Ölwirtschaft

Benzinzapfhahn

Diesel vs. Benzin Die getankte Ungerechtigkeit

Stand: 27.08.2015, 13:26 Uhr

Meistens ist Diesel günstiger als Benzin – das liegt an den Steuern. Und manchmal steigen die Benzin-Preise, obwohl Diesel günstiger wird – schuld sind die Märkte!

Die Herstellung von Benzin und Diesel sind aneinander gekoppelt. Das heißt, wer Benzin will, muss auch Diesel herstellen – und umgekehrt. Im Schnitt werden aus einer Tonne Rohöl etwa 200 Liter Benzin, aber zugleich 390 Liter Diesel sowie Nebenprodukte wie Kerosin oder Bitumen gewonnen. Erhöht man also die Produktion von Benzin, erhält man automatisch auch mehr Diesel. Ist das Diesel-Angebot nun höher als die Nachfrage, sinkt der Preis.

Globale Märkte

Ein Hauptabnehmer für Benzin sind die Vereinigten Staaten. Gleichzeitig exportieren diese den überschüssigen Diesel-Kraftstoff nach Europa. Steigt nun in den USA die Nachfrage nach Benzin, entsteht durch die gekoppelte Produktion in Europa ein Überangebot an Diesel – und der Preis fällt.

Aber auch die Schwellenländer haben Einfluss darauf, was Sie für den Liter Diesel zahlen. Dort wird Diesel gerne zur Energiegewinnung verwendet – Dieselkraftwerke sind schnell und flexibel aufzubauen. Wo man kurzfristig mehr Strom braucht, etwa für eine Erweiterung der Fabrikanlagen, lohnen sich Dieselgeneratoren. Bricht das Wachstum dort ein, geht auch die Nachfrage zurück und der Preis für Diesel an den Zapfsäulen fällt.

Die lieben Nachbarn

Die Länder mit dem größten Dieselverbrauch im Straßenverkehr sind Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien – dabei geht es vor allem um Lkw. Diese Länder sind also auch die Hauptabnehmer für Diesel. Durch die Wirtschaftskrise geht es der Logistikbranche schlechter, da weniger Waren transportiert werden. Dadurch schwindet die Nachfrage und der Preis fällt: Seit 2012 von durchschnittlich 1,49 auf 1,20 Euro in diesem Jahr.

Diesel- und Benzinnachfrage in der EU

Diesel- und Benzinnachfrage in der EU . | Bildquelle: FuelsEurope, Grafik: boerse.ARD.de

Langfristig wird Diesel allerdings allerdings immer beliebter, vor allem in Deutschland. Wie das Kraftfahrtbundesamt berichtet, waren 2006 noch rund 36 Millionen Benziner und zehn Millionen Diesel-Pkw auf deutschen Straßen unterwegs. Heute tanken nur noch knapp 30 Millionen Autos Benzin und fast 14 Millionen fahren mit Diesel – ein Zuwachs von 40 Prozent. Der Trend geht also eindeutig hin zum Diesel-Pkw. Aber auch immer mehr Lkw donnern über die deutschen Straßen: 2,7 Millionen Brummis sind in Deutschland registriert – seit 1990 sind etwa 1,3 Millionen dazugekommen.

FW

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