spielt den Ölförderern und den Ölfirmen derzeit in die Karten. Das Weltwirtschaftswachstum wird im laufenden Jahr nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei starken 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen. Damit steigt der Öldurst unaufhaltsam weiter - Wachstum braucht Treibstoff. Das gilt nach wie vor auch für die Verbrennungsmotoren von Pkw und Lkw. Erst für die Mitte der 2020er Jahre wird damit gerechnet, dass eine nennenwerte Verbreitung von Elektrofahrzeugen die Nachfrage nach Benzin und Diesel belasten könnte.

Ölmilliarden sprudeln wieder

Die großen Gewinner am Aktienmarkt sind die Ölmultis, die in den vergangenen zwei Jahren zum Teil in der Verlustzone operiert haben und Förder- und Raffineriekapazitäten unter hohen Kosten reduzieren mussten. Ihre Aktienkurse haben sich aus großen Tiefen wieder nach oben gearbeitet, die Ölmilliarden fließen wieder, wie auch die ersten Ergebnisse der US-Berichtssaison für das vierte Quartal 2017 zeigen. Nach oben scheint angesichts der vergleichsweise günstigen Bewertungen vieler Ölaktien noch Luft zu sein. Große Investoren dürften auch nach den hochfliegenden Kursen bei Tech-Aktien durchaus bereit sein, in Richtung der Papiere aus der "old economy" umzuschichten (s. unsere Serie: Ölmultis mit neuem Schwung).

AB