Rohstoffe

Ein Diamant mit 84.37 Karat

Des Anlegers bester Freund? Diamanten als Schmuck für das Depot

Stand: 14.07.2015, 14:04 Uhr

Die Schuldenkrise und das Auf und Ab an den Finanzmärkten weckt in so manchem verunsicherten Anleger die Sehnsucht nach wahren, ewigen Werten. Und wer dächte da nicht an Diamanten?

Die Chancen für steigende Diamanten-Preise könnten gar nicht so schlecht sein. In einer Studie zu den Perspektiven der Diamanten-Industrie schreiben die Experten von Bain & Company und des vermutlich nicht ganz unparteiischen Antwerp World Diamond Centre (AWDC), dass die Nachfrage das Angebot bald weit übersteigen dürfte. "Die Diamantenförderung kann die steigende Nachfrage nur bis etwa 2019 befriedigen", heißt es.

Bis dahin soll nach Ansicht der Fachleute auch das Fördervolumen von Rohdiamanten etwa wegen alternder Minen um bis zu zwei Prozent zurückgehen. Schon bis 2019 werde sich die Rohdiamantenproduktion auf rund 163 Millionen Karat belaufen und damit unter den 177 Millionen Karat Volumen des Jahres 2005 liegen. Dann würden Diamanten also knapp. Daten von statista.com zeigen die Rohdiamantenproduktion der vergangenen Jahre.

Globale Produktion von Rohdiamanten von 2005 bis 2013 (in Mio. Karat)

Rohdiamantenproduktion. | Bildquelle: Statista, Grafik: boerse.ARD.de

Preise zuletzt unter Druck

Michael Dutz, Vorstand beim Vermögensverwalter und Anlageberater Adlatus unterstreicht, dass die Preise für geschliffene Diamanten bis zum Jahr 2000 in gesunder Weise gestiegen seien. "Die Dynamik der Preissteigerungen hat seit 2001 stark zugenommen", so der Fachmann. Zuletzt verlief die Preisentwicklung allerdings nicht besonders beeindruckend. Rohdiamanten verbilligten sich um 6.9 Prozent in den letzten drei Monaten des Jahres 2014. Das entspreche dem stärksten Rückgang seit zwei Jahren, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Und der in der Branche vielbeachtete Rapaport-Preisindex für geschliffene Diamanten zeigt für die vergangenen Monate ebenfalls eine deutliche rückläufige Tendenz. Seit Juli 2014 sanken beispielsweise die Preise für Diamanten von der Größe eines Karats um rund 15 Prozent. 0,3-Karat-Diamanten wurden im gleichen Zeitraum diesem Index zufolge um etwa 25 Prozent günstiger gehandelt. Es geht also nicht nur aufwärts.

China und USA, die Wachstumstreiber

Die Preisentwicklung der Diamanten ist eng mit dem Bedarf nach Luxusartikeln verknüpft. Die Analysten von McKinsey stellen in einer Studie zum Diamantenmarkt fest, dass die Nachfrage nach Diamanten aus historischer Sicht mehr oder weniger am BIP-Wachstum hing: "Wir erwarten, dass dies auch künftig so bleibt." Anleger gehen also auch eine Wette auf künftiges Wirtschaftswachstum ein.

Diamantschmuck

Wer könnte bei so schönem Schmuck schon nein sagen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hier ist der Blick auf die USA und China angezeigt, auch Indien spielt in diesem Markt eine wachsende Rolle. In den USA erwirtschaftet die Branche laut Bain 2013 rund ein Drittel ihres weltweiten Umsatzes mit Diamantschmuck. Und in China werde sich der Absatz dank wachsender Mittelschicht und Urbanisierung bis 2024 voraussichtlich verdoppeln, meinen die Fachleute.

Paul Gait, Analyst bei Sanford C. Bernstein, ist der Ansicht, dass ein Großteil der Nachfrage in China von der wachsenden Mittelschicht getragen wird: "Der chinesische Diamantenmarkt hat das Potenzial, ein enormer Treiber für die gesamte Nachfrage zu sein", prognostiziert Gait. Allerdings knickte der chinesische Aktienmarkt zuletzt massiv ein und das Reich der Mitte kennt durchaus Wachstumssorgen. Anleger sollten die Lage dort also besser genau beobachten.

Was kosten Diamanten?

Knietief stehen junge Männer im Wasser einer Diamantenmine in Koidu im District Kono von Sierra Leone und waschen lehmigen Boden auf der Suche nach Diamanten

Diamantensucher. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die These der Fachleute, wonach die Preise steigen sollen, klingt zwar plausibel. Aber wie wird der Preis für Diamanten eigentlich festgestellt? In der Beantwortung dieser Frage liegt ein wesentliches Problem für private Anleger, die nach einer sicheren und renditeträchtigen Geldanlage suchen.

Wer ein Barrel WTI-Öl in einem Fass in seinem Garten lagert, weiß, was es wert ist.  Für Diamanten hingegen gibt es keinen geregelten Markt mit täglichen, nachvollziehbaren Kursen, wie das etwa bei anderen Rohstoffen oder beim Aktienmarkt der Fall ist. Wer an transparenten, allgemein gültigen Preisen interessiert ist, wird sie am Diamantenmarkt nicht finden. Deshalb gibt es auch keinen wirklich zuverlässigen Preisindex, auf den sich Anleger verlassen können. Die Preise sind eher als Richtwerte zu sehen.

Trotz vieler verschiedener Diamantenbörsen hat sich am Prinzip des Privathandels nicht viel geändert. Welcher Privatanleger verfügt schon über hinreichende Expertise, um hier erfolgreich mit Fachleuten über den Wert seiner Stücke zu debattieren? "Das Investment erfordert hohe eigene Kenntnisse oder einen Berater mit hoher Expertise und Vertrauenswürdigkeit", meint Michael Dutz.

Schwierige Liquiditätslage

Diamanten sind schließlich Einzelstücke. Es gibt zwar Preiskriterien, die sogenannten 4C, aber der Wert jedes Stückes muss individuell festgestellt und privat mit dem potenziellen Käufer verhandelt werden. "All diese Kriterien sollten bei Diamanten in einem unabhängigen Zertifikat zusammengefasst sein", rät der Experte von Adlatus.

Ein weiteres Problem, das damit zusammenhängt, ist die fehlende Liquidität des Marktes. "Selbst Diamantenbörsen, die Handelsaktivitäten zentralisieren, garantieren nicht, dass Besitzer ihre Diamanten zu jedem Zeitpunkt verkaufen können", schreiben die Fachleute von Bain.

Ein Händler prüft einen Diamanten

Diamanten: roh oder geschliffen?

Das Gewicht des Diamanten wird in Karat gemessen, die Abkürzung lautet ct. Ein Karat entspricht 0,2 Gramm. Jeder Diamant ist ein Einzelstück, der Preis wird individuell verhandelt und beurteilt. Er hängt von vier subjektiven Bewertungskriterien ab, den sogenannten 4 Cs: Colour (Farbe), Clarity (Reinheit), Carat (Gewicht) und Cut (Schliff). Ein Fachmann bewertet also die Qualität des Schliffs, die Schönheit der Farbe und den Grad der Reinheit.

Das Problem ist, dass es natürlich Moden gibt, die den Preis beeinflussen. Außerdem handeln Händler und Zwischenhändler oft mit zweistelligen Margen. Der Stein geht üblicherweise durch viele Hände, bevor er beim Käufer landet - und alle wollen verdienen.

Die Mehrwertsteuer will verdient sein

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Differenz relativ
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Anleger sollten auch nicht vergessen, dass, anders als beispielsweise bei Gold, der  Kauf eines Diamanten mehrwertsteuerpflichtig ist. Die Mehrwertsteuer muss durch Preissteigerung wieder erwirtschaftet werden. Für kurzfristige Spekulation eignen sich Diamanten also nicht. Schließlich ist es auch nicht gerade unbeachtlich, dass Diamanten in Dollar gehandelt werden. Ein Blick auf den Kurschart des Euro zeigt, dass auch hier große Risiken schlummern.      

Das direkte Investieren in Diamanten ist folglich nicht unproblematisch. Aber selbstverständlich gibt es noch die Möglichkeit sich Aktien von Branchenunternehmen auszusuchen, um so von der erhofften Preissteigerung zu profitieren.  

ts