Goldbarren und Euroscheine

Eine der Top-Drei-Goldnationen Die Deutschen und der Glanz des Goldes

Stand: 28.02.2018, 11:02 Uhr

Wegen des starken Euro ist der Goldpreis in den letzten Wochen kaum von der Stelle gekommen. 2017 ist er sogar gesunken. Doch das ficht die Deutschen nicht an. Sie kaufen soviel Gold wie niemand sonst in Europa.

Von den 188 Tonnen Gold, die im vergangenen Jahr in Europa verkauft wurden, gingen 106 Tonnen nach Deutschland. Das geht aus dem heute veröffentlichten Jahresbericht des World Gold Councils hervor, dem Verband der Goldbergbauindustrie.

Deutschland verfügt damit über einen Nachfrageanteil von über 56 Prozent. Folglich ging im vergangenen Jahr jeder zweite in Europa verkaufte Goldbarren über den Ladentisch in Deutschland.

Nummer drei in der Welt

Auch international zählt Deutschland mit den mehr als 100 Tonnen gekauften Goldes zu den Top drei Goldnationen. Eine noch höhere Nachfrage nach Münzen und Barren erzielte Indien mit rund 164 Tonnen. Absoluter Spitzenreiter im weltweiten Goldhandel war 2017 mit Abstand China: Hier wurden rund 313 Tonnen des gelben Edelmetalls verkauft. Generell ist die Nachfrage im asiatischen Raum besonders hoch: Zwei Drittel der weltweiten Goldkäufe entfallen auf diese Region.

Goldverkäufe weltweit

Goldverkäufe weltweit. | Bildquelle: OBS, Grafik: boerse.ARD.de

Der Lobbyverein World Gold Council geht davon aus, dass der Trend zu Goldkäufen in Deutschland auch in diesem Jahr anhalten wird. Der Hang zu Anlagen in Gold sei Ausdruck der "großen Unsicherheit gegenüber den Finanzmärkten und der Politik", so die Aussage. Inzwischen ahnten die Anleger in Deutschland, dass ein geldpolitischer Umbruch aufgrund steigender Zinsen unmittelbar bevorstehe.

Wunschdenken der Goldverkäufer

Das ist natürlich Wunschdenken der Goldverkäufer. Eine Anhebung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank steht auch in diesem Jahr nicht auf der Agenda. Fakt ist allerdings, dass eine Mehrheit der Deutschen seit vielen Jahrzehnten Anlagen am Kapitalmarkt - allen voran in Aktien - scheut wie der Teufel das Weihwasser, egal wie hoch oder niedrig die Leitzinsen sind. Derlei Investments gelten als zu riskant. Dabei hat es sich im vergangenen Jahr genau umgekehrt verhalten.

Nicht mit Anlagen in Gold ließ sich ein Wertzuwachs erzielen, sondern mit Aktien. So hat der deutsche Leitindex Dax im vergangenen Jahr einen Kurszuwachs von stolzen 12,5 Prozent erzielt, während der Goldpreis in Euro gerechnet sank. Nun schüren die Bergbaukonzerne die Ängste der Deutschen mit der Behauptung, die Aktienmärkte würden "stärker unter Druck" geraten.

lg