Ein Goldbarren auf -Münzen

Über doppelt so viel Barren und Gold gekauft Deutsche sind die größten Goldfans

Stand: 31.07.2020, 17:12 Uhr

Wohl in kaum einem Land ist die Inflationsangst so ausgeprägt wie in Deutschland. Deshalb kaufen die Bundesbürger derzeit massenhaft Gold – im ersten Halbjahr sogar mehr als die Chinesen. Das gelbe Edelmetall wird immer teurer.

"Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles!" Was Gretchen im "Faust" von Johann Wolfgang von Goethe wusste, wird immer mehr Deutschen klar. In der Corona-Krise ist Gold der letzte sichere Anker. Sollten die billionenschweren Konjunkturpakete und die lockere Geldpolitik der Notenbanken die Teuerung anheizen, gilt das Edelmetall als ultimativer Schutz gegen eine hohe Inflation.

Aus Angst vor der großen Verschuldungskrise horten derzeit viele Deutsche physisches Gold. Nach Angaben des World Gold Council kauften sie im ersten Halbjahr 83,5 Tonnen des gelben Edelmetalls. Das ist mehr als so viel wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Deutsche kaufen mehr als die Chinesen

Goldschmuck

Goldschmuck. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Damit hat Deutschland China als wichtigsten Absatzmarkt weltweit für Goldbarren und Anlegermünzen überholt. Die Chinesen kauften im ersten Halbjahr nur 81 Tonnen des Edelmetalls - 42,6 Tonnen weniger als in den ersten sechs Monaten 2019.

Die Deutschen ticken bei Gold derzeit anders als der Großteil der Welt. International ging die Nachfrage nach Gold in Form von Barren und Münzen um 17 Prozent auf knapp 400 Tonnen zurück, meldete der Weltgoldrat. Dabei gab es eine "klare Ost-West-Teilung": In den meisten Ländern Asiens und in Nahost sank der Absatz, im Westen stieg er, vor allem eben in Deutschland.

Zwei Hände mit Heraeus-Goldbarren

Heraeus. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Goldhändler berichten von einem regelrechten Ansturm. "Die Telefone bei unseren Händlern klingeln ununterbrochen", sagt Hans-Günther Ritter, Leiter des Edelmetallhandels bei Heraeus. Bereits im ersten Quartal habe sich die Goldnachfrage mehr als verdoppelt, heißt es von Pro Aurum. In den Niederlassungen und im Onlineshop wären viele Kunden gewesen, die zum ersten Mal in das gelbe Edelmetall investiert hätten.

Rekordzuflüsse bei Gold-ETFs

Die deutschen Sparer tragen freilich nur einen geringen Teil zur aktuellen Gold-Rally bei. Der größte Treiber der Nachfrage sind die Gold-Indexfonds. Sie verzeichnen rekordhohe Zuflüsse. Die ETFs erwarben im ersten Halbjahr die stolze Summe von 734 Tonnen Gold. Alleine im zweiten Quartal stiegen die Zuflüsse u, über 300 Prozent. Der größte Gold-ETF, der SPDR Gold Trust, hält inzwischen mit 1.150 Tonnen mehr Gold als die Schweizer Nationalbank SNB. Die sinkende Nachfrage aus der Schmuckindustrie und auch von den Notenbanken fällt da weniger ins Gewicht.

Goldpreis bald über 2.000 Dollar?

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Goldpreis eilt von Rekord zu Rekord. Nach knapp neun Jahren hat der Preis für das Edelmetall vergangene Woche erstmals die 1.900-Dollar-Marke übersprungen. Nur wenige Tage später kletterte der Goldpreis auf bis zu 1980,57 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Auch wenn Anleger im Anschluss erstmal Kasse machten und der Goldpreis am Freitag bei 1960 Dollar lag, trauen viele Marktteilnehmer der Anti-Krisen-Währung schon in Kürze wieder weitere Sprünge zu. Experten von Goldman Sachs rechnen mit einem Goldpreis von 2.000 Dollar je Feinunze in den nächsten zwölf Monaten. Die Rohstoff-Analysten der UBS trauen dem gelben Edelmetall den Sprung über die runde Marke schon im September zu.

nb